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Die Fraktionen von FBK, Grünen und SPD im Kraillinger Gemeinderat haben beantragt, aus Solidarität mit Flüchtlingen auf das Böllern an Neujahr zu verzichten.

Antrag von FBK, Grüne und SPD

Gemeinderäte fordern: Wegen Flüchtlingen keine Böller

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Krailling - Keine Böller an Neujahr - aus Solidarität mit traumatisierten Flüchtlingen. Das haben drei Fraktionen im Kraillinger Gemeinderat gefordert.

Update vom 11. Dezember: Soll man aus Rücksicht auf Flüchtlinge zum Jahreswechsel auf Böllern verzichten? Das sagen die Vereine im Landkreis zu dem Vorstoß im Kraillinger Gemeinderat.

Es wird weiter geböllert an Neujahr. Die Fraktionen FBK, Grüne und SPD sind im Kraillinger Gemeinderat mit ihrem Antrag gescheitert, auf „jegliches Böllern“ zu verzichten. Sie wollten sich solidarisch zeigen mit traumatisierten Flüchtlingen.

Immer bis zu 500 Zuschauer beim Neujahrsböllern - Ein Problem für Flüchtlinge?

Zum achten Mal steht am 1. Januar auf dem Waldbergerl an der Grenze zwischen Krailling und Stockdorf das Neujahrsböllern der Gemeinden Gauting und Krailling an. Die Stockdorfer St.Vitus-Schützen, die Hubertusschützen aus Planegg und die Buchendorfer Raubwildschützen versammeln sich, um mit Handböllern, Standböllern und Kanonen das neue Jahr zu begrüßen. Bis zu 500 Zuschauer kommen regelmäßig. Verwendet wird Schwarzpulver. Zehnmal hintereinander geben die 20 bis 25 Schützen Schüsse in verschiedenen Abfolgen ab. „Das dauert ungefähr eine halbe Stunde“, sagt Gerhard Körner, Schützenmeister der Stockdorfer.

Eine halbe Stunde, die die Fraktionen FBK, Grüne und SPD im Kraillinger Gemeinderat gerne streichen würden. 

Nicht für immer, aber „in der Eingewöhnungsphase der Flüchtlinge und Asylbewerber“, wie es im Antrag heißt. Und weiter: „In vielen Ländern dieser Erde wird Krieg geführt, das heißt, es wird geschossen. Aus diesen Ländern nehmen wir Flüchtlinge und Asylbewerber auf. Die, die bereits in unserer Nachbarschaft wohnen, wird das Böllern mit neuer Angst erfüllen. Sich an unseren, diesen Brauch zu gewöhnen, wird für die traumatisierten Schutzsuchenden einige Zeit dauern.“

Verzicht auf Böllern für Flüchtlinge: "Das gehört grundsätzlich abgeschafft."

„Wir können ein wunderbares Zeichen setzen, gerade in diesem Jahr“, warb Martin Hoffmann (SPD) für das Ansinnen. Man könne Flüchtlingen zeigen, dass man einfühlsam sei. Dietlind Freyer-Zacherl betonte: „Das Brauchtum kommt aus dem Gebirge, nicht aus Krailling.“ Werner Engl (Grüne) stört sich ohnehin an der Neujahrsböllerei: „Das gehört grundsätzlich abgeschafft.“

Eleonore Zwißler (CSU) entgegnete: „Wir sollten an unseren Bräuchen festhalten.“ Unterstützung bekam sie von Karin Wolf (UWK): „Die Menschen, die bei uns leben werden, sollen unsere Bräuche kennenlernen.“ Richard Siebler (CSU), selbst „kein Fan“ des Böllerschießens, sah keine übermäßige Belastung für Flüchtlinge. Der Chemielehrer am Gräfelfinger Kurt-Huber-Gymnasium berichtete von zahlreichen Gesprächen mit Flüchtlingen, die zeitweise in der dortigen Turnhalle untergebracht waren. „Sie sagen selbst, dass so etwas für sie kein Problem ist.“ Der Antrag wurde schließlich mit 12:9 Stimmen abglehnt.

Bürgermeisterin Christine Borst hatte sich im Vorfeld des Gemeinderates mit ihrer Gautinger Amtskollegin Brigitte Kössinger kurzgeschlossen. Diese wolle laut Borst „ungern auf die Tradition verzichten“. Die Flüchtlinge würden rechtzeitig vorab informiert.

Aktuell leben 150 Asylbewerber in Gauting, bis zum Jahreswechsel dürfte die Zahl auf rund 300 steigen. In Krailling sind elf Flüchtlinge plus sechs anerkannte Flüchtlinge untergebracht. Die auf der Sanatoriumswiese vorgesehene Container-Unterkunft wird frühestens im März bezogen.

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