Landkreis Starnberg will Trägerschaft für Schutzprojekt im Kreuzlinger Forst übernehmen

Hilfe für Sand-Veilchen und Wechselkröte

  • VonMichael Stürzer
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Krailling – Der Landkreis Starnberg und die Gemeinde Krailling wollen in den kommenden Jahren mehrere Hunderttausend Euro in ein Projekt des „BayernNetzNatur“ auf dem Areal des früheren Pionierübungsplatzes nordwestlich der KIM investieren.

Krailling - Insgesamt geht es um rund 760 Hektar zwischen Krailling, Gauting und der A 96. 226 Hektar davon sind das Tanklager, dessen Betreiber sich stark um ökologische Belange bemühen und weite Teile des Areals als Ökokonto verwenden wollen. Ein weiterer Teil gehört dem Bund, einige Flächen sind privat – die Eigentümer können sich beteiligen, müssen es aber nicht. Das Projekt gehört zum „BayernNetzNatur“, das bei hoher staatlicher Förderung derzeit rund 400 Projekte dieser Art verfolgt. Jenes für den Pionierplatz soll von 2022 bis 2027 unter Trägerschaft des Landkreises und der Gemeinde Krailling laufen. Der Umweltausschuss des Kreistages stimmte dem Vorhaben bereits zu, der Kreisausschuss berät diese Woche über das Projekt, das allerdings nicht ganz unumstritten ist.

13 Hektar überregional bedeutsam

Die Fläche ist zwar groß, bedeutsame Lebensräume sind aber nur auf Teilflächen nachzuweisen. Jan Vancura vom Planungsbüro PAN betreut das Kraillinger Projekt und beziffert 31 Hektar als landesweit, 13 als überregional bedeutsam. Nach Angaben von Peter Drefahl von der Unteren Naturschutzbehörde am Landratsamt gibt es in dem Gebiet 207 landkreisbedeutsame Tier- und Pflanzenarten gelistet, darunter sechs vom Aussterben bedrohte, 34 stark gefährdete, 92 gefährdete und 132 Arten auf der Vorwarnliste. In dem Gebiet gibt es vor allem Trockenbiotope, Kalk- und Silikatmagerrasen und dergleichen. Zu den dort festgestellten, bedrohten Arten gehören etwa Sand-Veilchen, Grasnelkenblättriges Habichtskraut, Kreuz-Enzian, Heidelerche sowie der Wendehals, die Schlingnatter, die Wechselkröte oder die Blauflügelige Ödlandschrecke und das Wald-Wiesenvögelchen. „Wenn wir das erhalten wollen, müssen wir eindeutig tätig werden“, sagte Drefahl.

Problem ist, dass selbst in nicht betretbaren Teilen des Areals diese Naturräume bedroht sind, weil sie unter anderem überwuchert werden. Offenlandbereiche sollen deswegen verknüpft, Bereiche entbuscht und regelmäßig gemäht werden. Oberboden soll in Teilbereichen abgeschoben werden, es sollen auch neue Kleingewässer angelegt werden – alles, um den Arten einen Lebensraum zu geben.

Besucherlenkung auf dem Pioniergelände und im Tanklager

Jan Vancura präsentierte auch Maßnahmen zur Besucherlenkung auf dem Pioniergelände und dem Tanklager, das Führungen zulassen will. Er denkt an eine Tafel und Infohütte, Internetauftritt, Infomaterial für Schulklassen und dergleichen mehr. Zum Projekt gehört ein Pflegekonzept samt Maßnahmen, eventuell auch der Erwerb von Waldflächen. Ein Projektbetreuer soll das alles steuern. Innerhalb des Gebiets ist auf dem östlichen Teil des früheren Übungsplatzes ein Pflege- und Entwicklungsplan vorgesehen.

Was bringt das dem Landkreis und der Region? Drefahls und Vancuras Liste ist lang: Akzeptanz und Image, Konzentration der Mittel auf bedeutsame Gebiete, es ist ein Vorzeigeprojekt, ein Naherholungsgebiet und vieles mehr. Und Landwirte in dem Bereich könnten von den Maßnahmen profitieren. Das wollten die Kreisräte Martin Fink und Georg Zankl (beide CSU) nicht recht glauben. Fink fand die Fläche zu groß („Größenwahn“) und wollte sie vergeblich verkleinern. Die Eigentümer der privaten Flächen wüssten nichts von dem Projekt, klagte er – obwohl das Vorhaben bereits vor mehr als einem Jahr sowohl beim Kreis als auch in Krailling vorgestellt worden war. Zankl fürchtete, dass den Eigentümern Nachteile erwachsen. Drefahl und Landrat Stefan Frey versuchten das zu entkräften, schließlich beruhe alles auf Freiwilligkeit. Frey konnte keine Konstellation für einen Konflikt erkennen: „Es ist ja kein Baugebiet.“ Zudem gebe es dort schon eine Art Biotopverbund. Drei CSU-Kreisräte stimmten dennoch dagegen.

Gesamtkosten von 614 000 Euro

Projektträger wird der Landkreis, der die Gesamtkosten von 614 000 Euro auf fünf Jahre auch fast komplett vorschießen soll. Allerdings sind sehr hohe Fördermitteln in Aussicht gestellt, die der Umweltausschuss auch zur Bedingung für die Umsetzung macht. Unterm Strich kommen auf den Kreis Kosten von 28 500 Euro pro Jahr zu, auf die Gemeinde Krailing knapp 3000 Euro.

Schützenswerte Natur im Westen Kraillings.

Rubriklistenbild: © Michael Stürzer

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