+
Dieses Bekennerschreiben ging bei der Polizeiinspektion Starnberg ein und wird mittlerweile von den Kollegen in Gauting bearbeitet. Der dortige Polizeichef Ernst Wiedemann nennt den Absender „geistig sehr stark verwirrt“. Fotos: Polizei (2)

Präparierte Köder ausgelegt

Hundehasser schickt Bekennerbrief

  • schließen

Im Landkreis Starnberg treibt offenbar ein Hundehasser sein Unwesen. In Krailling und in Percha hat er mit Rasierklingen präparierte Köder ausgelegt. Auch ein Bekennerschreiben gibt es.

Krailling – Das Schreiben ist handschriftlich verfasst, besteht ausschließlich aus Großbuchstaben: „Ich bin der Hundehasser“, steht auf dem postkartengroßen Pappkarton, der ausschaut, als sei er aus einer Kiste ausgeschnitten worden. Gautings Polizeichef Ernst Wiedemann hat das „Bekennerschreiben“ gestern öffentlich gemacht – durchaus auch mit dem Hintergedanken, dass jemandem die Handschrift bekannt vorkommt und er Hinweise auf den Absender geben kann.

Denn dieser Hundehasser, wie er sich selbst nennt, hat offenbar mindestens zweimal im Landkreis Starnberg zugeschlagen: am Mittwoch, 4. Oktober, zwischen 15 und 17 Uhr im Naherholungsgebiet Percha Beach – und wohl auch schon drei Tage zuvor in Krailling. Erster Polizeihauptkommissar Wiedemann berichtete gestern, dass am Sonntag, 1. Oktober, gegen 17 Uhr ein Hundehalter im Bereich der Kraillinger Innovationsmeile (KIM) einen präparierten Köder entdeckt hatte. „Der Hundehalter fand den mit dem Bruchstück einer Rasierklinge präparierten Wurstköder neben einem Waldweg“, erklärte Wiedemann. Der Zwergschnauzer fraß den Köder zum Glück nicht, sein 20 Jahre altes Herrchen aus München brachte das Wurststück sofort zur Polizei nach Germering. In Percha Beach fraß Snoopy, ein 15 Monate alter Pointer-Mix, den mit einer drei Zentimeter langen Rasierklinge präparierten Köder. Zum Glück erbrach er diese später. Er muste später dennoch operiert werden, da der Tierarzt feststellte, dass sich im Körper des Hundes auch noch eine Nadel befand. Auch sie musste in dem Köder gesteckt haben. Snoopy überlebte.

Vor viereinhalb Jahren hatte ein Hundehasser die Hundehalter im nördlichen Landkreis Starnberg mit einer ganzen Reihe von ausgelegten Ködern in Angst und Schrecken versetzt. Überführt wurde der Täter seinerzeit nie, aber: „Wir hatten damals jemanden kontrolliert, der für uns sehr unter Verdacht stand“, sagte Germerings stellvertretender Polizeichef Andreas Ruch gestern. „Wir konnten ihm zwar nichts nachweisen, nach der Kontrolle gab es aber keine Vorfälle mehr.“

Ob der aktuelle Hundehasser etwas mit den Vorfällen aus dem Jahr 2013 zu tun hat, ist völlig offen. Im Gegensatz zu damals gibt es jetzt das „Bekennerschreiben“. Darin kündigt der Absender an, so lange aktiv sein zu wollen, bis im gesamten Landkreis Starnberg Anleinpflicht gilt. Das Schreiben wurde mit der Post an die Polizeiinspektion Starnberg geschickt und ging dort am Mittwoch ein. Da sich zu dem Zeitpunkt der einzig bekannte Fall in Krailling zugetragen hatte, leiteten die Beamten es an die zuständigen Kollegen in Gauting weiter.

Kommissar Wiedemann findet für den Hundehasser drastische Worte. Er beschreibt ihn als feige und „mit Sicherheit geistig sehr stark verwirrt“. Dass auch Wildtiere wie Fuchs und Dachs zu Schaden kommen können, nehme er offenbar billigend in Kauf. Auf die leichte Schulter nimmt Wiedemann die Angelegenheit nicht, im Gegenteil: „Wir nehmen das Schreiben sehr ernst.“ Eindringlich appelliert er an alle Hundehalter, auf ihre Tiere zu achten und verdächtige Wahrnehmungen sofort der Polizei zu melden. Hinweise erhofft sich Gautings Polizeichef auch von Spaziergängern, Waldarbeitern und Jägern.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Maulkorb für Gutmann
Die Firma Glück hat eine einstweilige Verfügung gegen die Bürgerinitiative Planegg Martinsried (BI) erwirkt. Sollten sich die BI und ihre Vorsitzende Barbara Gutmann …
Maulkorb für Gutmann
Wiesn-Aus für Rotes Kreuz: Würmtaler Retter schwer enttäuscht
Es ist ein Schlag ins Gesicht für viele Ehrenamtliche im Würmtal: Das BRK darf künftig nicht mehr den Sanitätsdienst auf der Wiesn übernehmen. Die Retter der …
Wiesn-Aus für Rotes Kreuz: Würmtaler Retter schwer enttäuscht
Jochen Schwerdtner nimmt Abschied
Jochen Schwerdtner, Vorsitzender der Volkshochschule im Würmtal (Vhs), hat nach 20 Jahren sein Amt zur Verfügung gestellt. Beim Abschied zog Schwerdtner Bilanz.
Jochen Schwerdtner nimmt Abschied
Wohnungssuche bei Sprachproblemen
Wer im Würmtal eine Wohnung sucht, hat es nicht leicht; verfügt er über ein geringes Einkommen und nicht ausreichende Sprachkenntnisse, werden die Hürden schier …
Wohnungssuche bei Sprachproblemen

Kommentare