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Kellermarkt im Bürgerhaus Hubertus: Hannelore Louis-Schmitz, Caroline Voit, Erika Harder, Sylvia Jäger und Heinrich Bach mit einer Flüchtlingsfamilie. 

Angebot für Bedürftige

Einkaufen bei den „Keller-Girls“

Jeden Donnerstag öffnet der Helferkreis Asyl die Kellertüren im Bürgerhaus Hubertus in Krailling für Flüchtlinge und Bedürftige aus der Umgebung. Menschen mit kleinem Geldbeutel können dort gespendete Kleider und Haushaltswaren erstehen.

Krailling – Nein, die Thermoskannen sind alle weg. Die junge Afghanin nickt dankend und schaut sich nach anderen brauchbaren Sachen um. Es ist Donnerstagnachmittag, und in den Kellerräumen des Kraillinger Gemeindehauses Hubertus herrscht reges Gewusel. In drei Kellerräumen und einem weiteren kleinen Raum im Erdgeschoss befinden sich die Verkaufsräume des Helferkreises. Nach Damen, Herren, Kinder und Hausrat aufgeteilt, erwartet den Kunden ein großes Warenlager an Jacken, Schuhen, Mützen, Kinderkleidern, aber auch ein Kinderbettchen, Kochtöpfe oder ein Autositz sind zu haben. Im „Herren-Raum“ hängt sogar ein Einrad zum Verkauf an der Wand. Die beiden Fahrräder links daneben seien allerdings die letzten ihrer Art, sagt Hannelore Louis-Schmitz, organisatorischer Kopf des Bereichs Sachspende des Kraillinger Helferkreises. „Das mit den Rädern ist uns mit Transport und notwendigen Reparaturen zu aufwendig geworden.“

Begonnen hat alles vor knapp zwei Jahren in dem oberen, aber auch kleinsten Zimmer. „Wir sind da jedoch relativ schnell aus allen Nähten geplatzt“, erzählt Hannelore Louis-Schmitz. Die Gemeinde stellte daraufhin die drei weiteren Räumlichkeiten im Untergeschoss zur Verfügung.

Die Klientel ist den „Keller-Girls“, so nennen sich die fünf Damen scherzhaft – obwohl ein Mann die Damen regelmäßig unterstützt –, nicht fremd. „Primär“, so Louis-Schmitz, „kommen die Bewohner aus den Asylbewerber-Containern von gegenüber.“ Man kennt sich und die Kinder werden auch mal kurzerhand zum Spielen resolut von den Damen nach draußen geschickt, wenn der Trubel in den engen Räumen zu viel wird. „Auch die jungen Männer mussten wir anfangs einbremsen“, erinnert sich Erika Harder vom Helferkreis schmunzelnd. „Es ging zu wie auf einem Basar. Jeder versuchte bei einer von uns, den besten Preis herauszuhandeln.“ Die Preisspanne liegt zwischen 20 Cents für ein T-Shirt und maximal vier Euro für ein fast neues oder sehr hochwertiges Kleidungsstück.

Dass die Spenden gegen Bares veräußert werden hat einen einfachen, aber einleuchtenden Grund, so Louis-Schmitz: „Das Geld ist die Garantie, dass die ganzen Sachen nicht gleich wieder irgendwo in der Mülltonne landen.“ Es gehe vor allem um die Wertschätzung. Darunter seien einfach viele qualitativ gute Sachen. Größtenteils stammen die Sachspenden von Privatleuten und aus Haushaltsauflösungen. Unlängst erhielten sie sogar die „Schlamper-Kiste“ eines Gymnasiums. Darunter viel Markenkleidung, die in der Schule von den Kindern verlegt und nicht mehr abgeholt worden seien.

Natürlich bringen sie im Bürgerhaus Hubertus nicht immer alles an den Mann. Dafür existiere jedoch der sehr gute Kontakt zur Klawotte in Gauting, einer sozialen Einrichtung der Arbeiterwohlfahrt. Louis-Schmitz: „Dort kommt alles hin, was wir nicht brauchen. Weggeworfen wird nichts.“ Das so erwirtschaftete Geld fließe dann direkt wieder in den Kreislauf zurück, betont Louis-Schmitz. So hätten sie beispielsweise letzten Sommer einen Grill für die Flüchtlinge angeschafft.

Die „Keller-Girls“ sehen ihren Einsatz genau an diesem Ort nicht nur als soziale Unterstützung, sondern als zentralen Kommunikations-Treffpunkt für die Menschen untereinander. Wichtig sei ihnen, dass alle, die keinen großen finanziellen Spielraum besitzen, hier herzlich willkommen sind. „Bitte keine Scheu!“, sagt Hannelore Louis-Schmitz.

Annahme und Verkauf der Spenden ist immer donnerstags von 15 bis 18 Uhr im Kraillinger Bürgerhaus Hubertus in der Hubertusstraße 2.

Carolin Högel

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