+
Lebensnaher Test: Nico Wunderle demonstrierte mit seinem Rollstuhl, wo Mobilitätseingeschränkte auf Probleme stoßen – das beginnt schon bei der Höhe von Fahrplanhalterungen. Beim Rundgang in Krailling dabei waren auch Erika Harder, Hannelore Louis-Schmitz, Susanne Brittinger, Astrid Lohmann, Karin Wolf, Petra Fontana und Max Mayer (Behindertenbeauftragter des Landkreises, v.l.).

Inklusion

Krailling auf dem Prüfstand

Wie behindertenfreundlich und seniorengerecht ist Krailling? Das wurde jetzt bei einer Ortsbegehung überprüft.

Krailling – Eine unüberwindbare Stufe hoch zur Bäckerei, zu wenig Platz vor den Bankautomaten – das sind alltägliche Situationen, die für Menschen im Rollstuhl oder mit Rollator nicht zu meistern sind. Inklusion – die selbstständige, gleichberechtigte Teilnahme am gesellschaftlichen Leben – ist deshalb ein Dauerthema in den Kommunen im Landkreis Starnberg. Im Rahmen des 2017 beschlossenen Aktionsplans „Gemeinsam stärker“ besuchen der Behindertenbeauftragte Max Mayer und die Beauftragte für Senioren, Petra Fontana, auf Einladung jede Gemeinde. Eine solche Ortsbegehung fand nun auch in Krailling statt.

Bei einem anderthalbstündigen Rundgang durch den Ort prüften Verantwortliche und Betroffene, wie behindertenfreundlich und seniorengerecht Straßen und Plätze im öffentlichen Raum sind. „Rollstuhlfahrer und ältere Menschen mit einem Rollator sind in einer identischen Lage, wenn sie beispielsweise zum Einkaufen möchten“, begründet Mayer die Bedeutung einer barrierefreien Orts- und Entwicklungsplanung. Auch für Familien mit Kleinkindern im Kinderwagen kann Barrierefreiheit eine Attraktivitätssteigerung des eigenen Ortes sein.

Positivbeispiel Gemeindebücherei

Der Rundgang startete am Rathaus und ging über die Pentenrieder Straße zum Paulhan-Platz. Bereits die Unterführung an der Pentenrieder Straße mit ihrer schmalen Wegführung sei für Fußgänger nicht optimal, sagt Max Mayer. „Hier ist man mangels Alternative aber momentan schlicht auf gegenseitige Rücksichtnahme angewiesen.“ Vom Paulhan-Platz aus wurde über die Margaretenstraße die Ortsmitte Kraillings begutachtet. Neben Geschäften in Altbauten, die eine Stufe zum Eingang haben, und nicht abgesenkten Bordsteinen gibt es auch positive Beispiele kommunaler Infrastruktur – die Gemeindebücherei beispielsweise mit ebenerdigem Zugang plus elektrischer Tür. „Auch der Fußgängerübergang am Vorplatz der Apotheke ist bereits mit einem taktilen Leitsystem für Sehbehinderte ausgestattet,“ berichtet Susanne Brittinger vom gemeindlichen Bauamt. Dieses System beinhaltet Rillen zum Ertasten des Fahrbahnbeginns.

Die noch bestehenden Defizite seien alle in der neuen Ortsmitte-Planung intensiv besprochen und mit eingeflossen, sagt Brittinger weiter. Sprich: Kommt die neue Ortsmitte, ist Krailling bezüglich Mobilität und Barrierefreiheit gut aufgestellt. Erschwerte Zugänge zu öffentlichen Gebäuden oder halböffentlichen Bereichen könnten dann etwa durch Rampen verbessert werden. Auch gebe es, erläutert Susanne Brittinger, einige Möglichkeiten, den Straßenbereich zu optimieren. Etwa durch Setzung von Kontrasten – Wechsel von hell nach dunkel –, was seheingeschränkten Menschen die Fortbewegung erleichtere.

Geringe Gehwegbreite ein Problem

Der Weg zum Rathaus zurück verlief über die Luitpoldstraße, Georg-Schuster- und Bergstraße. Dort fiel insbesondere der teilweise schlechte Zustand des Straßenbelages auf. Eine Tatsache, der Krailling aber schon durch eine Prioritätenliste im Straßenbau Rechnung trägt. Die Liste sei allerdings lang, so Brittinger. Unebene Straßen stellen für Rollstuhlfahrer und Senioren mit Rollatoren eine große Herausforderung dar. „Ein großes Dilemma ist sicherlich auch die geringe Gehwegbreite, die noch durch überhängendes Grün von Privatgrundstücken und Schaltkästen der Versorgungsbetriebe maßgeblich beschränkt werden,“ stellte die Bauamtsmitarbeiterin fest. Dort herrsche sicherlich Handlungsbedarf, es sei aber ein Problem vieler Kommunen. Als Alternative für zu schmale Bürgersteige verweist Susanne Brittinger auf die Lösung an der Burgfriedenstraße. Dort wurde die eine Seite des Gehwegs komplett weggenommen und die andere Seite dementsprechend vergrößert.

Das Landratsamt Starnberg wird zeitnah eine Checkliste für Krailling erarbeiten und dieses Feedback mit Anregungen und Impulsen der Gemeinde bis Ende des Jahres vorlegen.

CAROLIN HÖGEL

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Frust statt Freude mit neuer PV-Anlage
„Ich laufe gegen eine Wand, obwohl ich genau das tue, was die Politik von den Bürgern erwartet“, sagt Eberhard Schön. Der Gräfelfinger hat gutes Geld in eine hochmoderne …
Frust statt Freude mit neuer PV-Anlage
Vorbildliche Inklusionsarbeit
Für den gemeinnützigen Behindertenverein „Unser Club Gauting“ gab es heuer ein verfrühtes Weihnachtsgeschenk.
Vorbildliche Inklusionsarbeit
Überraschendes Comeback: Bela Bach (SPD) zieht in den Bundestag ein
Was für eine Überraschung: Für Bela Bach (29), die ehemalige Kreisvorsitzende der SPD, geht unverhofft nun doch noch ein politischer Herzenswunsch in Erfüllung. Sie …
Überraschendes Comeback: Bela Bach (SPD) zieht in den Bundestag ein
Prinzenpaar hat bereits Erfahrung beim Regieren
Die Faschingsgesellschaft Würmesia hat ein neues Prinzenpaar.
Prinzenpaar hat bereits Erfahrung beim Regieren

Kommentare