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Vor Gericht: Bauer Rudolf Heidrich mit seinen Hühnern in dem mobilen Stall.

Jetzt schaltet sich die Politik ein

Obwohl sogar der Richter den mobilen Hühnerstall lobt: Bauer muss Geld an Landratsamt überweisen

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Rudolf Heidrich hat einen fahrbaren Hühnerstall. Doch das Landratsamt Starnberg sieht darin eine Störung des Landschaftsbilds. Nun ist das Urteil gefallen.

Update 22. November 2018 - Seit einigen Monaten gibt es im Hofladen von Rudolf Heidrich in Frohnloh im Kreis Starnberg nur noch ein Thema. Immer wieder sprechen ihn seine Kunden auf den etwas skurril anmutenden Disput mit dem Landratsamt an. Teilweise kämen sogar Fremde, die gar nicht bei ihm einkaufen, sagt Heidrich. Stattdessen wollen sie ihm Geld spenden. Doch da winkt der Landwirt schnell ab. „Ums Geld geht es mir doch gar nicht.“ Rudolf Heidrich geht es ums Prinzip.

Im Sommer vergangenen Jahres hat der 64-Jährige einen mobilen Hühnerstall für 1000 Legehennen auf einer Wiese hinter seinem Hof aufgestellt. Bis zu einer Größe von drei mal fünf Metern wäre das kein Problem. Doch Heidrichs Stall ist 17 Meter lang, also braucht er dafür eine Baugenehmigung. Die bekommt er schließlich auch, allerdings mit einer Auflage: Weil die Wiese, auf der der Stall steht, in einem Landschaftsschutzgebiet liegt, soll Heidrich eine Ausgleichszahlung in Höhe von 3400 Euro leisten. Begründung: Der mobile Hühnerstall beeinträchtige das Landschaftsbild.

„Das versteht doch kein Mensch“, sagt Heidrich bis heute. Schließlich komme er nur dem Wunsch der Verbraucher nach einer angemessenen Haltungsform nach. Seinen Hühnern gehe es gut. Indem er den Stall alle paar Wochen um 100 Meter verschiebt, gibt es immer frisches Gras unter den Krallen. Und seine Kunden freuen sich über Freiland-Eier. „Da investiert man in eine sinnvolle Sache und dann muss man sich mit so einem Blödsinn herumschlagen.“ Hätte er drei kleinere mobile Ställe aufgestellt, wäre das wohl alles kein Problem gewesen. „Damit hätte ich aber fünfmal so viel Arbeit.“

Bauer Heidrich muss für seinen mobilen Bio-Hühnerstall Strafe zahlen

Heidrich klagt gegen den Bescheid – ohne Erfolg. Nach einem Ortstermin mit dem Richter und Vertretern des Landratsamtes erhielt Heidrich vergangene Woche das Urteil: Er muss zahlen. Sowohl Richter als auch die Untere Naturschutzbehörde hatten Heidrichs Stall als sinnvolle Sache gelobt – das Gesetz gebe aber bei der Ausgleichszahlung keinen Ermessensspielraum. Noch hat Heidrich nicht überwiesen. „Aber ich werde es wohl tun“, sagt er. Der Betrag bereite ihm keine schlaflosen Nächte. Aber ihm sei wichtig, auf die aus seiner Sicht unsinnige Regelung hinzuweisen.

Dass es beim Aufstellen eines mobilen Hühnerstall einiges zu beachten gibt, weiß auch Christoph Poschenrieder. Der 37-Jährige aus Martlhof am Tegernsee hat sich auf den Bau der wandernden Hühnerheime spezialisiert. Er beliefert Landwirte in ganz Deutschland, Österreich und der Schweiz. „In vielerlei Hinsicht bewegt man sich da in einem rechtlichen Graubereich“, sagt er. So baut er seine Ställe in der Regel nach den Maßen, die eigentlich keine Baugenehmigung erfordern. „Aber manche Landratsämter rechnen dann die außen angebrachten Räder oder ein überstehendes Dach mit ein – und plötzlich braucht man wieder eine Genehmigung.“

Mittlerweile erreicht der Stall-Disput von Frohnloh sogar den Landtag. Die agrarpolitische Sprecherin der Grünen Gisela Sengl hält die aktuelle Rechtslage für widersinnig. Mobile Hühnerställe sind aus ihrer Sicht „der Königsweg der Hühnerhaltung“. Und weiter sagt Sengl: „Deswegen werden wir einen Antrag stellen, um für mobile Hühnerställe eine Ausnahme zu erreichen.“

Landwirt Rudolf Heidrich würde so eine Lösung jedenfalls freuen. „Dann wäre wenigstens etwas erreicht.“ Und in seinem Hofladen würde wieder Ruhe einkehren.

Erstmeldung am 15. November: Klage gegen Landwirt Heidrich wegen mobilen Bio-Hühnerstall

Frohnloh – Die Hühner des kleines Dorfes Frohnloh haben es zu ungeahnter Berühmtheit gebracht. Am Donnerstag erschienen BR-Reporter für Radio und Fernsehen, um über den Rechtsstreit um den mobilen Hühnerstall des Landwirts Rudolf Heidrich zu berichten. Der wurde vom Verwaltungsgericht auf der grünen Wiese gleich neben dem Objekt des Anstoßes verhandelt, das die Frohnloher Landschaft verschandeln soll. 

Im Jahr 2017 hatte Rudolf Heidrich sich den Hühnerstall auf Rädern für die Freilandhaltung angeschafft. Eine seiner Ansicht in vielfacher Hinsicht sinnvolle Investition: Alle paar Wochen wird der Stall mit dem Traktor auf der knapp zwei Hektar großen und umzäunten Wiese umgesetzt, so dass die rund 1000 Tiere wieder einen schönen, grünen Auslauf vorfinden, weder aufgepickt noch verkotet. Und der Verbraucher hat unmittelbar vor Augen, wie die Hühner leben. 

Das Landratsamt Starnberg hatte den 17 Meter langen Stall auch genehmigt, Heidrich allerdings wegen Beeinträchtigung des Landschaftsbildes eine Ausgleichszahlung in Höhe von 3400 Euro aufgebrummt. Dagegen hatte der Landwirt und Kraillinger Gemeinderat geklagt. Dass die Freilandhaltung lobenswert ist, darüber waren sich alle Parteien einig. „Wir finden es von der Sache her gut“, erklärte auch Peter Drehfahl von der Unteren Naturschutzbehörde, der das Starnberger Landratsamt vertrat. Es handle sich um eine sinnvolle Alternative der Nahrungsmittelproduktion. Deshalb habe man das Bauvorhaben auch genehmigt. Gleichwohl sei es ein Eingriff im Außenbereich. Da das Landschaftsbild beeinträchtigt werde und eine Eingrünung des mobilen Stalls nicht möglich sei, müsse nach Naturschutzgesetz eine Ausgleichszahlung geleistet werden. „Da haben wir keinen Ermessenspielraum mehr“, sagte Drefahl. Den Betrag habe man mit 3400 Euro, was zwei Prozent der Investitionssumme von 170 000 Euro entspricht, niedrig angesetzt. 

Ausgleichszahlung: „Er fühlt sich aber an wie eine Strafzahlung“

Ob der Hühnerstall das Landschaftsbild beeinträchtigt und es keinen Ermessenspielraum gibt, ist aber gerade fraglich. „Man kann das Ermessen auch anders ausüben“, erklärte der Anwalt Heidrichs, Johannes Daseking. Der Vorsitzende Richter Johann Oswald bezeichnete die Freilandhaltung als „sinnvolle Sache“. Doch das spiele in diesem Fall keine Rolle. Eine Beeinträchtigung der Landschaft könne man nicht verneinen, konstatierte der Richter, und diese müsse nach dem Bayerischen Naturschutzgesetz kompensiert werden. Der Betrag von 3400 Euro sei nicht unverhältnismäßig. „Er fühlt sich aber an wie eine Strafzahlung“, meinte Daseking. 

Heidrich betonte, dass es ihm nicht ums Geld, sondern das Prinzip gehe. Viele seiner Kunden fänden den Stall mit den Hühnern sogar als eine Bereicherung des Ortsbildes. Auf der Wiese hätte er auch drei kleine Ställe mit einer Größe von drei mal zwölf Metern aufstellen können, dann hätte es keiner Genehmigung bedurft, so Heidrich. Wer Freilandeier wolle, müsse Hühner draußen auch frei laufen lassen. 

Gerade diesen Anblick schätzt das Ehepaar Ilse und Roland Mödl. Es war eigens zur Verhandlung aus Pöcking angereist, um den Landwirt zu unterstützen. „Uns ist es wichtig zu wissen, wo die Lebensmittel herkommen“, betonte Ilse Mödl. Ein Urteil fällte das Verwaltungsgericht am Donnerstag noch nicht, es wird den Parteien erst am Freitag mitgeteilt. Landwirt Rudolf Heidrich ist sich aber sicher: „Ich muss zahlen.“

Andreas Deny

Behörde gegen Landwirt: Bio-Hühnerstall passt nicht in Landschaft - erste Tendenz für Urteil

Update, 15. November, 13.01 Uhr: Richter tendieren zu Behörden-Entscheidung

Die Verhandlung mit Ortsbegehung rund um den mobilen Hühnerstall am Donnerstagvormittag ist vorüber. Ein Urteil gibt es noch nicht. Allerdings lässt der Richter eine erste Tendenz durchblicken. Untere Naturschutzbehörde und Landratsamt Starnberg hätten demnach wohl mit ihrer Entscheidung (siehe unten) richtig gehandelt. 

So ökologisch sinnvoll der Stall auch ist, rein juristisch stört er wohl tatsächlich das Landschaftsbild. Auch Landwirt Heidrich selbst ist pessimistisch: „Ich werde wohl zahlen müssen“, sagt er kurz nach der Verhandlung.

Ursprünglicher Artikel, 15. November, 09.30 Uhr

Frohnloh – Stein des Anstoßes: ein knapp 17 Meter langer Stall auf Rädern, der rund 1000 Hühnern eine artgerechte Haltung ermöglicht. Alle paar Wochen versetzt Heidrich den Stall, der sich auf einer Wiese nahe seines Hofes befindet. Dadurch kann sich die beanspruchte Grasnarbe regenerieren, während die Hühner immer wieder frischen Boden vorfinden. „Viele Leute sagen mir, dass sie den Stall als Bereicherung empfinden“, so Heidrich.

Starnberger Behörde: Fahrbarer Hühnerstall beeinträchtigt Landschaftsbild

Doch was für Verbraucher und Tierschützer lobenswert erscheint, ist für das Landratsamt Starnberg eine Beeinträchtigung des Landschaftsbildes. Wie aus einem Schreiben hervorgeht, beanspruche der Stall samt seiner Einzäunung bislang unversiegelten landwirtschaftlich genutzten Grund und Boden in nicht unerheblichem Ausmaß.

Video: Ist diese Art der Hühnerhaltung wirklich legal?

Um einen Ausgleich zu erzielen, fordert das Landratsamt von Heidrich eine Ersatzgeldzahlung in Höhe von 3400 Euro, die dem Bayerischen Naturschutzfonds zugutekommen soll. Der Landwirt nahm sich daraufhin einen Anwalt und reichte Klage ein. Auch die Kosten für den Prozess am Verwaltungsgericht hat der Frohnloher Landwirt bereits beglichen. Am Donnerstag, 15. November, kommt es nun zur lang ersehnten Verhandlung.

Bio-Landwirt: „Das ist nicht nur Blödsinn, sondern auch die reinste Abzocke“

„Ich vermute mal, dass unsere Chance, den Prozess zu gewinnen, bei 50 Prozent liegt“, so Heidrich. Doch in erster Linie gehe es ihm ohnehin darum, ein Zeichen zu setzen und auf die Missstände aufmerksam zu machen. „Das ist nicht nur Blödsinn, sondern auch die reinste Abzocke.“

Bis ein Urteil gefällt wird, genießen die Hühner weiterhin ihr Leben im mobilen Stall. Die Eier verkauft Heidrich in seinem Hofladen sowie in einem speziellen Automaten, den er in der Nähe seines Hofs aufgestellt hat. Dieser werde von den Kunden sehr gut angenommen. Eben weil es sich um Eier glücklicher und artgerecht gehaltener Hühner handle. Und das soll auch so bleiben. Heidrich: „Wir ziehen das mit der Klage durch, egal wie es ausgeht.“

Karin Priehler

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