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Mit Tempolimit und Bodenschwelle werden Autofahrer bei Gut Hüll veranlasst, den Fuß vom Gas zu nehmen. 

Gut Hüll

Nach 20 Jahren: Schwelle soll plötzlich weg

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Seit 20 Jahren gibt es auf der Römerstraße bei Gut Hüll eine Bodenschwelle, die Autofahrer zwingt, langsam zu fahren. Jetzt soll sie ebenso wie das Tempolimit von 30 km/h nicht mehr rechtens sein.

Gut Hüll– Im Kraillinger Gemeinderat schüttelte man den Kopf. Über viele Jahre hat sich die Verkehrsregelung mit Bodenschwelle und Tempo 30 auf der Römerstraße am landwirtschaftlichen Gut der Familie Stürzer bewährt. „Das war 20 Jahre lang eine erfolgreiche Sache, obwohl sich der Verkehr verdoppelt hat“, konstatierte Rudolf Heidrich (FBK) in der jüngsten Sitzung. Doch jetzt soll die Schwelle beseitigt werden.

Verkehrsschau der Behörden

Bei einer Verkehrsschau hatten Vertreter des Landratsamtes und der Polizei festgestellt, dass die Fahrbahnschwelle eigentlich gar nicht existieren dürfte. Ein derartiges Hindernis sei nur in verkehrsberuhigten Bereichen innerorts zulässig, keinesfalls aber im Außenbereich. Dort sei laut Straßenverkehrsordnung auch eine Geschwindigkeitsreduzierung von weniger als 60 km/h nicht vorgesehen. Sollte die Gemeinde nicht tätig werden, so die Behördenvertreter, handele man grob fahrlässig – was im Schadensfall Konsequenzen nach sich ziehen würde. Die Leiterin des Sachgebiets befürchtet sogar, persönlich haftbar gemacht zu werden. Ebenso Bürgermeister Rudolph Haux, der keinen Handlungsspielraum sah.

Der Gemeinderat befasste sich mit mehreren Varianten, wie man ohne Schwelle für eine Verkehrsberuhigung sorgen und die Anwohner schützen könnte. Etwa durch eine stufenweise Geschwindigkeitsreduzierung mit Trichterbeschilderung von 70 auf 50 km/h. Oder durch eine Vorfahrtsänderung (abknickende Vorfahrt mit Stoppschild), wofür sich Richard Siebler (CSU-Fraktion) aussprach: „Dann wären wir auf der sicheren Seite.“

Gemeinde zieht Verkehrsjuristen zurate

Eine Entscheidung fällte der Gemeinderat jedoch nicht. Vor allem, weil Erika Harder (SPD) auf eine Ausnahme hinwies. In der sogenannten Heidekurve im Mühlthal gebe es ein Tempolimit von 40 km/h, obwohl sich diese ebenfalls im Außenbereich befinde. Es müsse also offenbar Ausnahmeregelungen geben, meinte Harder. Ihrem Vorschlag, die aktuelle Verkehrsregelung erst einmal zu belassen, folgte der Gemeinderat. Die Verwaltung wurde beauftragt die rechtliche Situation unter Hinzuziehung eines Verkehrsjuristen nochmals zu überprüfen. Deshalb bleibt auch die Bodenschwelle – zumindest vorerst.

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