„Hier gibt es weniger politisch Aktive als anderswo“: Der Kraillinger Markus Weber im Merkur-Gespräch. Foto: Sauer

Vom Erfolg überrascht

Krailling - Es war eine aufregende Erfahrung für Markus Weber. Der Kraillinger Aktivist hat die Großdemo in München gegen den G-7-Gipfel mit vorbereitet.

Bis zum Nachmittag war Markus Weber im Hintergrund schwer beschäftigt. Kaum ein Augenblick verging, in dem der 31-jährige Kraillinger am vergangenen Donnerstag das Telefon nicht am Ohr hatte. Was sich vor der großen Bühne abspielte, bekam er lange nicht mit. Als er dann endlich Zeit fand, einen Blick auf den Münchner Karlsplatz zu werfen, bot sich ihm ein beeindruckendes Bild. Jetzt wusste er, dass die Münchner Demonstration zum G-7-Gipfel ein voller Erfolg war.

„Es gibt ja ungefähre Werte. Man sagt, wenn der Stachus einigermaßen voll ist, sind 25 000 Leute da“, sagt Weber, der die Demonstration mitorganisiert hat. „Und als ich gesehen habe, dass die Menschen auf dem Platz dicht gedrängt stehen, war das schon beeindruckend.“ Dass sich in einer Stadt wie München 40 000 (offizielle Zahl der Polizei: 34 000) Menschen mobilisieren ließen, habe ihn überrascht, gesteht er. Immerhin hatte es eine so große Demonstration in der Landeshauptstadt seit über 20 Jahren nicht mehr gegeben.

Weber ist studierter Politikwissenschaftler und politisch aktiver Blogger. Er hat schon in mehreren deutschen Städten Kampagnen und Protest mitorganisiert, etwa für das globalisierungskritische Bündnis Attac oder gegen die Privatisierung kommunaler Betriebe.

Er musste feststellen, „dass es in München, gemessen an der Einwohnerzahl, relativ wenige Menschen gibt, die politisch aktiv sind“. Dazu kämen Restriktionen, etwa beim Plakatieren, die es anderswo so nicht gebe. Durch intensive Kommunikation und vor allem durch die Wahl der Themen sei es dennoch gelungen, ein breites öffentliches Interesse herzustellen und einen großen Unterstützerkreis zu formen. In der U-Bahn liefen Werbespots.

Das Aktionsbündnis aus politischen Parteien, Bürgerinitiativen, Umweltschutz- und anderen Nichtregierungsorganisationen hatte sich neben Armutsbekämpfung und Klimaschutz vor allem den Kampf gegen das transatlantische Freihandelsabkommen TTIP auf die Fahnen geschrieben. „Jeder merkt, welche Auswirkungen, ein solches Abkommen auf das eigene Leben haben kann“, glaubt Weber. Die Menschen würden spüren, dass es um mehr als Chlorhühnchen gehe.

Weber ist überzeugt, dass der Protest Gehör findet und auch Wirkung zeigt. Einige Kennwerte, etwa wie oft man Thema der ersten Meldung in der Tagesschau war, würden dafür sprechen. Ebenso, dass Bundeskanzlerin Merkel die Proteste als Bestandteil der Demokratie gewürdigt hätte. Der Druck aus der Öffentlichkeit habe dazu beigetragen, dass die Gipfelteilnehmer zumindest einige konkrete Aussagen getätigt hätten, zum Beispiel bei den Klimazielen.

Mit dem G-7-Gipfel ging für Weber eine aufreibende Episode zu Ende. Zeit zum Zurücklehnen bleibt dem Kraillinger aber nicht. Jetzt stünden Nachbereitung und Analyse an, und im Oktober soll es in Berlin die nächste Großkundgebung zu TTIP geben. Auch dann wird Weber irgendwie mit von der Partie sein. München hat ihm und seinen Mitstreitern Auftrieb gegeben.

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