Nach der Eskalation in der Kraillinger Asylunterkunft vor fast einem Jahr laufen weiter Ermittlungen. Für einige Flüchtlinge hat das unangenehme Konsequenzen.
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Die Vorfälle am 27. Juni 2019 beschäftigen die Staatsanwaltschaft nach wie vor.

Nach Eskalation in Kraillinger Asylunterkunft

Das lange Warten auf die Vorladung

  • Victoria Strachwitz
    vonVictoria Strachwitz
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Nach der Eskalation in der Kraillinger Asylunterkunft vor fast einem Jahr laufen weiter Ermittlungen. Für einige Flüchtlinge hat das unangenehme Konsequenzen.

Krailling – Landfriedensbruch, Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte und Körperverletzung wirft die Staatsanwaltschaft München II neun Kraillinger Flüchtlingen vor. Im Juni vergangenen Jahres war es nach einer Kontrolle durch die Polizei in der Kraillinger Asylunterkunft zu Tumulten gekommen. Die Folge waren zwei weitere Polizeieinsätze und mehrere Ermittlungsverfahren. Die meisten davon sind auch fast ein Jahr später noch nicht abgeschlossen.

Eine Gruppe von neun Bewohnern soll damals mit Steinen geschmissen haben. „Es ist absolut unsinnig, denen etwas vorzuwerfen“, sagt Brigitte Söhne vom Helferkreis Asyl in Krailling. Videoaufnahmen zeigten, dass die jungen Männer die Hände zum Teil in den Hosentaschen gehabt und sie alle keine Steine geschmissen hätten. „Ich habe das Video gesehen.“ Söhne ärgert, „dass wir als Zeugen so wenig Beachtung gefunden haben“.

Aussage gegen Aussage

Es steht Aussage gegen Aussage. Die Gruppe habe sich damals auf den Weg zum Rathaus gemacht, um Hilfe zu holen, als die Lage im Containerdorf eskalierte. Die Polizei hielt die Neun auf der Straße auf und nahm ihnen die Handys ab. „Manche haben ihre Handys inzwischen zurückgekriegt“, sagt Söhne. Einige Geräte lägen immer noch bei der Polizei. Die Neun sollen gefilmt haben, was sich bei dem Tumult zugetragen hat – bevor sie sich auf den Weg machten. Für die Flüchtlingshelferin sind die immer noch konfiszierten Mobiltelefone nicht der große Skandal. „Die Neun haben seit Juni nichts gehört, keine Vorladung, gar nichts. Die Polizei tut nichts. Die wollen wohl, dass das im Sande verläuft. Und die Neun haben die Nachteile davon.“

Nachteile für Betroffene

Denn was ihnen von offizieller Seite vorgeworfen werde, stehe in den Akten der jungen Männer. „Die brauchen sich gar nicht bemühen, eine Ausbildung oder einen anderen Status zu bekommen.“ Sie dürften auch nicht umziehen. „Das ist ein Unding“, findet Söhne. Drei der Neun hätten bereits Nachteile aus diesem Akteneintrag gehabt, meint sie.

Wie berichtet, wurde das Verfahren gegen einen Polizeibeamten, der für Armbruch, Knieverletzung und ausgeschlagene Zähne einer 74-jährigen Bewohnerin verantwortlich gewesen sein soll, mittlerweile wegen mangelnden Tatnachweises eingestellt. Die übrigen Verfahren laufen weiter. Söhne hofft, dass auch das Verfahren gegen die Neun bald zu einem Ende kommt. Und dass der Bruch zwischen den Menschen in Krailling und denen aus der Asylunterkunft gekittet werden kann. Vor dem ereignisreichen 27. Juni sei das Verhältnis zwischen Containerdorf und Krailling relativ gut gewesen. Durch den Vorfall habe sich etwas verändert, bedauert sie. „Dabei war es nicht so, wie es damals geheißen hat.“

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