Bei einem Polizeieinsatz in der Kraillinger Asylunterkunft hat sich eine Bewohnerin einen Arm gebrochen. Die Staatsanwaltschaft hat das Verfahren gegen einen Polizisten jetzt eingestellt.
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Im Juni vergangenen Jahres rückte die Polizei drei Mal an einem Tag an.

Nach Einsatz in Kraillinger Asylunterkunft

Verfahren gegen Polizisten eingestellt

  • Victoria Strachwitz
    vonVictoria Strachwitz
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Bei einem Polizeieinsatz in der Kraillinger Asylunterkunft brach sich eine Bewohnerin im vergangenen Sommer einen Arm. Die Staatsanwaltschaft hat das Verfahren gegen einen Polizisten jetzt eingestellt.

Krailling – „Das ist wirklich unglaublich.“ Sonia Welski-Preißer vom Helferkreis Asyl in Krailling ist erschüttert. Die Staatsanwaltschaft München II hat das Verfahren gegen einen Polizisten, der für den gebrochenen Arm einer Bewohnerin der Kraillinger Asylunterkunft verantwortlich gewesen sein soll, am 18. Mai eingestellt. Die Begründung von Andrea Mayer, Sprecherin der Staatsanwaltschaft: „Mangels Tatnachweis.“ „Das ist schon heftig“ findet Welski-Preißer. „Unsere Aussagen zählen nicht, das ist nicht zu fassen.“

Situation eskalierte

Am 27. Juni vergangenen Jahres war die Polizei insgesamt drei Mal in der Kraillinger Asylunterkunft angerückt. Die Situation eskalierte, und diverse Ermittlungen waren die Folge (wir berichteten). Unter anderem die gegen einen Polizeibeamten. Dieser soll laut Zeugen eine damals 73-jährige Afghanin zwei Meter durch die Luft geworfen haben. „Wie kann die Frau fallen und sich den Arm brechen und sich die Zähne ausschlagen“, fragt Welski-Preißer. Sie selbst sei wenige Minuten nach dem Armbruch vor Ort gewesen. „Ich habe damals mitgekriegt, wie das Protokoll verfälscht wurde.“ Polizeibeamte hätten damals geschrieben, die Frau sei im Gerangel zu Fall gekommen. Der Zeuge, der dies gesagt haben soll, habe das Protokoll so nicht unterschreiben wollen, erinnert sie sich. Es gebe auch Videos von dem Vorfall. Dass das Verfahren jetzt eingestellt wurde, will sie nicht glauben. „Ich finde das skandalös.“ Auch der Koordinator für Asyl im Landkreis Starnberg, Wolfgang Neidhart, sagt, „das ist eine Frechheit“. Für die Helfer sei das schockierend. „Da muss man noch mal intervenieren.“ Die mittlerweile 74-Jährige lebt nicht mehr in Krailling.

Zwei Landtagsabgeordnete wollen nachhaken

Der Landtagsabgeordnete Florian Ritter (SPD), der sich gleich nach dem Vorfall mit einer Anfrage an das Innenministerium gewandt hatte, versucht nun, die Einstellungsverfügung zu bekommen, um das Geschehene zu bewerten. „Ich bleibe an der Sache dran“, versichert er. Seine Kollegin Anne Franke (Grüne) hat dies ebenso vor. Sie fragt sich bis heute: „Warum musste das so eskalieren, war die Verstärkung der Polizei verhältnismäßig?“ Zudem prangert sie an, wie lange im Fall des Armbruchs ermittelt wurde. „Es hat wirklich sehr lange gedauert.“ Ritter meint, dies sei so üblich.

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