Tablets, Hände, Federmäppchen
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Mit Tablets für zwei Klassen soll die Krailllinger Grundschule ausgestattet werden.

Lehrer sind enttäuscht

Langsamer Weg aus der digitalen Steinzeit

  • Victoria Strachwitz
    vonVictoria Strachwitz
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Die Grundschule Krailling wird digitalisiert. Das ist jetzt beschlossene Sache. Doch bis es so weit ist, wird wohl ein Schuljahr vergehen. Lehrer sind enttäuscht.

Krailling – Schnelles Internet und iPads – davon dürfen Schüler und Lehrer der Kraillinger Grundschule jetzt träumen. Der Gemeinderat hat in jüngster Sitzung beschlossen, am DigitalPakt Schule des Bundes teilzunehmen. Im Haushalt 2020/2021 sollen die finanziellen Mittel dafür bereitgestellt werden. Rund 90 000 Euro soll die Maßnahme insgesamt kosten. 90 Prozent davon zahlt der Bund. Die Verwaltung soll nun ein Planungsbüro beauftragen. Der Haken: „Das ist nichts für auf die Schnelle“, räumt der Geschäftsleiter der Gemeinde Franz Wolfrum ein. Erst im kommenden Schuljahr könne man vermutlich Ergebnisse sehen. Erst dann würde es beispielsweise iPads für zwei Klassen geben.

Annett Schlegel, Lehrerin an der Grundschule, platzte während der Sitzung der Kragen. „Wir brauchen ad hoc Hilfe.“ Sie hatte die berechtigte Sorge, dass in den nächsten Wochen die ein oder andere Klasse in Quarantäne muss (siehe Bericht unten). Schlegel hätte die Kinder gerne für das digitale Homeschooling gerüstet. Aktuell ist an der Kraillinger Grundschule diesbezüglich Trockenschwimmen angesagt. „Im Moment unterrichten wir die Kinder mit Heften digital, das ist irgendwie lustig.“ Die Hefte sollten die Ausbildung am Rechner begleiten. Sie könnten die Arbeit am Computer nicht ersetzen.

Lehrer verfolgen Gemeinderatssitzung

Weil das Thema Digitalisierung nicht nur Schlegel unter den Nägeln brennt, verfolgten gleich mehrere Lehrer die Sitzung des Gemeinderates. Doch Schlegel ergriff das Wort. Sie hatte eine vierte Klasse einen Tag vor der Ratssitzung in den Computerraum der Schule geführt, in dem es 14 Computer geben sollte. Zwei Geräte waren nicht da, bei einem fehlte die Tastatur. Die neun übrigen hatten ein Softwareproblem. „Ich habe mit 23 Kindern keine Zeit, solche Probleme zu lösen.“ Von einer Kollegin erfuhr sie dann am Sitzungstag, dass diese mit ihren Schülern vergeblich versucht hatte, mit den Rechnern eine Internetverbindung herzustellen.

Als Schlegel nun in der Gemeinderatssitzung hörte, dass im Zuge des DigitalPakts in vielen Punkten nur das Mindeste gemacht werden soll, reichte es ihr. „Da habe ich gedacht, das kann nicht wahr sein.“ Es habe schon einmal einen DigitalPakt gegeben. In der Lehrerkonferenz hätten sie damals einen Wunschzettel verfasst und dann vergeblich auf dessen Erfüllung gewartet. Später habe sie erfahren, „dass Krailling als einzige Gemeinde im Landkreis Starnberg das Geld nicht abgerufen hat“, berichtet sie. Wolfrum verteidigt dies. Er sagt, damals sei es um fest verbaubare Geräte gegangen. „Es macht für mich keinen Sinn, wenn die Schule noch saniert werden muss. Aber jetzt sind wir dabei.“

Schlegel freut sich, dass überhaupt etwas in Gang kommt. „Ich muss mich auch vor den Eltern rechtfertigen.“ Sie meint aber, „man hätte es größer gestalten können“. Außerdem dauert ihr die Umsetzung im Angesicht einer Pandemie zu lange.

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