Im Rollstuhl erschien der Angeklagte vor Gericht, der von Rechtsanwalt Adam Ahmed verteidigt wurde.
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Im Rollstuhl erschien der Angeklagte vor Gericht.

Verurteilt wegen Mordes und gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr

Lebenslang für Todesfahrer

  • Angela Walser
    VonAngela Walser
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Weil er wegen Corona für sich keine Lebensperspektive sah, raste ein 57-jähriger Germeringer im April 2020 in Krailling in den Gegenverkehr. Während er schwerstverletzt überlebte, wurde ein Familienvater (64) getötet. Am Freitag verurteilte das Landgericht München II den Germeringer wegen Mordes und gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe.

Außerdem wurden dem Mann der Führerschein entzogen und eine fünfjährige Sperre verhängt. Staatsanwältin Karin Jung hatte sogar eine lebenslange Sperre gefordert. „Wer einmal so etwas macht, sollte sich nicht mehr hinters Steuer setzen“, sagte sie. Die beiden Fahrzeuge waren auf der schnurgeraden Neuen Gautinger Straße auf Kraillinger Gebiet mit geradezu entfesselter Kraft zusammengekracht. Anschließend wurden sie wie Streichholzschachteln durch die Luft gewirbelt. Beobachtet hatte das ein Ehepaar, das sich im Wagen hinter dem des Getöteten befunden hatte und sich glücklicherweise im Abbremsen befand, um auf einen Parkplatz abzubiegen. Ihre Dashcam im Auto, ein Geschenk ihrer Kinder, die sie erstmals ausprobierten, hatte alles aufgenommen.

Handeln als Vorsatztat eingestuft

„Es hätten auch mehr Menschen sterben können“, hielt die Staatsanwältin dem Angeklagten vor. Denn dass durch sein Rasen in den Gegenverkehr auch andere umkommen konnten, musste ihm klar gewesen sein. Schon zu Beginn ihres Plädoyers hatte Jung sein Handeln als Vorsatztat eingestuft. Demnach war der 57-Jährige nicht aufgebrochen, um Leergut wegzufahren, sondern um sich das Leben zu nehmen. Er gab seiner Freundin ein Abschiedsbussi. Für die Staatsanwältin ein typisches Zeichen, dass er nicht alltägliche Dinge verrichten wollte. „Seine Gedanken waren nur auf sich selbst bezogen. Seine Freundin war ihm egal, seine Eltern waren ihm egal, wer da mit stirbt, war ihm auch egal“, sagte Jung. Bevor er auf die Gegenfahrbahn zog, hatte er sich abgeschnallt, dann wählte er einen Moment aus, in dem der entgegenkommende Fahrer nicht mehr anders reagieren konnte. „Das war ein Mensch, der Ihnen nichts getan hatte“, warf ihm die Staatsanwältin vor.

Tochter des Opfers brach in Tränen aus

Als Mordmerkmale zählte sie niedrige Beweggründe (eigensüchtige Tatmotivation), Heimtücke (besondere Gefährlichkeit des Handelns) und gemeingefährliche Mittel (Auto) auf. Der getötete Fahrer hinterlässt drei Töchter, die Jüngste war ein Jahr lang nicht in der Lage, ihre Ausbildung zu machen. Der Vater hätte mit seinen Töchtern noch so viel vorgehabt, berichtete der Nebenklage-Anwalt. Bei diesen Worten brach die Jüngste in Tränen aus. Eine Schwester nahm sie in den Arm und streichelte sie zum Trost. Zur materiellen Wiedergutmachung zahlt der Angeklagte 78 000 Euro an die Töchter seines Opfers.

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