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Im Kraillinger Tanklager wird ein Zug zum Befüllen vorbereitet. Inzwischen hat die Republik Tschechien als Eigentümerin rund 75 Millionen Liter Diesel abtransportiert. Die Folgenutzung des Lagers wird ähnlich sein.

Kraillinger Tanklager so gut wie geräumt

Der letzte Zug rollt

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Drei Züge noch, dann ist das Kraillinger Tanklager leer. Die künftige Nutzung wird deutlich mehr Verkehr mit sich bringen, als es bislang der Fall ist.

Krailling Ein neues Kapitel in der Geschichte des Kraillinger Tanklagers kann beginnen. Bis 16. November sollen die letzten drei Züge das Gelände in Richtung Tschechien verlassen. Das Nachbarland hat seine Diesel-Notvorräte damit abtransportiert. Die Tanks sind leer, und die Eigentümerin des Tanklagers, die Firma Krailling Oils Development (KOD), kann endlich frei über das Gelände verfügen. Sie hat mit der Auslagerung ihre Schuldigkeit getan. „Wir haben keine Verpflichtungen mehr“, sagt der Anwalt des Unternehmens, Professor Nico Skusa.

Ab Dezember können die Tanks anderweitig genützt werden. Zwei bis drei Multimilliarden-Konzerne aus der Ölbranche, wie Skusa erklärt, sollen die Tanks mit ihren Überkapazitäten füllen. Der erste Vertrag sei bereits abgeschlossen worden. Der entsprechende Konzern habe vor, 40 Millionen Liter in Krailling einzulagern. Platz sei dann noch für weitere 60 Millionen Liter. Die KOD stünde daher mit zwei weiteren Konzernen in Verhandlungen.

Eine Insolvenz, wie es der Vorbesitzerin des Tanklagers, Viktoriagruppe AG, widerfahren ist, will die KOD vermeiden, indem sie Diesel nicht nur einlagert. „Das Konzept ist anders“, sagt Skusa. Das Geschäftsmodell der KOD sehe die Einlagerung und den Umschlag vor. Für beides gebe es Geld. „Das wird zu höherem Zug- und Lkw-Verkehr führen“, prophezeit Skusa. Doch was den Zugverkehr betrifft, kann er die Befürchtungen der Anlieger eindämmen. Es würden zwar mehr Züge fahren, als zu Zeiten der Viktoriagruppe AG. Aber es sollen nicht mehr Züge rollen, als im zurückliegenden Jahr. Da wurden rund 75 Millionen Liter nach Tschechien transportiert. Auf der Schiene werde das Öl angeliefert. Einer der Konzerne, mit dem die KOD derzeit in Verhandlungen stehe, würde mit Tanklastern auslagern. Daher komme es zu einer Steigerung des Lkw-Verkehrs. Die Germeringer könnten aber von dem zusätzlichen Verkehr verschont bleiben. Die dortigen Kreisverkehre seien zu schmal für die großen Lastwagen, meint Skusa.

Dass die Einlagerung erst im Dezember beginnen kann, liegt auch daran, dass sich die Auslagerung des tschechischen Diesels verzögerte. Seit Juli sei kein Zug gefahren, da es Diskussionen zwischen der Verwaltung der staatlichen Materialreserven der Republik Tschechien (SSHR) und der KOD gegeben habe, wie mit den letzten in Krailling eingelagerten sechs Millionen Litern zu verfahren sei. Diese seien von minderer Qualität. Jetzt hätten sich die beiden Parteien aber geeinigt: Auf Kosten der KOD, die die Qualität ursprünglich zugesagt hatte, obgleich sie für die Einlagerung nicht verantwortlich gewesen war, werde das Öl in Tschechien gereinigt. Damit ist die KOD ihren Verpflichtungen nachgekommen.

Offen war bis zuletzt die Frage, ob die Menge, die die Viktoriagruppe AG für die SSHR eingelagert hatte, auch in den Kraillinger Tanks zu finden sein wird. Die SSHR ging bislang von einer Fehlmenge von 6,3 Millionen Litern aus. Die tschechische Polizei ermittelt. „Der letzte Zug wird die Wahrheit bringen“, sagte Pavel Svagr, der Vorsitzende der SSHR, im März. Skusa geht von einer Fehlmenge in Höhe von rund 288 000 Litern aus. Sechs Millionen Liter würden das Tanklager schließlich noch verlassen – voraussichtlich bis 16. November. An diesem Tag geht wohl der größte logistische Vorgang, den die SSHR jemals zu bewerkstelligen hatte, zu Ende.

Während KOD dann ein neues Kapitel für das Tanklager aufschlagen kann, werden die SSHR, der Insolvenzverwalter Mirko Möllen sowie unter anderem die Gemeinde Krailling als Gläubigerin jedoch noch eine Weile mit der Aufarbeitung der Insolvenz der Viktoriagruppe AG beschäftigt sein. „Das Verfahren der Viktoriagruppe ist sehr umfangreich und komplex. Verfahren dieser Größenordnung und Komplexität dauern üblicherweise mehrere Jahre“, sagt ein Sprecher Möllens. Aktuell seien der Verfahrensabschluss und die Quotenaussicht für die Gläubiger noch nicht absehbar.

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