Richard Gebendorfer zeigt einen der provisorischen Tümpel, die auf dem einstigen Parkplatz der Firma EOS angelegt wurden. Von dort siedelten Helfer die Frösche und Kröten um.
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Richard Grubendorfer zeigt einen der provisorischen Tümpel, die auf dem einstigen Parkplatz der Firma EOS angelegt wurden. Von dort siedelten Helfer die Frösche und Kröten um.

Pioniergelände

Mehr als 1500 Amphibien gerettet

  • Victoria Strachwitz
    VonVictoria Strachwitz
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Wer in einer Pfütze Kaulquappen entdeckt, kann das ignorieren. Oder er sorgt dafür, dass über 1500 Tiere ein adäquates Zuhause bekommen. Dazu muss er nur die richtigen Leute ansprechen.

Krailling – Über 1500 Amphibien hat Richard Gebendorfer aus Krailling heuer das Leben gerettet – nicht alleine, er hatte Helfer. Aber er war der Leiter der Mission. Gebendorfer ist beim Bund Naturschutz für Fledermäuse zuständig und beim Landesbund für Vogelschutz für die Reinigung von Nistkästen. Der Zufall machte ihn jetzt zum Retter von Kröten und Fröschen. Er koordinierte eine Hilfsaktion, ohne die es auf dem ehemaligen Pionierübungsgelände heuer keinen Nachwuchs für Laubfrosch und Wechselkröte gegeben hätte.

Ein Mitstreiter vom LBV hatte Gebendorfer im Mai vergangenen Jahres auf Kaulquappen hingewiesen, die er in einer Pfütze auf einem Parkplatz der Firma EOS im Kraillinger Gewerbegebiet KIM entdeckt hatte. Nicht gerade das optimale Laichgebiet für Amphibien. Zu viel Verkehr. „Da haben sie geringe Überlebenschancen“, sagt Gebendorfer. Er war der richtige Ansprechpartner. Umgehend nahm er Kontakt mit EOS auf. Die Firma schützte die Pfütze mithilfe einer Absperrung. Es entwickelten sich Wechselkröten und Laubfrösche.

Und damit könnte eine schöne Geschichte zu Ende sein. Doch Anfang dieses Jahres überschlugen sich die Ereignisse, und es kam eins zum anderen: EOS nutzte den Parkplatz nicht mehr, er wurde abgesperrt. In der Brückengrube auf dem benachbarten Pionierübungsgelände wurde im Auftrag der Autobahn GmbH des Bundes mit einer Naturschutz-Maßnahme begonnen, die den dreispurigen Ausbau der Autobahn 96 ausgleichen soll. „Da kam der Gedanke, etwas für die Wechselkröten und Laubfrösche zu unternehmen“, so Gebendorfer. Ihre ursprünglichen Gewässer im Pioniergelände waren über die Jahre ausgetrocknet und nicht mehr funktional, der Bestand an Wechselkröten und Laubfröschen war deshalb zurückgegangen. Beim unkontrollierten Ablaichen in Pfützen bestehe immer die Gefahr, dass diese austrocknen, erklärt der Naturschützer.

Also setzte Gebendorfer viele Hebel in Bewegung. Der Bestand der Kröten und Frösche sollte jetzt die Chance bekommen, wieder zu wachsen. Er kontaktierte die Firma EOS erneut, sprach mit der Gemeinde und mit der Autobahndirektion. Alle waren bereit mitzumachen, im Pionierübungsgelände bessere Bedingungen zur Fortpflanzung von Wechselkröte und Laubfrosch zu schaffen. Auf dem ehemaligen EOS-Parkplatz legten Mitarbeiter des Bauhofes gemeinsam mit Mitgliedern des LBV zwei provisorische Tümpel an. In der Brückengrube sorgte die Autobahn GmbH derweil unter anderem dafür, dass sieben neue Tümpel gebaut wurden.

Jetzt mussten nur noch die Amphibien mitmachen. Und in der Tat: Im Mai entdeckte Gebendorfer die erste Laichschnur einer Wechselkröte. Einige Tage später folgten Laichballen von Laubfröschen. Zwischen Anfang Juli und Ende September übersiedelten die Naturschützer rund 230 Kaulquappen von Wechselkröten, rund 830 Kaulquappen von Laubfröschen und rund 450 Kaulquappen von Erdkröten vom Parkplatz hinüber in einen alten 900 Meter entfernten Tümpel in der Brückengrube – die sieben neuen Gewässer waren zu diesem Zeitpunkt noch nicht fertig. Jetzt hatten die Tiere ein sicheres geeignetes Zuhause. Zweimal fuhr der Bauhof Wasser vorbei, weil der Tümpel auszutrocknen drohte. Freilich gab es auch dort Fressfeinde wie die Libelle. Doch durch die Wasserlieferung erging es den Kaulquappen vom Parkplatz deutlich besser als allen anderen Kaulquappen auf dem Gelände. „In den sonst vorhandenen Wasserstellen gab es keinen Nachwuchs“, so Gebendorfer. Denn in allen anderen Laichgewässern sei das Wasser ausgegangen. Bedeutet für Gebendorfer: „Die Aktion war ein Erfolg.“

Über 1500 Amphibien konnten unter seiner Ägide in einen sichereren Lebensraum umgesiedelt werden – und das, obwohl der Kraillinger mit Amphibien vorher wenig am Hut hatte. „Wenn man neugierig ist, rutscht man überall mit rein“, sagt er. Jetzt müssen die Frösche und Kröten im kommenden Jahr nur die neuen Tümpel entdecken. Gebendorfer hat nicht vor, ihnen noch einmal zu helfen. „Die Aktion war einmalig.“ In die Folie der Tümpel auf dem Parkplatz wurden bereits Löcher gemacht, dort sollen sie nicht noch einmal ablaichen, sie haben dazu jetzt geeignetere Gewässer.

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