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Deutschland ist für Behnam Sadegi zur neuen Heimat geworden. Nun droht die Abschiebung in ein Land, das er mit einem Jahr verließ.

Nach Ablehnungsbescheid

400 Unterschriften für Behnam Sadegi

Krailling – Dem 19-jährigen Afghanen Behnam Sadegi droht die Abschiebung. Der Kinderpfleger soll nicht in seiner neuen Heimat bleiben dürfen.

Seit Ende Mai lebt Behnam mit seiner Familie, den Eltern und drei Brüdern, in der Kraillinger Asylbewerberunterkunft an der Hubertusstraße. Die Familie floh vor achtzehn Jahren aus ihrer Heimatstadt Herat in Afghanistan zuerst in den Iran und dann 2015 nach Europa. Behnam kam bereits im Oktober 2013 allein nach Bayern. Als minderjähriger Flüchtling bildete er die Vorhut. Er besuchte die Mittelschule in der Münchner Balanstraße und lernte fleißig Deutsch. „Er spricht hier in der Siedlung am besten unsere Sprache“, so Konrad Kraft vom Kraillinger Helferkreis Asyl, der die Familie Sadegi betreut. Seinen Mittelschulabschluss habe er dieses Jahr mit einem Notenschnitt von 1,2 bestanden, berichtet Behnam Sadegi stolz. „Seit Herbst mache ich eine Ausbildung zum staatlich anerkannten Kinderpfleger.“ Die Berufsschule in Starnberg dauere zwei Jahre, und parallel dazu geht der Auszubildende einmal in der Woche in einen Kraillinger Kindergarten. „Das Praktikum dort macht mir sehr viel Spaß“, so Sadegi.

Der 19-Jährige ist immer noch geschockt von seinem Ablehnungsbescheid, der ihn vor zwei Wochen erreichte. „Am Anfang dachte ich, mein Deutsch reicht noch nicht aus, um den Inhalt des Briefes tatsächlich zu verstehen.“ Die ganze Situation mache ihn fertig. Er hatte einfach nicht damit gerechnet. Sadegi: „ Alles, was ich hier erreicht habe – Sprache lernen, Schulabschluss, Ausbildung begonnen – wäre dann umsonst gewesen.“ Auch sein berufliches Ziel, nach der Ausbildung zum Kinderpfleger, Sozialpädagoge zu werden, rücke somit in weite Ferne.

Das im Oktober 2016 zwischen Deutschland und Afghanistan geschlossene Rücknahmeabkommen erhöht seit Wochen den Druck auf afghanische Asylbewerber. Das bestätigt Konrad Kraft vom Helferkreis: „Sie leben hier alle mit dem Damoklesschwert über ihren Köpfen.“ Die Anspannung sei enorm hoch, so Kraft weiter, bis hin zu einem Selbstmordversuch, der in der Kraillinger Unterkunft stattgefunden habe.

Bei seiner Anhörung im November musste Sadegi erklären, warum er nicht mehr in sein Geburtsland zurückkehren kann. „Tod kostet Tod in Afghanistan“, so seine Antwort. Behnam und seine Familie fürchten die sogenannte Blutrache. Damals vor 18 Jahren gab es einen Zusammenstoß des Vaters und des Onkels mit Talibankämpfern. Sein Onkel starb, aber auch ein Taliban. „Ich kann nicht mehr dorthin zurück“, so Sadegi, der Angst vor Verfolgung und Repressalien hat. Da in weiten Teilen des Landes nach wie vor Krieg herrscht und es immer wieder zu Anschlägen kommt, bleiben die Abschiebungen nach Afghanistan sehr umstritten.

Behnam Sadegi hat Klage als gängiges Rechtsmittel gegen den Ablehnungsbescheid beim Verwaltungsgericht in München eingelegt. „Außerdem habe ich mittlerweile schon an die 400 Unterschriften in der Schule und im Helferkreis gesammelt“, erzählt er. Mit denen und einer positiven Beurteilung seitens der Schule hofft der junge Mann, das Blatt noch mal wenden zu können.

Konrad Kraft verspricht sich auch etwas von der Tatsache, dass Sadegi eine Ausbildung begonnen hat. Nach dem neuen Integrationsgesetz gebe es bei Aufnahme einer Berufsausbildung einen Rechtsanspruch auf Duldung. Das müsse jetzt aber erst einmal durch den eingeschalteten Anwalt geklärt werden, so Kraft.

Helfer Kraft hält das Ganze auf jeden Fall „für eine unsinnige Entscheidung“. Für ihn hat Behnam Sadegi längst bewiesen, dass er die hier vorherrschenden Werte anerkennt. „Er ist in Deutschland zur Schule gegangen und macht jetzt eine soziale Ausbildung.“ Gerade Letzteres und die Tatsache, dass Deutschland überaltere, seien beides mehr als für die Wirtschaft positive Gründe. „Solche Leute wollen wir doch haben“, sagt Kraft. Die Fakten sprächen einfach für ihn. Darüber, wann es zu einem Urteil im Fall Behnam Sadegi kommen wird, gibt es derzeit keine Informationen.

Carolin Högel

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