Pfarrer segnet Gräber auf Friedhof Allerheiligen
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Pfarrer Johannes von Bonhorst bei der Gräbersegnung auf dem alten Kraillinger Friedhof. In diesem Jahr soll er auf Anordnung der Gemeinde wegen der Corona-Pandemie darauf verzichten. Er findet das unverhältnismäßig.

Gemeinde Krailling untersagt Brauch

Allerheiligen: Pfarrer darf Gräber nicht segnen

  • Victoria Strachwitz
    vonVictoria Strachwitz
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Krailling verbietet die Gräbersegnung zu Allerheiligen – als einzige politische Gemeinde im Würmtal. Der Pfarrer findet die Maßnahme unverhältnismäßig.

Würmtal – Eine Gräbersegnung zu Allerheiligen soll es heuer in Krailling nicht geben. Die Gemeinde hat sie den Pfarrern auf ihren drei Friedhöfen untersagt. Krailling agiert damit weit vorsichtiger als seine Nachbarn. Dafür gibt es Gegenwind. „Die Gräbersegnung an Allerheiligen ist für viele Angehörige ein wichtiges Element kirchlichen Lebens, das nicht ohne nachvollziehbare Begründung verboten werden sollte“, erklärt CSU-Gemeinderätin Ute Richter. Ihre Fraktion stellte daher sogleich den Antrag an den Gemeinderat, zu beschließen, dass die Segnung stattfindet, „sofern keine dem widersprechende Anordnung vonseiten der Staatsregierung oder des erzbischöflichen Ordinariats ergeht“. Sie begründete den Antrag damit, dass die Segnung im Freien stattfinde, die Anwesenden an den Gräbern in deutlichem Abstand voneinander stünden und eine Maskenpflicht angeordnet werden könne.

Bürgermeister verweist auf hohen Altersdurchschnitt

Pfarrer Johannes von Bonhorst bedauert die Entscheidung der Gemeindeverwaltung. Er hofft, dass eine Gräbersegnung in reduziertem Umfang stattfinden kann. Denn er hält „eine komplette Absage einer Gräbersegnung für unverhältnismäßig“. Kraillings Bürgermeister Rudolph Haux lässt lieber Vorsicht walten. „Wir sind die älteste Gemeinde im Würmtal. Über 800 Einwohner sind über 80 Jahre alt und gehören damit zur Hochrisikogruppe. Das ist eine Zahl, die zu erhöhter Vorsicht mahnt.“ An Allerheiligen kämen zu viele Menschen zusammen.

Der Pfarrer von St. Benedikt in Gauting, Ulrich Babinsky, der auch für Pentenried zuständig ist, erklärte, er sei noch nicht darüber informiert worden, dass er in Pentenried nicht die Gräber segnen dürfe. „Dass wir an Allerheiligen gar nichts machen, kommt nicht in die Tüte.“ Damit Menschen die Gräber selbst segnen können, ermutigt er sie, Weihwasser mitzubringen. Außerdem will er einen Zettel mit einem Gebet ausgeben. „So versuche ich, eine grauenvolle Enge zu vermeiden.“

Babinsky und von Bonhorst betreuen außer in Krailling auch Friedhöfe der Gemeinden Gauting und Planegg. Dort ist nicht geplant, die Gräbersegnung abzusagen. Mittels Lautsprechern können die Friedhöfe dort komplett beschallt werden. So könne jeder am Grab seines Angehörigen stehen und Abstand halten. Auch Neurieds Sprecherin Inke Franzen erklärt: „Da die Segnung unter freiem Himmel stattfindet, gibt es vonseiten der Gemeinde keine Auflage außer des Abstandsgebots.“

In Gräfelfing ist bereits die Musik organisiert, der Ablauf soll sein wie gewohnt. „Die Dinge können sich täglich ändern“, sagt Bürgermeister Peter Köstler, der gleichzeitig Verwaltungsleiter des Gräfelfinger Pfarrverbandes ist. Nach jetzigem Stand plant Pfarrer Markus Zurl, durch die Reihen zu gehen und die Gräber zu segnen. Zurl will vielleicht wie Babinsky zusätzlich Gebetszettel in der Kirche auslegen. „Da muss man vielgleisig fahren.“

Eine komplette Absage der Gräbersegnung gibt es bislang also nur in Krailling. Haux will die Lage nach dem Wochenende aber nun noch einmal bewerten Vielleicht finden er und die Pfarrer einen Kompromiss.

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