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Gustl Bayrhammer - der „Meister Eder“ fühlte sich in Krailling wohl.

„Meister Eder“ aus Krailling

Gustl Bayrhammer: Steter Kampf gegen das „Seppl-Image“

Seine Paraderolle war der „Meister Eder“. Gustl Bayrhammer lebte lange Zeit in Krailling. Hier starb er und liegt er begraben – wie es sein Wunsch gewesen war.

Krailling – „In Krailling bleibe ich, bis ich mit den Füßen zuerst aus meinem Haus hinaus getragen werde.“ Der Wunsch von Gustl Bayrhammer erfüllte sich. „Mein Vater wollte hier in Krailling sterben und beerdigt sein“, erinnert sich Sohn Max Bayrhammer.

Aus Ärger über die Schwiegermutter verschlug es ihn nach Krailling

Der bekannte Volksschauspieler Gustl Bayrhammer hatte sich Anfang der 1970er- Jahre das Haus in der Wolf-Ferrari-Straße östlich der Würm gekauft. Ursprünglich suchte er ein Haus mit Einliegerwohnung im Münchner Umland, damit die Schwiegermutter mit aus Schwabing umziehen konnte, so Sohn Max.

Als die sich jedoch klammheimlich einen Platz in einem Altenheim sicherte, kaufte der Schauspieler erzürnt die Immobilie in Krailling. Ohne zusätzlichen Wohnraum im Souterrain versteht sich. Der Neuerwerb erfüllte das für ihn zentrale Kriterium: Man konnte um das Haus herum gehen. „Das war meinem Vater wichtig. Es sollte kein Reihenhaus sein. Er wollte ein Einfamilienhaus mit Garten für sich allein“, erzählt Max Bayrhammer.

Von Berlin über Tübingen und Salzburg zurück nach München

Sein Vater, Adolf Gustav Rupprecht Maximilian Bayrhammer, wurde 1922 in München geboren. Als Sohn des Theater-Schauspielers Max Bayrhammer stand sein Wunsch, auf den Brettern, die die Welt bedeuten, zu stehen, schon früh fest.

So zog es den jungen „Gustl“ während des Krieges erst einmal fort nach Berlin an Heinrich Georges Schillertheater, wo er Schauspielunterricht nahm. Nach erfolgreichem Abschluss ergatterte er Theaterengagements in Sigmaringen, Tübingen, Karlsruhe und Salzburg. Erst danach kam Bayrhammer mit Frau und Sohn wieder in seine Heimatstadt München zurück.

Warum es ihn später aber dann gerade nach Krailling verschlug? Genau weiß es auch sein Sohn nicht. „Familiäre Verbindungen in die Würmtal-Gemeinde gab es jedenfalls keine“, erzählt Max Bayrhammer. Doch er hat eine Vermutung: „Ich denke aber, dass für meinen Vater zum einen der nicht so hohe Kaufpreis und zum anderen die Nähe zu München eine Rolle gespielt haben.“

Bayrhammer spielte gegen das Image des „bayerischen Hausdeppen“

Gustl Bayrhammer, damals durch seine Rolle als erster bayerischer Tatort-Kommissar Melchior Veigl über die bayerischen Fernsehgrenzen bereits berühmt, drehte nicht nur überwiegend in der Landeshauptstadt, sondern spielte auch viel Theater, etwa am Volkstheater und den Kammerspielen. Und immer spielte er, der kein Schubladendenken mochte, auch gegen den „volksdümmlichen Bayern-Kitsch“ und das „Seppl-Image“ eines „bayerischen Hausdeppen“ an.

Der „Meister Eder“ fühlte sich in Krailling wohl

Für die Meisten aber – in erster Linie für die Kinder der 1980er-Jahre – war der waschechte Bayer einfach nur der Meister Eder. In seinen Kraillinger Jahren mimte Bayrhammer von 1982 bis 1989 den wohl berühmtesten Schreinermeister der Republik, der mit seinem Kobold Pumuckl allerhand Abenteuer erlebte.

Klar, dass auch die Kraillinger Kinder wussten, wer im Eckhaus in der Wolf-Ferrari-Straße lebte. Max Bayrhammer erinnert sich: „Einmal strich mein Vater den Zaun vor unserem Haus. Da kamen ein paar Kinder und wollten unbedingt den Pumuckl sehen.“

Gustl Bayrhammer hat sich hier in seiner Wahlheimat immer wohl gefühlt, weiß Sohn Max. Als passionierter Radler erkundete er gerne das Würmtal und hatte schnell Kontakte geknüpft. Es war sein Viertel, in dem er auch einmal sterben wollte, wie er immer betonte. So lehnte er dementsprechend ein Angebot dankend ab, ein Haus im mondäneren Teil Kraillings – „Klein-Hollywood“ – zu erstehen.

Erfolgreicher Kampf gegen eine Mülldeponie

Der Volksschauspieler galt jedoch stets auch als unbequemer Querkopf. So setzte er sich seinerzeit nicht nur für den Erhalt von Altstadthäusern des Münchner Stadtviertels Lehel ein. Zu ihnen gehörte auch die Kulisse der Schreinerwerkstatt vom Meister Eder. Er stritt auch erfolgreich als Vorsitzender der Kraillinger Bürgerinitiative gegen eine vom Kieswerk Glück geplante Mülldeponie im Ort.

Bis ins hohe Alter arbeitete Gustl Bayrhammer viel - zu viel

Mit 64 Jahren hatte der Schauspieler seinen ersten Herzinfarkt. Sieben Jahre später arbeitete der Vollblut-Mime immer noch viel. Zu viel. „Tagsüber drehte er die ,Weißblauen Geschichten‘, und abends stand er als polternder Petrus in ,Der Brandner Kaspar und das ewig’ Leben‘ auf der Bühne des Residenztheaters“, berichtet Max Bayrhammer.

Der Schauspieler wusste wohl, dass es nicht mehr lange so weitermachen konnte und versprach seiner Frau, dass dies die letzten „Weißblauen Geschichten“ seien. Damit sollte er traurigerweise Recht behalten. Am 24. April 1993 starb Gustl Bayrhammer zu Hause in Krailling. Ein paar Straßen weiter auf dem Kraillinger Friedhof fand der „Meister Eder“, der so viel mehr war als diese seine Paraderolle, die letzte Ruhe. Wie er es sich gewünscht hatte.

Carolin Högel

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