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Edith Sassen vom Helferkreis Asyl setzt sich dafür ein, dass die Asylbewerber Imran P (li.). und Amanat A. weiterhin arbeiten dürfen – bislang ohne Erfolg.

Arbeitsverbot für Asylbewerber

Fleißige Männer zum Müßiggang verdammt

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Sie sind fleißig, sie wollen arbeiten und Geld verdienen. Doch das Landratsamt Starnberg verlängert ihre Arbeitserlaubnis nicht. Jetzt langweilen sich zwei Pakistanis, beziehen Sozialleistungen, und ihren Arbeitgebern fehlen die Mitarbeiter.

Krailling– „Wir wollen keine Einwanderung in die Sozialsysteme, sondern in den Arbeitsplatz. Das ist unser Ziel“, erklärte Bundesinnenminister Horst Seehofer in diesem Sommer in Berlin. Ein Beispiel aus Krailling zeigt: Die Realität schaut anders aus.

Amanat A. (30) und Imran P. (27), beide aus Pakistan, beide seit drei Jahren in Krailling, arbeiteten drei Jahre lang, verdienten gut 2000 Euro pro Monat. Jetzt erteilte ihnen das Landratsamt Starnberg keine Arbeitsgenehmigung mehr. Der Grund: Die Gesetzeslage hat sich in diesem Sommer geändert. Das neue „Geordnete Rückkehr Gesetz“ besagt, dass für diejenigen, die abgelehnt sind und deren Identität unklar ist, ein Arbeitsverbot gilt. Laut Landratsamt Starnberg hätten beide Pakistanis bislang nicht zur Klärung ihrer Identität beigetragen. Ihre Asylanträge wurden bereits abgelehnt.

Da spielt dann auch der Wunsch der Arbeitgeber keine Rolle. „Bitte legen Sie Herrn P. keine Steine in den Weg, wir sind der Meinung, dass Herr P. sich sehr gut integriert in unsere Gesellschaft“, schrieb P.s Arbeitgeber dem Landratsamt. Er lobte ihn ausdrücklich für seine hervorragende Arbeitsqualität und sein kollegiales Verhalten, bat nachdrücklich darum, die Arbeitserlaubnis zu verlängern. Doch ohne Ergebnis. Imran P. putzte drei Jahre lang Züge. „Jetzt kriegt der 900 Euro Arbeitslosengeld im Monat, statt dass er selber verdient“, sagt seine Betreuerin vom Helferkreis Asyl, Edith Sassen.

Amanat A. war als Tellerwäscher in der Gastronomie tätig. Auch er musste jetzt Arbeitslosengeld beantragen. „Das ist ein fleißiger Mann mit vielen Überstunden.“ Amanat A. sagt: „Ich will nicht schlafen, arbeiten wäre besser.“ Durch die Langeweile gehe sein Kopf kaputt, meint er. Sassen: „Die wollen keinem zur Last fallen.“

Die Flüchtlinge aus Pakistan stehen jetzt vor einem Dilemma: Wer seinen Pass nicht zeigt, verliert die Arbeitserlaubnis. Wer seinen Pass zeigt, riskiert sofort abgeschoben zu werden. Die beiden und ihre Betreuerin sind frustriert, sie hatten sich bereits auf ein anderes Gesetz gefreut: Jenes zur Duldung bei Ausbildung und Beschäftigung, das zum 1. Januar in Kraft tritt. Da die beiden seit mehr als 18 Monaten arbeiten und vor 2018 nach Deutschland kamen, wären sie dafür qualifiziert, sagt Edith Sassen. Dann dürften sie mit einer Beschäftigungsduldung für 30 Monate und damit einem sicheren Aufenthaltsstatus rechnen – sofern auch die Deutschkenntnisse den Anforderungen entsprechen.

„Mein Verdacht ist, dass das Gesetz damit unterlaufen wird, dass viele jetzt keine Arbeitserlaubnis mehr bekommen“, erklärt Sassen. Als sie kürzlich im Starnberger Landratsamt war, habe ihr ein Mitarbeiter erklärt, dass nur 25 Prozent der Flüchtlinge im Landkreis Starnberg arbeiteten. „Da entsteht ein vollkommen falsches Bild. Es würden viele arbeiten, aber die bekommen keine Erlaubnis“, schimpft die Kraillingerin. Was den beiden Pakistanis passierte, hat sie bereits viermal erlebt. Sie will sich stark machen für diese Art der Gastarbeiter. Doch die neue Gesetzeslage bietet in der Praxis keinen Spielraum dafür.

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