Der Bronzestier vor einer Kraillinger Metzgerei ist nun mit einem Metall-Bügel und einer Kette vor dem Umfallen gesichert.
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Der Bronzestier vor einer Kraillinger Metzgerei ist nun mit einem Metall-Bügel und einer Kette vor dem Umfallen gesichert.

Stier-Urteil

10 000 Euro Schmerzensgeld für Buben

Ein Schmerzensgeld von 10 000 Euro hat das Oberlandesgericht München am Donnerstag einem Kind zugesprochen, dem vor einer Kraillinger Metzgerei ein Bronzestier auf die Hand gekippt war.

Krailling – Wer eine Gefahrenquelle schafft, muss dafür Sorge tragen, dass für andere daraus keine Schäden entstehen. Aber was genau muss jemand tun, der eine stierförmige Bronzeskulptur auf einem öffentlichen Gehweg aufstellt? Jedenfalls mehr als das, was ein Mann aus Krailling an Vorkehrungen getroffen hatte, entschied am Donnerstag das Münchner Oberlandesgericht (OLG) in einem Urteil.

Stier kippt Buben auf die Hand

Kaum ein Tier steht mehr für saftiges, qualitativ hochwertiges Fleisch: Wohl deshalb kam ein Metzger aus Krailling auf die Idee, einen 80 Zentimeter hohen, 130 Zentimeter langen und etwa 200 Kilogramm schweren Stier aus Bronze werbewirksam vor sein Geschäft zu stellen. Fünf Jahre lang ging alles gut. Bis zum 25. Mai 2016: Während eine Frau in der Metzgerei einkauft, bleibt ihr sechsjähriger Enkel draußen – und klettert wohl auf die Skulptur. Der Stier kippt dabei um, eine Hand des Jungen wird eingequetscht, und ein Finger muss teilweise amputiert werden.

Berufung war erfolgreich

Vater und Kind verklagten daraufhin den Metzger auf Schmerzensgeld und weiteren Schadensersatz. Während das Münchner Landgericht beide Klagen abgewiesen hatte, war die Berufung des Buben vor dem OLG nun erfolgreich. Ob der Sechsjährige tatsächlich auf den Stier geklettert war, konnte nicht abschließend geklärt werden, es kam aber auch nicht darauf an. Wer ein solches Tier aufstelle, heißt es in der Urteilsbegründung, müsse auch „damit rechnen, dass Kinder mit und auf der Tierfigur spielen, versuchen, sich an den Hörner hochzuziehen, den Stier besteigen und auch auf der Skulptur herumturnen“.

Oma verletzte Aufsichtspflicht nicht

Bereits in der mündlichen Verhandlung im Oktober hatte der Vorsitzende Richter des 1. Zivilsenats, Thomas Steiner, gesagt, dass „die Figur gegen ein Umkippen hätte gesichert werden müssen“. Deshalb war es wenig überraschend, dass dem Buben nunmehr 10 000 Euro zugesprochen wurden. Weil die Oma nach Überzeugung des Gerichts ihre Aufsichtspflicht nicht verletzt hat, kam eine Minderung des Anspruchs nicht in Betracht.

Urteil rechtskräftig

Und der Stier? Der steht weiterhin vor der Metzgerei, ist jedoch an der Hauswand so befestigt, dass ein Umkippen ausgeschlossen ist – jedenfalls, wenn ein Kind darauf klettert. Klar ist aber auch: Von dem Metzger zu verlangen, Vorkehrungen für alle denkbaren Eventualitäten zu treffen, würde seine Verkehrssicherungspflicht übersteigen.

Das OLG hat die Revision nicht zugelassen. Eine Beschwerde dagegen kommt nicht in Betracht, weil der Streitwert unter 20 000 Euro liegt. Demnach ist die Entscheidung rechtskräftig.

Andreas Müller

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