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Sie wollen das kulturelle Leben im Würmtal weiter bereichern: (v.li.) Herbert Hanko, Hans Zacherl, Walter Erpf, Ursula Erber, Barbara Zacherl und Roland Heitel sind Gründungsmitglieder von „Theater an der Würm“. Der Kraillinger Tscho Zintl (r.) war begeistert und präsentierte einen Entwurf für ein Vereinslogo.

Neuer Kulturverein „Theater an der Würm“ stellt erste Projektplanungen vor

Heiteres und Politisches

Krailling - Unter dem Namen „Theater an der Würm“ hat sich im Würmtal ein neuer Kulturverein gegründet. Bei einem Treffen im Kraillinger Bürgerhaus Hubertus wurden  die geplanten Projekte vorgestellt.

 Ein neuer Kulturverein im Würmtal? Braucht es solch einen? Gibt es Potential? Und gar Interesse? Die Antwort muss eindeutig „Ja“ lauten, Kultur kann und darf es schließlich nicht zu viel geben. Zumal der Verein das gesamte Gebiet entlang der Würm, von Starnberg bis hin nach Dachau, als Aktionsraum im Auge hat. Interessenten wird es geben, ebenso Spielflächen und Kulturschaffende. Die Gründungsgruppe vom „Theater an der Würm“ ist hochkarätig und gleichermaßen qualifiziert. Und von den üblichen Vereinstümeleien aus Tagesordnungspunkten, Abstimmungen und Wahlen ist man an diesem Abend im Kraillinger Bürgerhaus Hubertus auch noch weit entfernt.

So saßen die rund 15 Besucher um die Mitglieder Hans und Barbara Zacherl (Sänger), Herbert Hanko (Moderator), Walter Erpf (Musiker), Ursula Erber (Schauspielerin) und deren Ehemann Roland Heitel an den Tischen, man rätselte gemeinsam, wie es den nun weiter gehen würde. Schmunzelnde Antwort Herbert Hankos: „Wir wissen’s auch noch nicht!“ Es fehlten die Mit-Gründer Sabine Sauer (BR-Moderatorin) sowie Pianist Gerold Huber, sie ließen sich entschuldigen.

Zum Einstieg gab es eine musikalische Kostprobe, als das Kraillinger Paar Hans und Barbara Zacherl drei Lieder von Felix Mendelssohn-Bartholdy sang. Mit den Stücken „Gruß“, „Ich wollt’ meine Liebe ergösse sich“ und „Wie kann ich froh und lustig sein“ lieferten sie eine treffende Auswahl für diesen ersten Vereinsabend. Nach Applaus gab Hanko einen Einblick in die angedachten Projekte des Vereins. Theater und Musicals, Schauspiel, Kindertheater, Kabarett, Klassischer Tanz, Liederabende sowie Oper möchte der Verein auf die „Theater an der Würm“ bringen. Ganz konkret gibt es schon zwei Projekte, für die geprobt und organisiert wird.

Walter Erpf, Planegger Kultur- und Musikurgestein, stellte die erste geplante Aufführung vor: „Brundibár“, eine Kinderoper in zwei Akten aus der Feder des Komponisten Hans Krása. 1938 komponiert und 1941 im jüdischen Kinderheim in Prag uraufgeführt, wurde das Stück nach der Deportation Krásas in das KZ Theresienstadt von den dort lebenden Kindern über 50 Mal aufgeführt. Immer wieder in wechselnder Besatzung, da viele Darsteller in Vernichtungslager deportiert wurden. Auch inhaltlich ist das Stück durchaus politisch zu deuten, zwei arme Geschwister setzen sich mit Hilfe vieler Freunde gegen den tyrannischen Leierkastenspieler „Brundibár“ durch und können so Geld für die arme Mutter sammeln.

Damals wie heute bietet das Stück Diskussionsstoff. „Das ist ein politisches Stück, auch heute noch“, erklärte Walter Erpf und blickte aus den Fenstern des Bürgertreffs auf die Flüchtlingsunterkünfte in direkter Nachbarschaft. Schon Ende Juni 2017 soll dieses 35-minütige Stück auf die Bühnen an der Würm gebracht werden. „Es gibt an jedem Ort fähige Leute“, sagt Walter Erpf. Gesucht werden Kinderchöre oder Chorleiter, Instrumentalisten und Unterstützer, die helfen, „Brundibár“ zur Aufführung bringen. „Ich bin mir sicher, dass wir die finden“, gab sich Herbert Hanko zuversichtlich.

Ein weiteres, schon bald stattfindendes Projekt wird das Zweipersonenstück „Entenvariationen“ von David Mamet sein. Hans Zacherl und Harald Hanko spielen darin zwei Herren um die 60, die auf einer Parkbank mit Blick auf einen Ententeich ein Streitgespräch führen. Vordergründig geht es um banale Dinge, doch natürlich stehen diese nur metaphorisch für Tiefergehendes. Als Wunschtermin für die Premiere haben sich die Macher das beliebte Würmtaler Entenrennen, das meist im Juni stattfindet, ausgesucht. Gerade findet die Abstimmung mit den Organisatoren statt.

Künftig will man regelmäßig am letzten Donnerstag eines Monats im Kraillinger Hubertus zusammenkommen, immer um 20 Uhr. Und, so formulierte es Hans Zacherl: „Wir wollen nicht nur selbst auf der Bühne stehen, alle anderen sind auch eingeladen.“ Den nächsten Jour fixe am 28. April darf man sich also schon einmal in den Kalender eintragen.

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