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Tscho Zintl befreit ein Bullauge von alten Farbschichten.

Die Bayern entern die Gorch Fock

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Tscho Zintl und sein Sohn Bernhard Donauer helfen bei der Restaurierung  der Gorch Fock (I), eines Windjammers aus dem Jahr 1933. Dafür fahren sie bis nach Stralsund.

Krailling – Nicht jeder hat ein Hobby, das man ihm gleich ansieht. Tscho Zintl wirkt kreativ, heimatverbunden, handwerklich geschickt und redet gepflegtes Bairisch. Segeln auf dem Starnberger See, ja, das kann man sich bei Tscho Zintl gut vorstellen. Doch das ist nicht alles. Der Kraillinger Jahrgang 1943 hat die Welt gesehen. 40 Jahre lang segelte er mehrmals jährlich europaweite Regatten. Mit einem russischen Windjammer überquerte er den Atlantik. Und schon verwundert es weniger, dass er vollen Einsatz zeigt, wenn es darum geht, am anderen Ende Deutschlands einen 82 Meter langen Windjammer aus dem Jahr 1933 wieder seetauglich zu machen.

Er gehört zu einer Gruppe Freiwilliger, die das historische Schiff in Stralsund erhalten wollen. Und er ist von seiner Arbeit so angetan, dass er seinen Sohn Bernhard Donauer ebenfalls für die Arbeit begeistern konnte. Die Gorch Fock (I), die ihm ans Herz gewachsen ist, segelte als Schulschiff der Reichsmarine um die Welt, wurde 1945 von einem Sprengkommando der der Wehrmacht versenkt, von der sowjetischen Militäradministration geborgen und restauriert. Dann segelte sie wieder jahrelang um die Welt.

Heute ist die Gorch Fock (I) ein Museumsschiff und liegt im Hafen von Stralsund vor Anker. Sie ist nicht mit dem Segelschulschiff der Marine aus dem Jahr 1958 zu verwechseln, denn sie hat die Meere seit vielen Jahren nicht mehr befahren.

„Ich bin ein winzig kleines Rädchen“, sagt Zintl in Bezug auf die Unterstützung, die es braucht, um das Schiff auf Vordermann zu bringen. Aber er hilft bereits seit 15 Jahren, die Gorch Fock zu restaurieren. Sein Sohn ist seit zwei Jahren mit von der Partie. Gerade waren sie wieder knapp eine Woche in Stralsund. Wenn Zintl dort ankommt, hisst er seine Fahne. Sie soll zeigen: Die Bayern entern das Schiff. Das Kraillinger und das Brunnthaler Wappen, dort wohnt sein Sohn, zieren die Flagge, ebenso wie sein Markenzeichen, der Bart, und ein B für Bernhard.

Bei schönem Wetter klettert Zintl in der Takelage, bei schlechtem Wetter wird er unter Deck aktiv. Überall gibt es Arbeit auf dem Schiff. Farbschichten aus den vergangenen 85 Jahren kratzte er von der Fassung eines Bullauges ab, „das ist eine mühsame Geschichte“, während sein Sohn uralte Lampen überprüfte und neue Regale baute. „Es ist ein altes Schiff und eine einzige Baustelle“, erklärt Zintl. „Da werkeln wir von früh bis spät.“

Zintl ist jemand, der anpackt. „Man kann nicht immer nur sagen, man müsste, man muss machen“, findet er. Und wenn er meint, die Gorch Fock soll wieder zur See fahren, dann hilft er eben mit. Seiner Frau ist er dankbar, dass sie ihm dafür immer wieder frei gibt. Bislang hat die Gorch Fock trotz der Hilfe von Freiwilligen wie Zintl und Donauer nur das Schwimmzertifikat. Die großen Meere darf sie nicht befahren. „Wir arbeiten daran, dass sie wieder einmal segeln kann.“ Aber nächsten Winter sei erst mal wieder ein Werftaufenthalt fällig, der sicherlich mehrere 100 000 Euro kosten werde und auch wieder nur das Schwimmzertifikat zum Ziel habe.

Um die Gorch Fock seetauglich zu machen, braucht es vor allem Geld. Seit einer seiner Freunde vor 15 Jahren sein Haus belieh, um das Schiff zu retten, ist Zintl als Helfer dabei. „Es ist ein Riesenkulturgut, es wäre schade, wenn es kaputt ginge“, sagt er und träumt von einem Sponsor, der 15 Millionen Euro mitbringt. Bislang war es schwierig, große Spenden aufzutreiben. Und so könnte es sein, dass er und sein Sohn noch öfter nach Stralsund fahren, in den alten Kabinen des Schiffs schlafen und reparieren, was geht. Wenn die Gorch Fock seetauglich ist, brauche es mindestens 60 Menschen, um sie zu segeln. „Die wären da.“ Auch Zintl ist bereit. Bis dahin segelt er drei bis viermal jährlich auf dem Starnberger See.

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