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Keller unter Wasser: Nach dem Starkregen war das Untergeschoss des Pentenrieder Einfamilienhauses von Markus Singer überschwemmt.    

Landratsamt weist jede Schuld von sich

„Bei uns war das gar kein besonderer Fall“

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Die Pentenrieder Familie Singer gibt dem Landratsamt Starnberg die Schuld dafür, dass der Keller ihres Neubaus überflutet ist. Doch die Kreisbehörde sieht sich nicht in der Verantwortung.

Pentenried – Seit vergangener Woche weiß Markus Singer, dass er bei jedem Starkregen zittern muss. Da wurde sein Grundstück überflutet, schlammiges Wasser drückte durch die Fenster in den Keller und ruinierte das Untergeschoss des Neubaus im Benediktenweg 9 in Pentenried. Singer und seine Familie machen das Landratsamt Starnberg dafür verantwortlich, weil es bei der Genehmigung des Bauantrags eine Erhöhung des Bodenniveaus um 28 Zentimeter verweigert hatte. Doch die Kreisbehörde weist jede Schuld von sich.

Das Grundstück war bis vergangenes Jahr landwirtschaftliche Fläche im Außenbereich. Im Rahmen einer Ortsabrundungssatzung wurde es zu Baugrund. Es liegt tiefer als die angrenzenden Felder, die Straße und die anderen Häuser in der Straße. Festgelegt ist in der Satzung, dass die Wandhöhe maximal 4,5 Meter über Geländeoberkante betragen darf. Hinweise auf eine Gefährdung durch Wasser finden sich laut Kraillings Bauamtsleiter Helmut Mayer nicht, dafür ein Eintrag im dazugehörigen Umweltbericht, dass eine entsprechende Aussage noch fehle. „Bekannt war es schon“, sagt Mayer.

Die Bauverwaltung im Landratsamt muss Bauanträge genehmigen, laut der stellvertretenden Pressesprecherin der Kreisbehörde, Barbara Beck, kümmert sie sich aber nur um den Vollzug der Vorgaben in der Ortsabrundungssatzung. Auf die dort vermerkten 4,5 Meter Wandhöhe ab Geländeoberkante beharrte der für Krailling zuständige Sachbearbeiter. Eine Anhebung des Niveaus auf Straßenhöhe lehnte er ab. Der Bauherr hätte die Möglichkeit gehabt, eine Änderung der Vorgaben zu beantragen oder die Wandhöhe zu verringern. Das habe er versäumt, heißt es aus dem Landratsamt.

„Das Grundstück liegt nicht in einem festgesetzten Überschwemmungsgebiet“, so Beck. Die Fachstelle Wasserrecht im Landratsamt sei gehört worden, der Bauherr habe nachgewiesen, dass die grundsätzliche Niederschlagswasserversickerung gesichert sei. „Bei uns war das gar kein besonderer Fall“, so Beck, die damit erklärt, warum der Sachbearbeiter trotz mehrfacher Bitten keinen Ortstermin wahrnahm.

Markus Singers Bruder Michael wollte zur gleichen Zeit bauen. Da sein Grundstück im Benediktenweg aber mit 70 Zentimeter unter Straßenniveau noch tiefer liegt, zögerte Michael Singer, als auch hier der Krailling-Sachbearbeiter im Landratsamt ohne Ortstermin eine Erhöhung des Niveaus ablehnte. Dieter Hager, Kraillinger Altbürgermeister und Nachbar der Singers, schaltete sich ein. „Bei Markus Singer bin ich wegen eines Urlaubs zu spät dran gewesen, aber hier habe ich mich eingemischt“, sagt er.

Hager telefonierte mit Landrat Karl Roth und Kreisbaurat Christian Kühnel. Die Bauverwaltung lenkte nicht ein, von Kühnel sei jedoch der Hinweis gekommen, dass der Bebauungsplan geändert werden müsse. Hager: „Das hat ein halbes Jahr gekostet.“ Im Juli sollen nun die Arbeiten an Michael Singers Haus beginnen. „Das Kreisbauamt hätte nur sagen müssen: Baut höher raus“, so Hager.

Dass keinerlei Hinweise auf mögliche Probleme bei Starkregen vorlagen, will Hager nicht gelten lassen. Denn gegen das Landratsamt waren im Mai 2000 schon einmal Vorwürfe erhoben worden. Gewaltige Regenfälle führten damals dazu, dass der Keller eines gerade einmal drei Jahre alten Hauses überflutet wurde, das im benachbarten Ruffiniweg neben einem abschüssigen Feld gebaut worden war. Der Öltank im Keller schwemmte auf, Öl floss aus, vermischte sich mit dem lehmigen Wasser und schwappte bis ins Erdgeschoss. Auch damals hieß es, man habe nicht höher bauen dürfen. Und auch damals sah das Kreisbauamt die Verantwortung beim Bauherren.

Seit Februar dieses Jahres liegt nun eine Karte vom Landesamt für Umwelt vor, laut der sich die Grundstücke im Benediktenweg in einem wassersensiblen Bereich befinden. Zu spät für Markus Singer.  

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