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Symbolbild: Justitia im Gericht

Aus dem Gerichtssaal

Unfall mit Bus: Geldauflage für Rentner

Krailling - Wenn sich Autos und Busse dort begegnen, wird es in der Kraillinger S-Bahn-Unterführung eng. Einen Unfall mit Fahrerflucht in dem Nadelöhr verhandelte jetzt das Starnberger Amstgericht.

Die S-Bahn-Unterführung an der Pentenrieder Straße ist trotz Ampel eine stete Gefahrenquelle – vor allem, wenn einem als Autofahrer der Linienbus entgegenkommt und es allzu eng wird: Ein 79-jähriger Rentner aus Gräfelfing musste sich jetzt am Starnberger Amtsgericht wegen Unfallflucht einem Strafverfahren stellen, weil er im September 2016 den Bus der Linie 966 mit seinem Skoda gestreift hatte und anschließend einfach weitergefahren war.

„Ich sah in fünf Zentimeter Entfernung eine weiß-blaue Wand vorbeiziehen“, beschrieb der Angeklagte das reichlich knappe Geschehen, in dessen Verlauf der Skoda dem Bus einige lange Kratzer beigebracht hatte – Fremdsachschaden laut polizeilicher Schätzung 500 Euro, laut Werkstatt 1500 Euro. Der von seinem Sohn als Beistand begleitete Beschuldigte sagte im Prozess, er sei sich „keiner Schuld bewusst“, nachdem er damals keinen Stoß oder Krach bemerkt habe: „Ich hatte auch das Radio nicht an und bin geistig ganz normal“, so der 79-Jährige, der gleichwohl andeutete, dass ihn die Sache erheblich in Aufregung versetzte: „Es rumort in mir – ich habe seit 60 Jahren den Führerschein und würde nie im Leben Fahrerflucht begehen“, beteuerte der Rentner. Er sei dem aus der Unterführung kommenden Bus damals jedenfalls nach rechts ausgewichen und habe angehalten.

Der als Zeuge gehörte 34-jährige Busfahrer, gebürtiger Ungar, widersprach mit Hilfe eines Dolmetschers: „Der ist weitergefahren, und sein Außenspiegel hat den Bus gestreift.“ Etwa zwei Sekunden habe dieses „Streifen“ gedauert, danach habe der Skoda-Fahrer seine Fahrt einfach fortgesetzt. Der Busfahrer war ebenso wie die Staatsanwältin der Meinung, dass der Beschuldigte den Unfall hätte bemerken müssen, doch Richterin Brigitte Braun merkte sogleich an: „Hätte müssen – das allein erfüllt den Tatbestand noch nicht.“

Dem Vorschlag der Anklagevertreterin, das Verfahren „gegen geringe Geldauflage“ einzustellen, folgte Braun – mit der Maßgabe an den Gräfelfinger, bis 15. Februar 200 Euro zu bezahlen. Dieser war derart erleichtert, dass er kurz in Tränen ausbrach und versprach, freiwillig auch noch „50 Euro an die Sternsinger-Kinder“ zu spenden.

Thomas Lochte

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