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Verstärkung für die Feuerwehr: Isa Ahmadi, Salman Muradi, Rohula Chamram und Ghulamraza Muradi aus Afghanistan könnten bald in Krailling löschen. 

Asylbewerber bei der Feuerwehr

Verstärkung aus dem Containerdorf

Bei der Kraillinger Feuerwehr haben jetzt vier Flüchtlinge aus Afghanistan ihre Leistungsprüfung abgelegt und dürfen wohl schon bald mit ihren Kameraden ausrücken.

Krailling – Das Kommando „Wasser marsch!“ klingt bei der Kraillinger Feuerwehr derzeit bisweilen etwas anders als sonst. Kommandant Richard Siebler spricht von einer „interessanten Befehlsgebung“. Aber das schmälert seine Freude nicht – im Gegenteil.

Vier Flüchtlinge aus Afghanistan haben jetzt die Leistungsprüfung der Feuerwehr bestanden. „Und sie haben sie alle mit Bravour gemeistert“, sagt Siebler voll Bewunderung. „Ich bin wirklich sehr zufrieden.“ Die Prüfung sei alles andere als einfach – auch sprachlich.

Isa Ahmadi, Salman Muradi, Rohula Chamram und Ghulamraza Muradi leben seit Anfang des Jahres in Kraillings Flüchtlingsunterkunft. In den Dörfern Afghanistans gebe es keine Feuerwehr, erzählt Salman Muradi (25). Als ihm von der Kraillinger Feuerwehr erzählt wurde, habe er sich sofort dafür interessiert. Die Möglichkeit, sich einbringen und helfen zu können, habe ihm gefallen. „Dann habe ich mitgemacht“, sagt Muradi.

Im Frühjahr starteten er und seine drei Kameraden mit Einzelübungen. „Wir hatten jedes Wochenende ein Treffen“, sagt Muradi. Jetzt wissen die Vier, wie ein Brand zu löschen ist. Es fehlt nicht mehr viel, dann dürfen sie auch gemeinsam mit ihren Kameraden ausrücken. Im Herbst könnte es bereits soweit sein, meint der Kommandant.

Siebler sagt: „So stelle ich mir Integration vor.“ Für beide Seiten sei sie ein Gewinn. Für die jungen Männer, die sonst auf engstem Raum lebten, böten die Abende bei der Feuerwehr eine willkommene Abwechslung und eine sinnvolle Möglichkeit, ihre Freizeit zu verbringen. Gleichzeitig weiß er: „Es ist eine gute Möglichkeit, unsere Einsatzstärke zu erhöhen.“ Die vier zeigten Einsatzwillen. „Das sind Topleute.“ Einige sprächen besser deutsch als andere. „Wir hoffen, dass es noch besser wird.“ Aber daran scheint er keinen Zweifel zu haben. Nach den Übungen säßen die Afghanen gemeinsam mit den Kraillinger Kameraden beisammen und ratschten. „Das ist eine schöne Sache. Die kommen gerne.“ Und das ist ihm wichtig.

Jetzt fehlt nicht mehr viel, dann gibt es die ersten Alarm-Piepser der Feuerwehr im Kraillinger Containerdorf. Und dort haben bereits weitere Bewohner Interesse an einer Tätigkeit bei der Feuerwehr angemeldet. Diese Form der Integrationsarbeit macht also bereits Schule. Siebler weiß aber aus seiner Erfahrung in der Jugendarbeit, dass aus Interessenten nicht unbedingt Kameraden werden. „Aber bei den vier Genannten schaut es so aus, als würden sie dabei bleiben.“ Und Muradi bestätigt ihm: „Ich möchte gerne weitermachen.“ Er freut sich auf Einsätze.

Victoria Strachwitz

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