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Präsenz demonstriert: Die Polizei besuchte die Unterkunft auf der Sanatoriumswiese am Donnerstag insgesamt dreimal. 

Nach Polizeieinsatz

Vorfall in Flüchtlingsunterkunft: Helferkreis Asyl schaltet Anwalt ein

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Der Kraillinger Helferkreis Asyl hat einen Anwalt beauftragt. Er soll helfen zu klären, was am Donnerstag bei den Polizeieinsätzen in der Containerunterkunft auf der Sanatoriumswiese passiert ist. Zeugenaussagen weichen von der Darstellung der Polizei ab.

Krailling– „Wir sind noch mitten in der Klärung“, sagt Sonja Welski-Preißer, Sprecherin des Kraillinger Helferkreises. Auch der Bayerische Flüchtlingsrat sei von dem Vorfall unterrichtet worden. „Es sind schwere Vorwürfe, die gegen unsere Bewohner erhoben werden“, so Welski-Preißer.

Um 6 Uhr morgens rückten Beamte der Planegger Inspektion am Donnerstag zu einer routinemäßigen Kontrolle an. Die Regierung von Oberbayern, in deren Zuständigkeitsbereich die Flüchtlingsunterkünfte liegen, war im Vorfeld informiert worden. Die Begehung war bereits beendet, als laut Polizeiangaben gegen 10 Uhr ein 18-jähriger Afghane randalierte, Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes angriff, der das Objekt betreut, und sie mit dem Tod bedrohte. Die Polizei wurde verständigt. Als die Beamten den jungen Mann festnahmen, leistete dieser Widerstand und verletzte die Polizisten leicht. Mehrere Bewohner der Container solidarisierten sich mit dem 18-Jährigen und bewarfen die Polizisten mit Steinen und Glasflaschen. Dabei wurde der Streifenwagen leicht beschädigt. Während dieses zweiten Einsatzes stürzte zudem eine 73-jährige Bewohnerin der Unterkunft zu Boden und brach sich den Arm.

Polizei kehrt mit Unterstützungskommando zurück

Die Polizei kehrte ein weiteres Mal zurück zur Sanatoriumswiese, diesmal mit einem Großaufgebot, darunter das Unterstützungskommando des Polizeipräsidiums München. Durch die massive Präsenz war die Situation laut Polizei schnell unter Kontrolle. Neun Personen wurden festgestellt, bei denen geprüft wird, ob sie für die Steinwürfe verantwortlich waren. Der 18-jährige Afghane wurde wegen Körperverletzung, Bedrohung und Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte angezeigt. Er werde zur Klärung der Haftfrage dem Ermittlungsrichter vorgeführt. Gegen die neun weiteren Bewohner ermittelt die Polizei wegen versuchter gefährlicher Körperverletzung und Landfriedensbruch.

Zeugen wollen Geschehnisse anders wahrgenommen haben

„Wir wollen wissen, was tatsächlich passiert ist“, sagt Welski-Preißer. „Wir als Helferkreis brauchen wieder ein Vertrauensverhältnis zu allen Beteiligten. Das ist eine unschöne Geschichte, die uns alle belastet.“ Der Helferkreis nennt vier Zeugen, die nicht zu den Heimbewohnern zählen und die Geschehnisse und das Auftreten der Polizei ganz anders wahrgenommen hätten. Weil am Donnerstagvormittag ein Runder Tisch in der Containerunterkunft geplant gewesen war, befanden sich dort gegen 10 Uhr zwei Mitarbeiter der Asylsozialberatung der Inneren Mission sowie ein Psychologe vom Sozialpsychiatrischen Dienst Starnberg und ein Mitglied des Helferkreises. Welski-Preißer selbst kam gegen 11 Uhr hinzu, zusammen mit weiteren Helferkreismitgliedern. Das war kurz bevor der Großeinsatz begann. „Da war alles ganz ruhig“, so die Sprecherin.

Bewohner stecken teils mitten in der Prüfungsphase

Am Freitag bemühten sich die Mitglieder des Helferkreises, die Bewohner der Unterkunft zu beruhigen. Welski-Preißer: „Sie stecken teilweise mitten in den Schulprüfungen und sind ohnehin schon traumatisiert.“

Die Container-Wohnanlage, die Platz für 144 Asylbewerber bietet, aber derzeit nicht voll belegt ist, wurde im April 2016 fertiggestellt. Welski-Preißer: „Unsere Anlage galt immer als ruhig und zivilisiert. Es gab mal ein paar Ausreißer, aber nichts Dramatisches.“

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