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Wegen des Krieges: Aussäen statt stilllegen

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Von: Victoria Strachwitz

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Vergangenes Jahr angepflanzt: Jan Niggemann inmitten der jungen Pappeln.
Vergangenes Jahr angepflanzt: Jan Niggemann inmitten der jungen Pappeln. © Dagmar Rutt

Der Krieg in der Ukraine erfordert ein Umdenken. Die Barmherzigen Schwestern pflanzen in Krailling Energieholz und wirken möglichen Getreideengpässen aktiv entgegen.

Krailling –- Überproduktion gilt es zu verhindern. Dafür gibt es das politische Instrument der Flächenstilllegung. Auch in Krailling sollten heuer drei Ackerflächen stillgelegt werden. Doch Jan Niggemann, der Forst- und Landwirtschaft für die Barmherzigen Schwestern im Kraillinger Waldsanatorium betreibt, änderte seinen Plan kurzfristig. „Ich habe entschieden, aufgrund der momentanen Situation noch mal anzusäen.“

Sicherung der Nahrungsmittel

Der Krieg in der Ukraine könne zu einer Getreideknappheit führen, meint er. Also säte er Anfang der vergangenen Woche Gerste an. Vielleicht tat er dies zum letzten Mal auf den besagten Flächen des Waldsanatoriums. Doch er meint, die Politik der Flächenstilllegung könnte zur Sicherung der Nahrungsmittel möglicherweise auch überdacht werden. „Wenn ein massiver Player ausfällt, wackelt das Ganze“, sagt er. Dabei seien die Böden in Krailling nicht besonders gut. Zudem sei er hauptsächlich am Marxhof in Unterhaching, der ebenfalls den Barmherzigen Schwestern gehört, und damit seien die Flächen in Krailling für ihn schwer zu bewirtschaften.

Aus diesen Gründen hatte er bereits im vergangenen Jahr eine andere Ackerfläche einer neuen Nutzung zugeführt. Niggemann pflanzte dort Pappeln und liegt damit voll im Trend – diesmal was die aktuell mit hoher Dringlichkeit angestrebte Unabhängigkeit von russischen Energiequellen anbelangt. Die Kongregation betreibt auf dem Areal des Waldsanatoriums eine Hackschnitzel-anlage, mit der unter anderem das Alten- und Pflegeheim, der BRK-Kindergarten, die Feuerwehr und der Bauhof der Gemeinde beheizt werden. Das Holz für die Anlage stammt bereits aus der Region. Die Barmherzigen Schwestern verfügen über 40 Hektar Wald rund um das Waldsanatorium. Ein Teil der Hackschnitzel kommt aus eigenem Bestand. Diesen Anteil erhöht Niggemann jetzt.

„Ziel ist es, die Anlage künftig selber betreiben zu können“, so Niggemann. „Autarkie war immer schon ein Klosterthema.“ Durch die Pappeln hat sich das Areal um das Kraillinger Waldsanatorium im Laufe des vergangenen Jahres verändert. Wo vor zwei Jahren noch Ackerfläche war, entsteht seit vergangenem Jahr ein Energiewald.

Regen lässt Pappeln schnell wachsen

Die Pappeln, die er auf einer fünf Hektar großen Fläche setzte, wachsen schnell. Der viele Regen im vergangenen Jahr ist ihnen gut bekommen. „Das war beeindruckend“, meint Niggemann. Teils seien die Pappeln bereits drei Meter hoch. Bis zur ersten Ernte müssen sie aber acht Jahre lang wachsen. Niggemann merkt an: „Die Energiewende ist nicht von heute auf morgen zu vollziehen.“ Und: „Für den Ackerbauern ist es schwer, wenn man es gewohnt ist, jedes Jahr zu ernten, und jetzt muss man warten.“

Doch Niggemann weiß, sich die Zeit zu vertreiben. Heuer setzt er die nächsten Pappeln, wieder auf einer fünf Hektar großen Fläche. Der Grund auf dem jetzt der Energiewald wächst, bleibt Ackerfläche. Nach 20 Jahren soll er wieder als solcher genutzt werden.

Spaziergänger sprechen Niggemann immer wieder auf die Flächen im Umbau an. Er sagt: „Letztes Jahr sah es etwas wüst aus, jetzt nimmt es Form an.“ Und er ist sich bewusst: „Es wird die Optik verändern.“ Aber teils seien die Flächen erst in den 1950er Jahren gerodet worden. Und er ist überzeugt: „Es ist schön anzuschauen.“

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