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Abgeholzt: Nach der Entscheidung des Verwaltungsgerichts ließen Eigentümer der Wohnanlage Bäume fällen.  

Baumschutz

Weiteren Fällaktionen Riegel vorgeschoben

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Der Kraillinger Gemeinderat erlässt für die Wohnanlage nördlich der Pentenrieder Straße eine Veränderungssperre.

Krailling – Die Gemeinde Krailling will verhindern, dass in der Wohnanlage nördlich der Pentenrieder Straße weitere Bäume fallen. Der Gemeinderat beschloss deshalb in jüngster Sitzung, eine Veränderungssperre zu erlassen. Die Entscheidung war allerdings heftig umstritten.

In dem Karree zwischen Pentenrieder Straße, Sperber- und Stieglitzweg hatte in der vergangenen Woche die Motorsäge gekreischt. Nachdem das Verwaltungsgericht entschieden hatte, dass die Festsetzung des mehr als 40 Jahre alten Bebauungsplan, den gesamten Baumbestand pauschal unter Schutz zu stellen, nicht haltbar sei (wir berichteten), ließen Eigentümer umgehend Bäume umlegen.

Vorausgegangen war ein jahrelanger Rechtsstreit. Eigentümer der Anlage mit insgesamt 193 Wohneinheiten hatten es nicht hinnehmen wollen, dass ihnen die wegen Verschattung beantragte Fällung von zehn Bäumen und das Ausdünnen weiterer fünf nicht genehmigt worden war, und hatten geklagt. Mit Erfolg. Die Folge: Bis zum Inkrafttreten der neuen Grünordnung wäre der gesamte Baumbestand ungeschützt gewesen. Den geänderten Bebauungsplan gibt es laut Bauamtsleiter Helmut Mayer aber frühestens in einem halben Jahr. Das Landratsamt Starnberg hatte der Gemeinde deshalb zum Erlass einer Veränderungssperre geraten.

Er bezweifle, dass diese nach der Fällaktion noch Sinn mache, meinte Rudolf Heidrich (FBK) in der Ratssitzung. Außerdem sei der Baumbestand in diesem Bereich weiterhin „überdurchschnittlich“. Eleonore Zwißler (CSU) verwies auf die mit großer Mehrheit gefassten Beschlüsse der Eigentümerversammlung für eine Fällung. „Es ist nicht meine Pflicht, gegen hier lange ansässige Leute mit einer Veränderungssperre zu agieren.“ Diese hätten nicht die Absicht, auf dem Grundstück Tabula rasa zu machen.

Das sah Dietlind Freyer-Zacherl (FBK) anders. Die Gemeinde sei verpflichtet, gesunde Bäume zu erhalten. „Da blutet einem das Herz“, sagte sie im Hinblick auf die gefällten Bäume. Laut Adrienne Akontz ist ein Baum älter als 100 Jahre gewesen – er stamme noch aus dem ursprünglichen Eichen-Hainbuchenwald und sei damit älter als die Wohnanlage. Sie habe die Jahresringe gezählt. Auch ihre Parteikollegin Andrea Schulte-Krauss wollte das Gemeinwohl über die Interessen einzelner Eigentümer gestellt wissen. Akontz warf der CSU-Fraktion vor, eine Veränderungssperre zu einem früheren Zeitpunkt verhindert zu haben.

Die Entscheidung fiel letztlich denkbar knapp: elf Gemeinderäte stimmten für, zehn gegen eine Veränderungssperre.

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