Krailling, Bürgermeister Rudolph Haux in seinem Büro
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Freut sich auf den 1. Mai 2022: Kraillings Bürgermeister Rudolph Haux.

Jahresinterview: Kraillings Bürgermeister Rudolph Haux über das Arbeiten in der Pandemie

„Wir können weiterhin nur auf Sicht fahren“

Krailling – Auch wenn das Coronavirus mitsamt seinen Mutationen die ganze Welt unverändert in Bann hält, muss die Arbeit auf kommunaler Ebene weiterlaufen. Projekte sind zu entwickeln und zu verwirklichen, Schwierigkeiten müssen gemeistert werden. Kraillings Bürgermeister Rudolph Haux (FDP) erzählt im Merkur-Jahresinterview vom etwas anderen Pandemie-Alltag, dem lang ersehnten Baubeginn für die neue Ortsmitte, der schwierigen Schulsanierung und auf welchen Termin 2022 er sich heute schon freut.

Herr Bürgermeister, ein seltsames Jahr – geprägt durch eine weltweite Pandemie – ist zu Ende gegangen. Wie hat sich Ihre Arbeit verändert?

Viele Dinge sind einfach nicht passiert, die zu meinem Aufgabenbereich sonst dazu gehören. Insbesondere das Vereinsleben, das soziale Leben im Ort, Veranstaltungen mussten weggefallen. Dieser direkte Kontakt zu den Bürgern, das persönliche Gespräch, fehlt mir als Bürgermeister doch sehr.

Ihr Highlight 2020? Sicherlich der Beginn der Umgestaltung der Ortsmitte.

Ja, auf jeden Fall und bisher gibt es durchweg nur positive Rückmeldungen für diesen ersten Bauabschnitt. Rückblickend kann ich sagen, dass wir alle Termine eingehalten haben. Natürlich gab es auch – wie bei jeder Großbaustelle – Probleme. Insbesondere da sie mit den Corona-Einschränkungen zusammengefallen ist. Problematisch war sicherlich die doppelte Belastung für die Kraillinger Brauerei, Baustelle plus Arbeiten vom Würmtal-Zweckverband. Das ist mir sehr wohl klar. Trotz temporärer Einschränkungen war es aber für die betroffenen Händler unterm Strich machbar.

Nach dem ersten folgt der zweite Bauabschnitt: Start ist im März am Paulhan-Platz mit der Umgestaltung der Margaretenstraße bis zur Luitpoldstraße. Damit die betroffenen Geschäftsleute informiert bleiben, sollte kurz vor Weihnachten ein Treffen im Rathaus stattfinden?

So war es geplant. Aber es musste, bedingt durch den Lockdown, abgesagt werden. Wir stellen die Informationen jetzt zusammen, damit jeder die Möglichkeit hat, auf dieser Basis Vorschläge und Anmerkungen einzureichen.

Ein anderer Dauerbrenner: die Erweiterung des Caritas-Altenheims. Wie ist der momentane Stand, und können Kraillinger mit einem festen Kontingent an Plätzen rechnen?

Stand ist, dass es eine erneute Auslegung des Bebauungsplanes geben wird. Eine festgeschriebene Kontingentierung für eine privilegierte Bevölkerungsgruppe ist laut Rechtsprechung jedoch nicht möglich. Allerdings haben wir mit der Caritas vereinbart, dass zuerst Kraillinger Bürger vorne angestellt werden, dann die Würmtaler und erst dann können sich Menschen aus dem Landkreis bewerben. Das ist auch Stiftungszweck.

Wann ist Baubeginn?

Wir rechnen mit Mai 2022.

Probleme gab es im vergangenen Jahr für die Gemeinde auch bei den Betreuungsplätzen. Sie hatten einen nicht geringen Engpass, wie sieht es zukünftig aus?

Das stimmt. Wir hatten einen riesigen Stau mit 40, 50 Plätzen. Gewundert haben wir uns allerdings dann, dass die Leute nicht mehr nachgehakt haben. Eine Erklärung könnte sein, dass die Eltern sich anderweitig geholfen haben und auch durch Corona mit Homeoffice plötzlich weniger Bedarf bestand. Um besser planen zu können, haben wir aber ein Gutachten bezüglich der Bedarfskapazität in den nächsten zehn Jahren in Auftrag gegeben. Das Ergebnis wird Ende Januar, Anfang Februar vorgestellt. Wobei tendenziell es nicht in Richtung großer Anbau gehen wird. Ein großer Hammer kann für uns allerdings 2025 kommen, wenn es den Rechtsanspruch auf eine Ganztagesbetreuung in der Schule geben wird. Dafür haben wir keine Räumlichkeiten. Für Kinder bis sechs Jahren sind wir dagegen ganz gut aufgestellt. Im Frühjahr kommt der Waldkindergarten auf der Schusteralm für 20 Kinder hinzu.

Apropos Schule: Wie geht es mit der viel diskutierten Schulsanierung weiter?

Wir haben ein Sanierungskonzept, was sehr viel Geld kostet. Geld, das wir nicht haben. Es gibt leider derzeit auch keine Perspektive, wie man die Finanzierung stemmen könnte. Denn eine 100-Prozent-Finanzierung wird das Landratsamt nicht genehmigen. Das heißt wir müssen grundsätzlich noch mal neu denken.

Neben der Umgestaltung der Ortsmitte tut sich etwas auf dem Gelände des ehemaligen „Sunrise ABC International“-Kindergartens Ecke Margareten- und Luitpoldstraße. Das Gebäude ist abgerissen.

Der Investor legt tatsächlich im März, parallel zum zweiten Bauabschnitt, los. Das Konzept sieht ein Gebäude mit Wohnungen und einer Art Café im Erdgeschoss vor mit der Möglichkeit draußen zu sitzen. Wobei diese Fläche dann öffentlicher Raum sein wird und dieselbe Pflasterung erhält wie die restliche Ortsmitte.

Ihre Wünsche für 2021?

Schwierig. Hoffnung, dass das Gemeindeleben wieder so läuft wie vor der Pandemie, habe ich nicht. Einen Termin aber habe ich bereits fest eingeplant: den 1. Mai 2022. Da machen wir ein Maibaumfest mit Aufstellung des Maibaums auf dem neuen Paulhan-Platz und einem großen Straßenfest. Bis dahin werden wir auch 2021 weiterhin nur auf Sicht fahren können.

Interview: Carolin Högel

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