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Lieselotte Lenz betreut als Hospizhelferin Menschen im Kraillinger Altenheim.

Vorbildliches Engagement im Hospizdienst 

Lieselotte Lenz erhält den "Weißen Engel"

Krailling - Lieselotte Lenz  ist im Hospizdienst tätig. Für ihr vorbildliches Engagement wird sie mit dem "Weißen Engel" geehrt

 Das letzte Drittel im Leben von Lieselotte Lenz soll anders aussehen, das hat sich die 74-jährige Gautingerin vorgenommen. Und es scheint ihr zu gelingen. Sie sei nicht mehr die Chefsekretärin, bei der alles zack, zack gehen musste, wie sie sagt. Sie sei nicht mehr ungeduldig, wie sie es auch als Mutter ihrer drei Töchter oft gewesen sei. Seit sieben Jahren ist sie ehrenamtlich als Hospizhelferin für den Ambulanten Hospizdienst in Gauting tätig. Sie begleitet Sterbende auf ihrem letzten Weg. Und sie scheint ihre Aufgabe gut zu machen. So gut, dass sie für ihren Einsatz am Dienstag, 19. April, im „Eisernen Haus“ von Schloss Nymphenburg den „Weißen Engel“ bekommt, eine Auszeichnung des Bayerischen Staatsministeriums für Gesundheit und Pflege. Höchstens 70 Personen im Freistaat werden damit jedes Jahr geehrt. Personen, die sich vorbildlich, langjährig und regelmäßig im Gesundheits- oder Pflegebereich ehrenamtlich engagiert haben. Sie bekommen eine Ehrennadel und eine Urkunde.

Für Liselotte Lenz kam die Auszeichnung überraschend. „Ich habe immer von mir behauptet, dass ich kein sozialer Mensch bin“, erzählt sie. Helfen habe sie nie als etwas Besonderes, immer als etwas Selbstverständliches empfunden. Und: „Wenn man nicht mehr arbeitet, muss man sich eine Beschäftigung suchen“, ist Lenz überzeugt. Vor sieben Jahren sei eine Schwester ihrer Mutter gestorben. „Die ist einen Tod gestorben, der mir nicht gefallen hat“, erinnert sie sich. „Ich wollte sühnen“, sagt sie. Ein Zeitungsartikel habe sie auf die Hospizarbeit aufmerksam gemacht. Und so kam eins zum anderen. „Zeit ist das höchste Gut, das ich habe“, sagt sie. Und dieses teilt sie jetzt seit sieben Jahren. „Ich will nicht auf zehn Hochzeiten tanzen, sondern auf einer und dort die richtigen Schritte machen“, erklärt Lieselotte Lenz. Also investiert sie all ihre Zeit in die Hospizarbeit.

Um sich auf die Menschen, die sie besucht, einzustellen, geht sie zu jeder Begleitung zu Fuß. Auch ein Handy hat sie nicht, um den Fokus klar zu setzen. Insgesamt habe sie mittlerweile zwölf Sterbende auf ihrem letzten Weg begleitet. Zunächst war sie im Gautinger Marienstift, heute ist sie in der Asklepiosklinik und im Kraillinger Altenheim Maria Eich tätig. Vor ihrer ersten Begleitung sei sie sehr aufgeregt gewesen. „Was kommt da auf dich zu“, habe sie sich gefragt. Die Begleitung dauerte eineinhalb Jahre. Und sie lief gut. „Ich hatte kein Vertrauen zu mir“, sagt Lenz rückblickend. Sie habe geglaubt, sie könne das nicht – und wurde eines Besseren belehrt. Sie ist ihrer Aufgabe gewachsen. Auch wenn sie heute noch sagt, „die Aufgabe ist nicht einfach“.

Lieselotte Lenz bereut nicht, sich für die Hospizarbeit entschieden zu haben. Sie hat spürbar Freude an ihrer Arbeit und am Verlauf des letzten Drittels ihres Lebens. „Solange ich Lust dazu habe und so lange ich das Gefühl habe, anderen noch etwas geben zu können, will ich das noch machen.“

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