Das Kraillinger Tanklager hat nach zähem Ringen den Besitzer gewechselt.

Tschechische Firma bekommt den Zuschlag

Kraillinger Tanklager verkauft

16 Stunden Verhandlungen. Doch dann ist das Kraillinger Tanklager tatsächlich verkauft worden - aber nicht an die Gemeinde. Die schaut in die Röhre.

Krailling – Das Insolvenzverfahren um die Eigentümerin des Kraillinger Tanklagers, die Viktoriagruppe AG, neigt sich dem Ende entgegen. Insolvenzverwalter Mirko Möllen hat das Tanklager gestern an die neugegründete Firma „Krailling Oils Development“ mit Sitz in Pullach verkauft. Die Gemeinde Krailling ist damit als Bieter leer ausgegangen.

Kraillings Bürgermeisterin Christine Borst nimmt die Nachricht mit Bedauern auf. „Der Insolvenzverwalter hat uns aber nicht im Unklaren gelassen, dass ihm höhere Gebote vorliegen.“ Es sei seine Aufgabe, den bestmöglichen Kaufpreis zu erzielen. „Wir haben sehr viel Arbeit reingesteckt“, sagt Borst. Aber: „Wir haben damit gerechnet.“

Wie es in einer Pressemitteilung Möllens heißt, gehört die Krailling Oils Development GmbH einem tschechischen Unternehmer aus der Ölbranche, der über eine andere Gesellschaft bereits das Tanklager der Viktoriagruppe in Chlumec in Tschechien vom Insolvenzverwalter erworben habe. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart. Der Verkauf hatte sich für den Insolvenzverwalter unter anderem schwierig gestaltet, weil die Viktoriagruppe in den Tanks Diesel für die Republik Tschechien eingelagert hatte (wir berichteten). Wer der tatsächliche Eigentümer des Kraftstoffs ist, ist laut Möllen aber nach wie vor strittig. Teil der Verkaufsverhandlungen waren also auch Gespräche über den Inhalt der Tanks. So waren nicht nur Insolvenzverwalter und Käufer, sondern auch ein Vertreter der Verwaltung der staatlichen Materialreserven der Republik Tschechien (VSMR) an den Gesprächen beteiligt.

Jakob Linka von der VSMR berichtet von fast 16 Stunden langen Gesprächen in München, die Dienstag gegen 4.30 Uhr in der Früh ein Ende gefunden hätten. Schließlich sei nicht nur ein Kaufvertrag abgeschlossen worden, sondern auch ein Vertrag mit der VSMR. Darin werde der Transport des in Krailling eingelagerten Diesels nach Tschechien geregelt. „Die Eigentumsfrage am Erdöl ist weiter streitig und bleibt von der Auslagerung unberührt“, heißt es in der Pressemitteilung. Dennoch jubelt Linka. Denn der neue Eigentümer müsse die Gleise auf dem Gelände des Tanklagers auf seine Kosten innerhalb von acht Wochen reparieren. Innerhalb von sechs Monaten müsse dann die VSMR den Diesel abtransportieren. Möllen habe zudem akzeptiert, dass in den Kraillinger Tanks 6,3 Millionen Liter tschechischer Diesel fehlten. „Diese Entscheidung ist ein Durchbruch“, sagt Linka. Er geht nun davon aus, dass Tschechien die fehlenden 6,3 Millionen Liter erstattet bekomme.

Obgleich der neue Eigentümer des Tanklagers wieder eine Firma mit tschechischem Hintergrund ist, wird Tschechien dort künftig keine Dieselreserven mehr aufbewahren. „Diesel wird nur in der Republik Tschechien gelagert“, sagt Linka ausdrücklich.

Victoria Strachwitz

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