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„Menschen aus über 90 Nationen leben bereits in Krailling“: Bürgermeisterin Christine Borst (hier an ihrem Schreibtisch im Rathaus) wünscht sich für 2016 vor allem ein friedliches Miteinander der unterschiedlichen Kulturen. 

Interview

Schaffung von Wohnraum hat Priorität

Krailling - Seit 2008 leitet Christine Borst die Gemeinde Krailling. Der Würmtal-Merkur sprach mit ihr über die wichtigsten Aufgaben im neuen Jahr.

Die Einweihung des „Gartens der Stille“ war der Auftakt für die Neugestaltung der Kraillinger Ortsmitte zwischen Margaretenkirche und Paulhanplatz. Welche Maßnahmen sind im Jahr 2016 geplant?

Bürgermeisterin Borst: Für dieses Jahr sind im Haushalt weitere Planungskosten sowie Investitionskosten für die Neugestaltung des Kirchenvorplatzes eingestellt.

Sie haben angekündigt, den Planungsprozess transparent zu gestalten und die Bevölkerung einzubeziehen. Wie soll das konkret aussehen?

Im Januar wird sich der Gemeinderat zusammen mit den Planern einen ganzen Tag Zeit nehmen, um deren Grobplanung intensiv zu diskutieren und mit den Zielen unserer Ortsmitteplanung abzugleichen. Im Anschluss daran kommt das Thema wieder in eine öffentliche Gemeinderatssitzung, wo Beschlüsse zur weiteren Vorgehensweise getroffen werden. Sobald eine mit dem Gemeinderat abgestimmte und für gut befundene Planung vorliegt, wird sie in einer öffentlichen Veranstaltung den Bürgern vorgestellt. Weitere Wünsche und Anregungen können dann noch eingearbeitet werden. Die Planungen der Gemeinde für den öffentlichen Raum müssen Hand in Hand mit den geplanten privaten Bauvorhaben in diesem Bereich wie zum Beispiel dem Neubau des Betreuten Wohnens des Verbands Wohnen in der Margaretenstraße gehen und werden sich über mehrere Jahre erstrecken. Sie sollen aber für die künftige Entwicklung dieses für die Gemeinde so wichtigen Bereichs einen Rahmen für ein gemeinsames abgestimmtes Vorgehen setzen und so die Attraktivität unserer Ortsmitte auch zugunsten des Einzelhandels stärken.

Im Frühjahr kommt erstmals eine größere Zahl von Flüchtlingen, knapp 100, nach Krailling. Wie sollen sie in die Gemeinde integriert werden?

Im April erwarten wir den Einzug der Asylbewerber in die dafür geschaffene Containeranlage auf der Sanatoriumswiese. Wir im Rathaus sind schon seit dem Sommer intensiv mit dem Thema beschäftigt. In mehreren runden Tischen mit dem Kraillinger Helferkreis Asyl wurde besprochen, was an Vorbereitungen notwendig ist. Neben dem Helferkreis waren auch die Schulleitung der Grundschule, die Polizei und das Rote Kreuz Teilnehmer. Wir haben im Vorfeld auch die Anlagen in Tutzing und Herrsching besichtigt und mit den dortigen Verantwortlichen gesprochen. Viele Kraillingerinnen und Kraillinger haben bereits ihre Hilfe angeboten. Sie werden von der Würmtalinsel und dem örtlichen Helferkreis koordiniert. Für Juni haben wir im Bürgerhaus Hubertus ein internationales Willkommensfest geplant. Wir sind sicher, dass die Asylsuchenden in Krailling gut integriert werden können.

Der Flüchtlingsstrom wird auch in diesem Jahr nicht abreißen. Sehen Sie Möglichkeiten, in der Gemeinde weitere Asylbewerber unterzubringen?

Wir werden uns im Gemeinderat intensiv darüber beraten, wo in Krailling noch günstiger und schnell zu realisierender Wohnungsbau für die anerkannten Flüchtlinge, aber auch für unsere eigene Bevölkerung möglich ist. Durch den Umzug der anerkannten Flüchtlinge dorthin wird dann in der Containersiedlung wieder Platz für eventuell weitere aufzunehmende Flüchtlinge frei. Ziel sollte sein, dass bis zum Ablauf des Vertrags für die Containersiedlung die anerkannten Flüchtlinge, die in Krailling bleiben möchten, in regulären Sozialwohnungen untergebracht sind.

Welche weiteren wichtigen Aufgaben stehen – neben Ortsmitteplanung und Flüchtlingspolitik – in diesem Jahr in Krailling an?

Die wichtigste Aufgabe sehe ich in der Schaffung von bezahlbarem Wohnraum. In der Gemeinde Krailling starten 2016 zwei Bauvorhaben mit dem Verband Wohnen, einmal das Betreute Wohnen in der Margaretenstraße und zum anderen eine Wohnanlage an der Fleckhamerstraße. So können im Bereich sozialer Wohnungsbau um die 40 Wohnungen geschaffen werden. Daneben hat der Gemeinderat die planungsrechtlichen Voraussetzungen für zwei Wohnanlagen, einmal auf der Sanftlwiese und einmal an der Gautinger Straße, direkt an der Würm geschaffen, wo hochwertige Wohnungen auch für diejenigen Kraillinger geschaffen werden, die dorthin umziehen und dafür ihre Häuser in Krailling an junge Familien mit Kindern weitergeben wollen.

Was wünschen Sie sich für ihre Gemeinde im Jahr 2016 vor allem?

Für Krailling wünsche ich mir für 2016 vor allem ein friedliches Miteinander der unterschiedlichen Kulturen. Bereits ohne Asylbeweber leben hier Menschen aus über 90 Nationen. Was wir von Gemeindeseite dafür tun können, werden wir tun. Und ich bin sicher, dass unsere Bürger ebenso dazu bereit sind.


Interview: Andreas Deny 

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