Kontrollgang mit Helmlicht und Taschenlampe im Würmtaler Kanalnetz: Hans Jürgen Lugmair, beim Würmtal-Zweckverband zuständig für den Kanalbetrieb, begutachtet die Innenwand der Röhre mit rund einem Meter Durchmesser. Fkn

Der Kreislauf des Wassers

Würmtal - Der Würmtal-Zweckverband stellt seit knapp 60 Jahren Versorgung mit Frischwasser und Abwasserentsorgung sicher.

Ganz selbstverständlich genießen die Menschen heute das kühle Nass im Planegger Würmbad, sogar der Biber ist wieder heimisch. Kaum vorstellbar, dass das Baden nicht gerade empfehlenswert, irgendwann sogar verboten war. Industrieanlagen, vor allem aber das Fehlen einer Kanalisation im immer dichter besiedelten Würmtal, versetzten den Abfluss des Starnberger Sees mit einem immer übleren Cocktail aus Abfallstoffen und Bakterien.

Erst in den 1960er Jahren, als der Siedlungsdruck nach dem Zweiten Weltkrieg immer weiter zugenommen hatte, begannen die anliegenden Gemeinden mit dem Bau eines echten Abwassersystems. Bis dahin flossen die Abwässer über Straßen und Gräben direkt in die Würm oder verschwanden in Versitzgruben. Der Schlamm setzte sich dort am Boden dieser Gruben ab. Der flüssige Anteil gelangte ins Grundwasser und in Flussnähe so ebenfalls in die Würm. Dass diese erste, wenn auch unzureichende Grubenklärung überhaupt funktionierte, war der tief reichenden Schotterschicht zu verdanken, die Gletscher und eiszeitliche Schmelzwassermassen vor 10 000 Jahren im Würmtal abgelagert hatten.

Die Eigenschaften des Untergrundes spielen auch heute noch eine wichtige Rolle, allerdings hauptsächlich für die Trinkwassergewinnung. Verantwortlich für diesen kleinen, für das menschliche Leben aber so wichtigen Teil des gesamten Wasserkreislaufes ist in Gauting, Krailling, Planegg und Gräfelfing der Würmtal-Zweckverband für Wasserversorgung und Abwasserbeseitigung. Er baute ab 1954 das bestehende Frischwassernetz auf den heutigen Stand aus und begann ab 1960 mit dem Aufbau eines zentralen Abwasser-Systems. Die ältesten heute noch benutzten Rohre wurden um 1912 verlegt. Zwischen ein und zwei Prozent des Leitungsnetzes müssen jährlich ausgetauscht werden. Alle 50, spätestens alle 100 Jahre wird es so vollständig erneuert.

Fast die Hälfte des Würmtaler Trinkwassers stammt aus einer natürlichen Quelle im Mühltal. Von dort führt die Hauptwasserleitung nach Westen. Bei Obermühltal wird ein weiteres Drittel der benötigten Wassermengen in die Leitungen gespeist. Brunnen zapfen hier die 30 Meter tief liegende Grundwasserschicht an. Die wird gespeist von Regenwasser, das in mehreren Monaten durch den schottrigen Untergrund gesickert ist. Pumpen befördern das Wasser in Hochbehälter, die den Bedarf für einen einzigen Tag fassen. Größere Vorräte anzulegen ist überflüssig. In der Tiefe findet sich immer genug Wasser.

Die kurze Lagerzeit hält das Wasser besonders frisch, so bedarf es im Normalfall keiner weiteren Aufbereitung. Kurz nach Obermühltal teilt sich die Hauptleitung. Ein Arm versorgt die Gebiete westlich der Würm, läuft durch Gauting und Pentenried, Krailling und Planegg bis nach Gräfelfing. Der zweite Hauptarm versorgt die östlich der Würm gelegenen Gebiete und endet in Martinsried. Insgesamt 200 Kilometer Rohre bringen das Trinkwasser in die Haushalte. Der so entstehende Wasserdruck ist groß genug, dass der Zweckverband keine weiteren Pumpen einsetzen muss. Das Gefälle zwischen Obermühltal im Süden und Lochham im Norden beträgt rund 100 Meter.

Auch das Abwasser fließt fast von alleine zu den Übergabepunkten an der Münchner Stadtgrenze. Die größten Kanäle haben einen Durchmesser von rund 90 Zentimetern, gelten bei Fachleuten damit als „begehbar“. Spaziergänge, wie sie unvorsichtige Menschen in den riesigen Münchner Kanälen immer wieder auf eigene Faust unternehmen, sind im Würmtal aber nicht möglich. Die Leitungen sind auch deshalb kleiner, weil sie kaum Regenwasser aufnehmen müssen. Was vom Himmel auf Dächer, Straßen und Höfe fällt, wird über tausende Sickerschächte direkt dem Boden zugeführt und kann dank des Schotters ausreichend schnell abfließen. 7,5 Millionen Liter Abwässer ergießen sich auch ohne Niederschläge jeden Tag durch dieses System. Heute übrigens weit gleichmäßiger verteilt als früher.

Die Veränderungen in der modernen Arbeitswelt können die Mitarbeiter des Zweckverbandes direkt an ihren Bildschirmen ablesen. Die berühmten Wasser-Verbrauchsspitzen morgens und abends haben sich deutlich abgeflacht. Der Großteil wird unter dem Pasinger Stadtpark dem Abwassernetz der Landeshauptstadt München zugeführt. Die Gräfelfinger Heitmeiersiedlung ist über einen eigenen Kanal mit Pasing verbunden, Martinsried wird nach Großhadern entwässert. Letztlich landen die flüssigen Hinterlassenschaften der Würmtaler allesamt in den Kläranlagen Großlappen, Dietersheim und Marienhof im Münchner Norden.

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