Monsignore Anton Schönauer weihte die drei neuen Bronzetafeln des Kreuzwegs im Anschluss an einen Bußgottesdienst zur Karwoche ein. Sie sind an der Außenwand der Pfarrkirche angebracht. Foto: dagmar rutt

Kreuzweg von St. Stefan vervollständigt

Gräfelfing - Die Ostergeschichte beginnt in St. Stefan an der Außenwand: Drei neue Bronzetafeln des Künstlers und Theologen Franz Hämmerle wurden jetzt eingeweiht.

Kann sein, dass die drei Bronzetafeln vielen Gottesdienstbesuchern erstmals im Widerschein des Osterfeuers ins Auge fallen: Erst kurz vor dem Palmsonntag hat sie der Bildhauer Franz Hämmerle vor der Gräfelfinger Pfarrkirche montiert. Jetzt setzt sich der neue Kreuzweg von St. Stefan auf der Südmauer fort, die den Vorplatz der katholischen Pfarrkirche zur Bahnhofstraße hin abschließt.

Genauer gesagt, jetzt beginnt er dort. Hier fängt die Ostergeschichte im engeren Sinn an. Schauplatz ist der Ölberg, nicht, wie im Kirchenraum, der Kalvarienberg. Vor zwei Jahren fanden neun Tableaus in St. Stefan einen würdigen Platz. Warum nun dieser für die vorstädtische Umgebung eher ungewöhnliche Ort? „Von hier führt der Weg hinein in die Kirche“, erklärt Pfarrer Anton Schönauer. „Die Ereignisse am Ölberg sind ein Programm für sich.“ Hier spielt auch Petrus eine wichtige Rolle. „Das könnten wir alle sein“, meint der Monsignore. Auf dem Land sei häufig der komplette Kreuzweg vor der Kapelle zu finden. „Bei uns betont die Trennung in Außen- und Innenraum die Zäsur zwischen Gründonnerstag und Karfreitag.“

Drei Stationen, drei dramatische Ereignisse. „Alle drei stehen unter dem Motto des gesamten Zyklus“, erklärt der Künstler. Hämmerle ist Akademischer Bildhauer und Diplomtheologe. Im Mittelalter habe es vielerorts auch Ölbergandachten gegeben. „Das große Thema ist immer die Nachfolge.“ Die erste Szene, die Fußwaschung, sprengt die Formen. Im Wortsinn aus dem Lot gerät sie, wo sich die Ränder verschieben. Anstelle Machtgerangels tätige Zuwendung durch Jesus. Vertreter des Systems, „Amts- und Bedenkenträger“, wie Hämmerle sagt, gesichtslos, lassen in der Haltung der Hände Ablehnung, Gleichgültigkeit und belehrende Kritik erkennen.

Von Einsamkeit in Todesangst, aber auch von Wachsamkeit und Hingabe spricht das Mitteltableau. Eine Diagonale dominiert das Bild. Links unten kauern schlafende Jünger auf dem Erdboden, rechts oben strahlt eine Sonne. Ein Kreis, wiederkehrendes Motiv in Hämmerles Werk, Symbol der göttlichen Welt. Dazwischen die Gestalt Jesu. Die Patina sei hier dramatisch eingesetzt, betont der Bildhauer.

Auf der dritten Tafel schildert er die Gefangennahme. Im Mittelpunkt des waffenstarrenden Kreises Jesus mit geöffneten Armen. „Ganz wichtig ist mir hier die Gewaltlosigkeit“, sagt Hämmerle, „die Überwindung der Aggression durch Liebe“.

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