„Natur-Ereignis-Kunst“ lautet der Titel der neuen Ausstellung des Kunstkreises Gräfelfing. Auf dem Seidlhof-Gelände genießt die 2. Vorsitzende Kathrin Fritsche schon mal die Aussicht auf die „Versunkene Kapelle“ von Fabian Vogl. Foto: Rutt

30 Künstler auf 30 000 Quadratmetern

Gräfelfing - 30 Künstler, 60 Werke und 30 000 Quadratmeter Platz: Das umschreibt in schlichten Zahlen die neue Austellung des Kunstkreises Gräfelfing.

Für die Ausstellung öffnet der Gräfelinger Seidlhof, eine grüne Öko-Oase mitten im Wohngebiet, seine Pforten. Flanieren zwischen Obstwiesen und Gewächshäusern: Am Freitag, 19.6Juni, wird das ab 19 Uhr bei der öffentlichen Vernissage und Kunstnacht mit einer Reihe spannender, kreativer Interventionen, Irritationen und Perspektivenwechsel zum illuminierten „Natur-Ereignis-Kunst“. Drei Wochen lang geht es dann mit der Ausstellung, mit Führungen und Workshops rund, frei nach Paul Cézannes Motto „Die Kunst ist eine Harmonie parallel zur Natur.“

Man könnte den Kunstkreis Gräfelfing auch ohne weiteres als Location Scout einsetzen. Filmfirmen zahlen viel Geld für solche Leute, die immer neue Orte entdecken. Die Gräfelfinger nutzen ihre Talente aber lieber selbst, haben einen Kunstwettbewerb für das Gelände ausgeschrieben und mit einer Fachjury aus 130 Bewerbungen und 400 Arbeiten die passende Qualität ausgewählt. Schließlich soll der fulminante, temporäre Kunstpark den Stiftungszwecken des Seidlhofs entsprechen. Dort fördert und erforscht man den ökologischen Garten- und Landbau, unterstützt die Umweltbildung der Jugend und beherbergt zudem ein integratives Wohnprojekt für Menschen mit und ohne geistige Behinderung. Auch diese Wohngemeinschaft ist mit von der Partie, der integrative Verein „Traumwerker“ betreibt zudem an den Wochenenden ein Café, das einmal auf Dauer im Würmtal eine Bleibe finden soll. Und die Gräfelfinger Schule der Phantasie feiert ihr 25-jähriges Jubiläum mit umtriebigen Jugendprojekten.

Und was haben die Künstler aus dem sozialen und politischen Denkansatz gemacht, während man nebenbei auch noch der 100. Geburtstag der Stiftungsgründerin Elisabeth Seidl und den Beginn der dortigen, nachhaltigen landwirtschaftlichen Nutzung feiert? Bilder, Installationen, skurrile Skulpturen, Performances und Objekte zum Mitmachen und vor allem Mitdenken sind entstanden. Dinge, die den Blick wieder auf die Schönheit der Natur lenken, auf ihre perfekten Details. Werke, die die Gedanken wie schwebende Papiervögel beflügeln. Andere wiederum spielen mit den Elementen Wind, Wasser und Licht, lassen natürliche Veränderungen zu und eigene Landschaften entstehen. Dann wiederum zeigen langfristige Pflanzungen und Materialgewinnungen, wie aufwändig der natürliche Kreislauf sich regeneriert. Viele kritische Stimmen fokussieren - durchaus ästhetisch - die Eingriffe der Menschen in das Öko-Gleichgewicht und stellen Romantik neben Zerstörung.

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