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Enttäuschte Gesichter: Vier von fünf Werken des Glaskünstlers Thierry Boissel (2.v.li.), auf die sich Bettina Kurrle und Katharina Fritsche vom Kunstkreis gefreut hatten, kamen in Scherben an. Die Betriebshof-Mitarbeiter André Muche (li.), Martin Funke und Mehmet Alidemaj, die die Kisten abladen wollten, standen vergebens mit dem Radlader bereit.

Malheur der Spedition

Kunstwerke für die Ausstellung "Glas! Klar!" gehen zu Bruch

Scherben bringen Glück? Nicht für Thierry Boissel. Vier vom Künstler gestaltete Glasscheiben sind auf dem Weg zur Gräfelfinger Ausstellung zerbrochen.

Gräfelfing – Scherben, viele Scherben. Dass „Glas! Klar!“, die neue Ausstellung des Kunstkreises Gräfelfing, eine Herausforderung sein würde, war den Veranstaltern klar. Dass die Umsetzung aber so dramatische Formen annehmen würde, übertrifft die schlimmsten Befürchtungen von Bettina Kurrle, der Vorsitzenden des Kunstkreises Gräfelfing.

Am Mittwoch sollten die ersten Exponate als Vorboten für die geplante Herbstschau im Alten Rathaus in Gräfelfing eintreffen: Fünf Glasscheiben à 100 Kilogramm schwer, gestaltet von Thierry Boissel von der Akademie der Bildenden Künste in München. Leicht verspätet trafen sie ein – und anders als erwartet. Vier der fünf Scheiben hatten die Reise von der Glaserei in Paderborn nach Gräfelfing nicht überlebt.

Was die Sache nicht besser macht: Zwei der fünf Stelen aus Glas sollten die Kunstplattform vor dem Rathaus bestücken. Daraus wird nun nichts. Am Montag waren die Holzskulpturen „Business Men“ des Schweizer Künstlers Daniel Eggli abgebaut worden. Jetzt wird es dauern, bis die Kunstplattform, die vor dem Rathaus nun endlich einen Standort gefunden hat, wieder bestückt werden kann.

„Ich bin noch ganz fertig“, sagte Kurrle am Mittwoch, Stunden nachdem sie die Scherben im Lastwagen der Spedition entdeckt hatte. Auch der Künstler Thierry Boissel sei völlig geplättet. „Er hatte so einen Fall noch nie“, sagt Kurrle. Was genau seinen Werken wo widerfahren sei, müsse erst geklärt werden, so die Kunstkreis-Vorsitzende.

„Es war uns von Anfang an klar, dass es mit dieser Ausstellung schwierig wird.“ Glas gehe nun mal schnell kaputt. „Es ist der größte logistische Aufwand, den der Kunstkreis je zu bewältigen hatte“, sagt Kurrle. Neun internationale Künstler sollen ihre Werke aus Glas ausstellen. Drei davon lassen sie per Spedition liefern. „Thierry Boissel war jetzt der Erste, und das ist schon so schief gelaufen“, meint Kurrle erschüttert.

Dabei hatte es gerade so ausgesehen, als würde es für die Kunstplattform und den Kunstkreis gut laufen. Die Premiere auf der Plattform auf dem Platz vor dem Rathaus feierten die „Business Men“, die dort seit dem Frühjahr standen. Die Holzskulpturen seien derart gut angenommen worden, dass einige Gräfelfinger sich bei dem Kunstkreis gemeldet hätten. Sie hätten Geld sammeln wollen, damit die Männer dort stehen bleiben könnten. „Aber die Plattform ist für wechselnde Kunst“, musste Kurrle wiederholt deutlich machen. Schließlich habe sich ein Gräfelfinger gefunden, der sie kaufte und in seinen Garten stellte. Damit seien sie dem Ort erhalten geblieben und dauerhaft an der Freihamer Straße zu besichtigen, sagt Kurrle glücklich.

Doch nun stockt die Bestückung der Kunstplattform. Auch die eine Scheibe, die auf dem Transport nicht kaputt gegangen war, nahm die Spedition erst mal wieder mit, um sie zurück zur Glaserei zu bringen. „Wir hoffen sehr, dass sie für die Ausstellung wieder da sein wird“, sagt Kurrle. Den nächsten Transport übernehme jedenfalls keine Spedition, sondern die Glaserei selbst.

Die Ausstellung „Glas! Klar!“ präsentiert von Samstag, 12. November, bis Sonntag, 27. November, zeitgenössische Glaskunst im Alten Rathaus in Gräfelfing. Die Vernissage ist am Freitag, 11. November, ab 19 Uhr.

Victoria Strachwitz

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