Lärmschutz an der A 96: Tunnel-Vision für 165 Millionen Euro

Gräfelfing - Ein Tunnel könnte Gräfelfinger Anwohner der A 96 vor Lärm schützen. Doch das ist teuer: Ein optimale Lösung würde 165 Millionen Euro kosten, hieß es auf der Bürgerversammlung.

Die Zahl der Wortmeldungen blieb äußerst überschaubar. Ganze elf Gräfelfinger nutzten am Donnerstag die Bürgerversammlung für Fragen, Anregungen und Kritik. Bürgermeister Christoph Göbel (CSU), der die Lage der Gemeinde zuvor in einem straffen Vortrag umrissen hatte, ging dennoch nicht auf alle Punkte ein. Die Vorwürfe von Franz Lang etwa, einem Mitglied der Anliegerinitiative Gartengemeinde (AIG), blieben unkommentiert. Er behauptete, der Gemeinderat habe der Firma Glück mit der Umwidmung von Flächen im Rahmen einer Bebauungsplanänderung ein Baulandgeschenk in Millionenhöhe beschert, als Entschädigung für das verhinderte Biomassekraftwerk auf Glück-Grund.

Göbel überging den von Lang zwar unbelegten, aber doch schwerwiegenden Vorwurf pauschal als „Meinung“. So auch Langs Aussage, die für 80 000 Euro gebaute Garage für ein antikes Feuerwehrauto auf wertvollem Baugrund mitten im Ort sei „ein Schildbürgerstreich“. Die Anwürfe erzeugten kaum Reaktion im Publikum. Und auch sonst blieb die Versammlung, zu der nur rund 100 Bürger im Gräfelfinger Bürgerhaus erschienen waren, unaufgeregt. Gegner und Befürworter einer Umgehungsstraße ergriffen zwar das Wort, die Diskussion scheint mit dem anstehenden Bürgerentscheid aber vorerst befriedet. Die Untersuchungen zur so genannten „kleinen Variante“, die nur einen Umgehungsast südlich der Autobahn A 96 vorsieht, soll Ende November im Gemeinderat vorgestellt werden.

Auch das zweite große Verkehrsthema, ein besserer Lärmschutz für die Anwohner an der A 96, sorgte nur für wenige Reaktionen. Vertreter der beteiligten Planungsbüros stellten die Machbarkeitsstudie für eine Tunnellösung auf der Bürgerversammlung erstmals einer breiteren Öffentlichkeit vor. Eine lärmtechnische Optimierung des westlichen Tunnelportals, dazu eine Verlängerung des bestehenden Tunnels nach Osten bis zum Paul-Diehl-Park, dann eine Galerie südlich der Fahrbahn und ab der Heitmeiersiedlung eine Galerie auf der Nordseite ist für die Planer die optimale Lösung. Sie würde 165 Millionen Euro kosten. Nach Ansicht der Fachleute wären rund zwei Drittel durch Grundstücksverkäufe und Baulandausweisung zu refinanzieren. 66 Millionen Euro müssten anderweitig aufgebracht werden. Was eine Realisierung in dieser Form schwer bis unmöglich machen könnte, vor allem unter Berücksichtigung der angestrebten finanziellen Ziele: Göbel hatte auf der Bürgerversammlung erneut betont, trotz sinkender Rücklagen auch in Zukunft keine Schulden machen zu wollen.

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