Landratsamt toleriert Schwarzbau

- "Kein öffentliches Interesse"

VON MARTIN SCHULLERUS Gräfelfing - Bauantrag, Baugenehmigung, Einhaltung der Vorgaben des Bebauungsplans? All das hat sich ein Gräfelfinger Ehepaar gespart und einfach drauflos gebaut. Der Erfolg gibt den Anliegern der Bahnhofstraße Recht: Das Landratsamt München, die zuständige Bauaufsichtsbehörde, sprach dem Schwarzbau jetzt die Duldung aus. Bei den Gräfelfinger Gemeinderäten dürfte dies auf wenig Verständnis stoßen.

1995 schon hatte das Ehepaar an der Rückseite seines Mehrfamilienhauses an der Bahnhofstraße 7 a ebenerdig ein zusätzliches Schlafzimmer errichtet. Eine Baukontrolle ergab, dass weder Antrag noch Genehmigung vorlagen, und der Bebauungsplan in mehrfacher Hinsicht missachtet worden war: Das neue Zimmer liegt außerhalb des Bauraumes, die erlaubte Grundfläche ist um mehrere Meter überschritten, und es fehlt die vorgeschriebene Tiefgarage. Der Bauausschuss mochte dies nicht dulden und bat das Landratsamt um bauaufsichtliche Maßnahmen.

Diese reichen von der Duldung bis hin zum Abriss. Die Behörde entschied sich für den Weg des denkbar geringsten Widerstands: das Nichtstun. Es gebe keine Veranlassung einzuschreiten, ließ das Landratsamt die Gemeinde am Dienstag auf deren Anfrage wissen; der Bau werde auf jeden Fall geduldet. Der Grund: Das Zimmer stehe schon lange, ohne dass es zu nennenswerten Beschwerden oder Beeinträchtigungen gekommen sei. Öffentliche Belange seien nicht tangiert, es fehle das dringende öffentliche Interesse, rechtmäßige Zustände zu schaffen.

Die Bauherren reagierten prompt: Unter diesen Umständen zogen sie ihren zwischenzeitlich nachgereichten Bauantrag flugs zurück. Wo ein Antrag ist, kann es schließlich auch eine Absage geben.

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