Leihräder im Test: Nicolaus von Salis vom Stockdorfer Radhaus mit Nicola Knoch, Kristin Vetter und Stephanie Baumgärtner (v.l.) vom KIM-Mobilitätskreis. Das Verleihsystem wurde im September beim Mobilitätstag im Gewerbegebiet Firmenmitarbeitern vorgestellt. A-Foto: JS

Leihfahrräder für Firmenmitarbeiter

Krailling - Parkplätze sind in den Gewerbegebieten Steinkirchen und KIM rar. Damit Firmenmitarbeiter auf den ÖPNV umsteigen, finanzieren die Gemeinden jetzt Verleihstationen für Fahrräder.

Rund 80 Prozent der Firmenmitarbeiter in der Kraillinger Innovationsmeile (KIM) kommen mit dem eigenen Pkw zu ihrem Arbeitsplatz. Obwohl die Gemeinde an der Lise-Meitner-Straße einen neuen Parkplatz errichten ließ, mangelt es weiter an Stellplätzen. Im westlichen Bereich des Gewerbegebiets hat sich die Situation durch die Bauarbeiten bei der Firma EOS noch verschärft.

Die KIM-Firmen versuchen gegenzusteuern und haben deshalb vor eineinhalb Jahren einen Mobilitätskreis gegründet (wir berichteten). Im Sommer startete man ein Pilotprojekt: ein Verleihsystem für Fahrräder. Mitarbeiter konnten diese ausleihen, um von den Bahnhöfen in Planegg und Germering ins Gewerbegebiet zu kommen. Die Aktion fand große Resonanz, sechs bis sieben der insgesamt zwölf Räder seien jeden Tag ausgeliehen worden, berichtete Nicola Knoch, Beraterin der Firma EOS für Nachhaltigkeit, dem Gemeinderat.

Aufgrund des Erfolgs soll das Projekt ausgeweitet werden - mit finanzieller Unterstützung der Kommune. Der Gemeinderat bewilligte 18 000 Euro für zwei Verleihstationen mit zehn Fahrrädern im Gewerbegebiet. Für zehn weitere Räder und zwei Stationen an den Bahnhöfen in Planegg und Germering kommen sieben KIM-Firmen auf. Der Vertrag mit der Firma Nextbike wird zunächst auf zwei Jahre abgeschlossen. Das Aufstellen einer Leihstation mit fünf Rädern kostet rund 400 Euro, anschließend fallen pro Monat 355 Euro für die Miete an. Wartung und Reparatur der Räder übernehmen im Auftrag von Nextbike örtliche Fahrradgeschäfte.

Im Kraillinger Gemeinderat gab es aber auch kritische Stimmen. Peter Weigert (CSU) befürchtete, dass Linienbusse zur KIM künftig noch leerer unterwegs seien. Es sei deshalb abzuwägen, ob das Geld nicht besser für den ÖPNV, sprich für eine Taktverbesserung verwendet werde. Auch FBK-Gemeinderätin Michaela Weiss war skeptisch. „Damit schließen wir vielleicht zehn Leute an die KIM an.“ Letztlich stand für den Gemeinderat aber die positive Signalwirkung im Vordergrund. „Durch die Fahrräder wird die Aufmerksamkeit auf den öffentlichen Nahverkehr gelenkt“, sagte Werner Engl (Grüne). Der Beschluss, für zwei Jahre eine Anschubfinanzierung in Höhe von 18 000 Euro zu leisten, fiel einstimmig.

Auch die Gemeinde Planegg beteiligt sich am Aufbau eines kleinen Netzes von Verleihstationen der Firma Nextbike. Sie bezahlt zwei Stationen mit je fünf Rädern, die am Bahnhof Planegg und im Gewerbegebiet Steinkirchen installiert werden. Derzeit läuft bei fünf großen Firmen eine Umfrage, wie viele Mitarbeiter Interesse an dem Verleihsystem haben. Dieses können nicht nur Firmenmitarbeiter, sondern alle Kunden von Nextbike nutzen; die Mitgliedschaft kostet drei Euro im Monat. „Wir wollen keine Solitärlösung, sondern dass das System wächst“, betonte Nicola Knoch.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Briefträger bringt seitenweise Freude
Briefträger bringt seitenweise Freude
Die aktuelle Entwicklung im Würmtal
Die aktuelle Entwicklung im Würmtal
Gustl Bayrhammer: Steter Kampf gegen das „Seppl-Image“
Gustl Bayrhammer: Steter Kampf gegen das „Seppl-Image“
Bürgerbegehren: 1100 Unterschriften gesammelt
Bürgerbegehren: 1100 Unterschriften gesammelt

Kommentare