Letzte Frist für Geothermie-Projekt

Gräfelfing - Nach längerer Pause steht das Thema Geothermie wieder auf der Gräfelfinger Agenda - mit hohem Termindruck.

Für Baldur Trinkl, der die Schürfrechte für Geothermie im Würmtal besitzt, wird es eng: Sollte er bis November dieses Jahres nicht mit dem Bohren auf dem anvisierten Platz zwischen Martinsried, Gräfelfing und Planegg begonnen haben, werde er den Claim, also die Förderrechte, verlieren, sagte Bürgermeisterin Uta Wüst im Bauausschuss am Donnerstag. Sollte es soweit kommen, will jedenfalls nicht die Gemeinde Gräfelfing daran schuld sein. Doch sie befindet sich in einem Dilemma: In den Unterlagen, die Trinkl für die bergrechtliche Genehmigung bei den Behörden vorgelegt hat, fehlt ein „Sondergebiet Geothermie“ im Flächennutzungsplan. Dieses müsste die Gemeinde einarbeiten, um auch ihr Einverständnis zu signalisieren.

Auf Anraten von Frank Sommer (Grüne) legte der Bauausschuss den Vorgang indes auf Eis. Sommers Argument: Die Gemeinde würde ihre Verhandlungsposition gegenüber der Firma Trinkl schwächen, wenn sie jetzt einfach grünes Licht gäbe. Schließlich sei noch zu klären, in welcher Form die Kommune und das Unternehmen bei der Geothermie zusammenarbeiten wollten. Das Firmenkonstrukt und die Preisfindung der zukünftig an die Bürger zu verkaufenden Energie seien wichtige, ungeklärte Fragen. Bis dahin sei die Beschlussfassung zurückzustellen. Und schließlich wolle man die Öffentlichkeit von Beginn an informieren, um Widerstände erst gar nicht entstehen zu lassen. Sommer: „Wir sollten diese Konsequenz aus dem Bürgerentscheid zum Biomasse-Heizkraftwerk ziehen.“

Bürgermeisterin Uta Wüst sagte, die Gespräche mit der Firma Trinkl müssten in der Tat „konkreter werden“. Grundsätzlich begrüße die Gemeinde die Geothermie auch als Möglichkeit, bei der Energieversorgung autarker zu werden. Die Kommune solle auch möglichst am Betrieb beteiligt sein. Einen gemeinsamen Vertragsentwurf oder eine Festlegung auf die Rechtsform der Zusammenarbeit gebe es noch nicht.

Um nicht zu viel Verhandlungspotenzial aus der Hand zu geben und zugleich nicht an einer fatalen Verzögerung des Verfahrens schuld zu sein, schlug Florian Ernstberger (BVGL) einen Kompromiss vor: Die Gemeinde solle die Änderung des Flächennutzungsplanes zunächst schon mal „in Aussicht stellen“. Das empfahl der Bauausschuss dem Gemeinderat, der heute Abend darüber berät, einstimmig. Ebenso die Vorbereitung einer umfassenden Bürger-Information.

Selbst wenn dieser Schritt den Behörden reichen sollte, bleibt unklar, ob die Firma Trinkl den Zeitplan noch einhalten kann. In Gräfelfing bereitet man sich intern auch auf die Möglichkeit des Scheiterns vor: Dann werde man sich eben selbst um den Claim bemühen, war aus dem Rathaus zu hören.

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