„Mein Freund, der Baum, ist tot“: Eva-Maria Urner aus Lochham ist empört über die großzügige Abholz-Aktion der Bahn zwischen Gleiskörper und Gärten. foto: dagmar rutt

Lochhamerin wirft der Bahn "Baumfrevel" vor

Gräfelfing - Anlieger entlang der Bahn in Gräfelfing sind entsetzt: Im Auftrag des Konzerns haben Arbeiter den Grünstreifen zwischen Gleiskörper und Gärten radikal abgeholzt.

Ausgerechnet zwei Bombentrichter sind es, denen Eva-Maria Urner nachtrauert. Besser gesagt: dem, was in den Trichtern wie in einem Biotop wuchs. „Seit 70 Jahren gab es diese beiden Trichter im Graben zwischen meinem Garten und den Gleisen“, sagt die Lochhamerin, die in der Fichtenstraße wohnt. Bis vor wenigen Wochen. Da rückte eine Fachfirma mit schwerem Gerät an. Ohne die Anlieger zu verständigen, holzten die Männer alles radikal ab: gesunde Eichen, Weichselbäume, Birken, Weidenkätzchen, Pfaffenhütchen, Holunder, Haselnuss. Eva-Maria Urner, die Mitglied des Bund Naturschutz ist, könnte die Liste beliebig fortsetzen. „Es war ein Eldorado für Bienen und Vögel“, klagt sie. „Es ist grauenvoll: Mein Freund, der Baum, ist tot.“ Nun hat die Lochhamerin aus ihrem Garten freie Sicht auf die vier Gleise. Und zumindest in der persönlichen Wahrnehmung fehlt ihr mit dem Sicht- auch der Lärmschutz.

Eva-Maria Urner ist eine von mehreren Nachbarn, die sich unter anderem in der Gemeinde beschwerten. Umweltreferent Thomas Leineweber kann die Beschwerden gut nachvollziehen. Er hat sich den kahlen Graben, der nun erst recht aussieht, als habe eine Bombe eingeschlagen, angesehen. Er sagt: „Ich war von dem Ausmaß der Arbeiten überrascht. Das hätte meines Erachtens nicht so weit gehen müssen.“ Schließlich sieht ein Leitfaden des bayerischen Umweltministeriums eine nur sechs Meter breite Zone am Gleisdamm vor, die von Vegetation frei bleiben muss. Hinter dem Garten von Fichtenstraße 3 sind es gut und gerne zwölf Meter.

Leineweber reichte den Vorgang an die Untere Naturschutzbehörde im Landratsamt weiter. Pressesprecherin Christine Spiegel sagte auf Anfrage: „Die Bahn braucht für solche Maßnahmen keine Genehmigung; sie muss sie uns nicht einmal mitteilen.“ In diesem Fall sei das geschehen, und das Landratsamt habe auf die Biotop-Achse und die Bruthöhlen in den Bäumen hingewiesen - offensichtlich ohne jeden Erfolg. Es sei „schwer, Einfluss zu nehmen“, so Spiegel, die auch mangelnde „Kommunikation“ erwähnte.

Dem Merkur gegenüber zeigte die Bahn sich auskunftsbereit. Auf Anfrage teilte ein Pressesprecher am Montag mit, „dass Vegetationsarbeiten sicherheitsrelevanter Bereiche nach Bedarf durchgeführt“ würden. Die von der DB beauftragten Firmen müssten darauf achten, „dass die Schutzabstände zur Oberleitung und zu den Gleisen (sechs Meter lichter Raum von der Gleismitte und offen nach oben) freigeschnitten“ würden. Darüber hinaus müssten Büsche und Bäume entfernt werden, die sturzgefährdet seien oder deren Wurzelwerk den Gleisunterbau beeinträchtigen würden. Bei diesen Arbeiten müssten „sowohl der jährliche Zuwachs des Pflanzenwachstums als auch die Wirtschaftlichkeit“ berücksichtigt werden. Sprich: Holzt man großzügig ab, muss man nicht so bald wieder anrücken. Sicherheit und technische Zuverlässigkeit stünden bei der Bahn „an erster Stelle“. Die „Vegetationskontrolle“ werde jedoch „auf Umweltbelange abgestimmt“, beteuert der Bahnsprecher. Auf den Fall in Lochham ging er nicht ein.

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