Luftfilter sollen verhindern, dass ab Herbst wieder Schulen schließen müssen.
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Luftfilter sollen verhindern, dass ab Herbst wieder Schulen schließen müssen. Doch einige Gemeinden zögern mit der Anschaffung – aus verschiedenen Gründen.

Corona-Pandemie

Luftfilter kein Patentrezept für alle Schulen

  • Victoria Strachwitz
    VonVictoria Strachwitz
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Luftfilteranlagen sollen verhindern, dass die Schulen nach den Sommerferien wieder schließen müssen. Im Würmtal wird mancherorts aber weiter auf das konventionelle Lüften gesetzt. Das liegt nicht nur an den Kosten.

Würmtal – Krailling hat viel Geld in die Hand genommen, um die Grundschule mit Luftfiltern auszustatten. Die meisten anderen Gemeinden im Würmtal scheuen sich davor, in ihren Schulen Luftreinigungsanlagen zu installieren. Gauting rechnet mit Kosten in Höhe von mehr als einer halben Million Euro, um 160 Klassenzimmer mit Luftfilteranlagen auszustatten.

Lüften über Fenster sehr effektiv

„Wir haben in Turnhallen und Fachräumen unsere vorhandenen Frischluftanlagen optimiert, in den Klassenzimmern aber noch keine Luftfilter installiert“, berichtet Charlotte Rieboldt, Sprecherin der Gemeinde Gauting. Die Kommune ist Sachaufwandsträgerin zweier Grundschulen, einer Mittelschule, eines Gymnasiums und außerdem noch am Zweckverband Staatliche Realschule Würmtal beteiligt. CO2-Melder seien im Einsatz und zeigten nachweislich, dass Lüften über Fenster sehr effektiv ist. Mehr als eine halbe Million Euro könne die Gemeinde nur über einen Kredit finanzieren. „Wir beobachten sowohl den Markt, als auch die aktuelle Diskussion zum Thema Sinn und Zweck, vielleicht aber auch Problemen beim Einsatz von Luftfiltern sehr genau“, erklärt Rieboldt deshalb.

Auch Neuried tut sich nicht nur mit den Kosten schwer. An den Filtern des Planegger Feodor-Lynen-Gymnasiums habe sich die Gemeinde aufgrund ihrer angespannten Haushaltslage nicht beteiligt. Der zuständige Zweckverband habe damals 36 Geräte beschafft. „Die Finanzierung erfolgte unter erheblicher Kostenbeteiligung der Elternschaft“, sagt Planeggs Geschäftsleiter Stefan Schaudig.

Rektorin gegen mobile Luftfilteranlagen

Die Kosten für die Geräte sind aber nur ein Grund, der die Sprecherin der Gemeinde Neuried, Inke Franzen, sagen lässt: „Es sieht nicht so aus, als ob wir das direkt umsetzen.“ Der Bayerische Städtetag habe sich unter anderem wegen der mangelnden bewiesenen Funktionalität dagegen ausgesprochen. Und Platzmangel sowie Geräuschkulisse hätten Neurieds Rektorin Pia Rieger veranlasst, sich klar gegen mobile Luftfilteranlagen in den Klassenzimmern der Grundschule auszusprechen. „Im neuen Ganztagsschultrakt werden feste Luftfilter mit einer Wärmerückgewinnung eingebaut. Die Geräuschentwicklung dieser Geräte liegt weit unter der der mobilen Geräte“, erklärt Franzen. Die zwölf weiteren Klassenzimmer und Fachräume werden wohl keine mobilen Luftfilteranlagen bekommen. Aber Franzen weist darauf hin, dass es CO2-Ampeln und Testungen gebe und weiterhin viel gelüftet werde.

Planegg hat bislang ebenfalls vom Aufstellen von Luftreinigungsgeräten abgesehen, sagt Schaudig. „Die beiden Grundschulen besitzen fest eingebaute Lüftungsanlagen, und die Räumlichkeiten sind sehr gut zu lüften.“ Aktuell werde wieder eruiert, ob eventuell doch noch Räume mit solchen Anlagen ausgestattet werden sollen. „Wir gehen aber nach derzeitiger Lage davon aus, dass in der Gemeinde Planegg keine weiteren Luftreinigungsgeräte beschafft werden müssen“, so Schaudig.

Luftfilter in jedem Kraillinger Klassenzimmer

In Krailling hingegen stehen seit Ende des Jahres 2020 Luftfilter in jedem Klassenzimmer. „Die Sicherheit unserer Kinder war dem Gemeinderat sehr wichtig; selbst als noch keine Förderprogramme aufgelegt waren, wurden diese Geräte beschafft“, erklärt der Sprecher der Gemeinde Alexander Broschell. Die Kommune habe 17 Geräte für die Schule und vier weitere für das Rathaus besorgt – zu einem knapp vierstelligen Betrag pro Stück.

Auch in der Gräfelfinger Gemeindeverwaltung heißt es: „Wir lassen unsere Kinder nicht im Stich.“ Eine Mitarbeiterin sagt: „Luftreinigungsgeräte sind generell nicht so dumm, auch für Allergiker.“ So sei in Gräfelfing jedes Klassenzimmer, jede Kinderbetreuung, das Rathaus und das Bürgerhaus mit Luftreinigungsgeräten ausgerüstet worden. Allerdings musste die Gemeinde für die Anschaffung zunächst nicht so viel Geld in die Hand nehmen – sie mietet die Geräte.

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