Machbarkeitsstudie Tunnel A 96: Die Ergebnisse des Zwischenberichts 

Gräfelfing - Frühe Bürgerbeteiligung heißt das Stichwort. Jetzt stellten Planer einen Zwischenbericht der Machbarkeitsstudie zum Tunnel an der A 96 öffentlich vor – und ernteten Enttäuschung.

Bürgerbeteiligung bei Großprojekten, das musste die Gemeinde an diesem Abend lernen, ist keine leichte Übung. „Wir haben uns alle mehr an Ergebnissen erwartet“, sagte Heidi Jakob-Protschky am Ende der Veranstaltung und sprach vielen Besuchern aus dem Herzen. Bürgermeister Christoph Göbel hatte sich zuvor beharrlich geweigert, Aussagen zu möglichen Kosten der Maßnahme und einer präferierten Lösung zu tätigen. Seine Begründung: Die Machbarkeitsstudie solle ergebnisoffen bis zuletzt verlaufen, allein gelenkt von fachlichen Erkenntnissen. Erst am Ende des Gesamtprozesses, also im Frühjahr 2012, sollen die Planer eine Variante empfehlen, und erst dann ist laut Göbel auch eine seriöse Kostenberechnung möglich. Andernfalls, so befürchtet der Bürgermeister, würde sich die Diskussion im Ort schnell verselbständigen – und das mit Inhalten von fragwürdigem Wahrheitsgehalt.

Also bestand der Zwischenbericht zu der groß angelegten Machbarkeitsstudie, die allein schon 250 000 Euro kostet, vor allem aus verfahrenstechnischen Informationen. Die vom Büro Hyder Consulting koordinierte Studie umfasst sieben Spezialgebiete, von der Statik und technischen Ausführung über rechtliche Aspekte, Verkehrsplanung und Städtebau bis hin zur Frage der Finanzierung.

Für sämtliche Berechnungen nehmen die Experten das Jahr 2025 als Referenz, mit angenommenen 115 000 Fahrzeugen täglich, die auf dann vier Fahrspuren pro Richtung verkehren. Zum Vergleich: 1977 befuhren noch 34 000 Autos pro Tag die A 96. Außerdem geht die Studie davon aus, dass zu diesem Zeitpunkt die Staatsstraße 2063 neu gebaut und die Autobahnanschlussstelle nach Osten verlegt ist.

Die in Frage kommende, 2,6 Kilometer lange Trasse der Autobahn auf Gemeindegebiet unterteilten die Planer in fünf Abschnitte und berechneten jeweils die lärmschützende Wirkung von Tunnel- oder Galeriebebauung. Eine Galerie ist in diesem Fall die Überbauung der Autobahn lediglich in einer Fahrtrichtung; das Bauwerk ist zur Autobahn-Mitte hin offen. So eine Galerie käme etwa auf Höhe des Paul-Diehl-Parks auf der Südseite der Autobahn in Frage, außerdem auf Höhe der Heitmeiersiedlung, diesmal auf der Nordseite.

Insgesamt entstanden so fünf Varianten mit unterschiedlichen Tunnel- beziehungsweise Galerielängen, die auf ihr Kosten-Nutzen-Verhältnis hin untersucht werden. Göbel: „Es kann beispielsweise sein, dass wir an einer Stelle einen Tunnel bauen, wo er nicht sehr viel bringt, aber für die Gesamtwirtschaftlichkeit des Projektes nötig ist, weil er wertvolles Bauland generiert.“ Bekanntlich soll die Verwertung der Tunneldecke es ermöglichen, Nutzungen wie den TSV Gräfelfing umzusiedeln und so wertvolles Bauland zu erhalten, das den Grundstock der Finanzierung dieses Riesenprojektes bilden muss.

Indes wurde an diesem Abend deutlich, dass sich die Planer von der anfänglichen Idee verabschiedet haben, die Tunneldecke selbst zu bebauen: Sie wird, wie heute schon die Autobahn, dem Bund gehören und außerdem für eventuelle Tunnelsanierungen von Bebauung frei bleiben. Ebenso schließen die Planer die Errichtung leichter Einhausungen aus, weil sie wartungsintensiv sind und eine Verwertung des Deckels unmöglich machen.

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