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Liebevoll verpackt sind die Nachrichten an Freunde und Verwandte: Zeitbote AG überlässt den Kunden Briefpapier, Umschläge und schmucke Boxen für ihre Post.

Zeitbote AG: Gräfelfinger hat originelle Geschäftsidee

Briefe in die Zukunft

Gräfelfing - Wenn ein Brief erst nach Jahren oder gar nach dem Tod des Verfassers zugestellt wird, war es bislang meist ein Versehen der Post. Jetzt nicht mehr. 

Eigentlich wollte Markus Madlener nur einen Brief schreiben, der zu einem späteren Zeitpunkt zugestellt wird. Statt eines Zustellers hat der Gräfelfinger eine Marktlücke gefunden. Jetzt hat er selbst eine Postlizenz.

Hochzeitspaare werden es Markus Madlener danken. Ihre Geschenke liegen künftig in verantwortungsvollen Händen. Denn wie Madlener zu berichten weiß, schreiben Freunde und Verwandte von Hochzeitspaaren oftmals Briefe, die dann monatlich oder jährlich zum Hochzeitstag bei dem Paar eintreffen sollen. „Wenn es gut läuft, kommt von zwölf Briefen die Hälfte an“, sagt er und meint, „es ist so eine schöne Idee und scheitert an der Umsetzung“. Damit soll jetzt Schluss sein.

Madlener nimmt die Umsetzung professionell in die Hand. Dafür hat er jetzt die Zeitbote AG gegründet. Er liefert seinen Kunden eine edle Geschenkschachtel mit feinem Briefpapier. Sobald ein Brief geschrieben ist, erhält er ihn verschlossen und versiegelt zurück, lagert ihn ein und verschickt ihn, sobald gewünscht. Das kann nächsten Monat sein, in 15 Jahren oder auch nach dem Tod des Verfassers.

Als Madlener sich Anfang 2015 mit seiner Idee selbständig machen wollte, fand er schnell heraus: „Jeder, der mit Briefen hantiert, braucht eine Postlizenz.“ Für seine Postlizenz musste die Bundesnetzagentur nun umdenken. „Das Novum ist, dass wir die Briefe zeitversetzt zustellen dürfen. Üblicherweise ist ein Postdienstleister dazu verpflichtet, unverzüglich zuzustellen“, erklärt er. Jetzt hat Madlener fünf Mitarbeiter, Platz für 50 000 Briefe und schon einige Bestellungen. In einem Lagerraum in Gräfelfing stehen nun große Karteikartenschränke, in denen die Briefe chronologisch geordnet aufbewahrt werden. Jeder Brief ist mit einem Chip und einem einmaligen Code ausgestattet. Auch Zustelldatum, Empfängeradresse und Verfasser sind in einer Datenbank gespeichert. Jeden Morgen wird eine Schublade geöffnet, und die Datenbank erinnert daran, welche Briefe abzuschicken sind.

In der Praxis ist das Versenden aber gar nicht so einfach. Menschen ziehen um, Adressen ändern sich. Absender jeden Briefes ist daher die Zeitbote AG. Viele Briefe sollten aber nicht als unzustellbar zurückkommen, denn zu den Diensten der Firma gehört die Recherche des aktuellen Wohnortes. Wenn ein Empfänger dennoch gar nicht ermittelbar sei, gehe der Brief zurück an den Autor, so der Plan.

Hochzeitsgäste sind nicht die einzigen Kunden, die Madlener im Blick hat. Jegliche Art von Zeitkapsel-Brief sei bei ihm in guten Händen. Er will auch Briefe einlagern, die die Angehörigen des Verfassers erst nach dessen Tod erreichen. „Ein Brief ist eine Möglichkeit, in guter Erinnerung zu bleiben“, sagt er.

Auch habe er bereits festgestellt, dass Menschen gerne an sich selbst schreiben. Für alle von der Zeitbote AG eingelagerten Briefe gilt der gleiche Grundsatz: „Was drin ist, wissen wir nicht. Sie werden verschlossen ein- und ausgeliefert“, stellt Madlener klar.

Nach dem Besuch einiger Hochzeitsmessen in diesem Jahr weiß er, dass seine Idee gut ankommt. „Ausgeliefert haben wir schon eine ganze Menge, aber zurück sind noch nicht so viele“, sagt er über seine Geschenkschachteln. Für eine erste Bilanz muss er das Ende der Hochzeitssaison abwarten.

Victoria Strachwitz

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