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Es schmeckt offenbar immer noch: Die Schüler Lucius (vorne) und Niklas werden an der Ausgabe der KHG-Mensa von Nicolina Passanante (li.) und Michaela Sturm (Kasse) bedient. Die Köche sind die selben geblieben, doch bereiten sie das Essen inzwischen am Germeringer Gymnasium zu und liefern es nach Gräfelfing.

Kurt-Huber-Gymnasium

Mensa stellt auf geliefertes Essen um

In der Mensa des Kurt-Huber-Gymnasiums (KHG) gibt es seit letzter Woche kein vor Ort gekochtes Essen mehr. Stattdessen werden die Mahlzeiten vom Germeringer Gymnasium herübergefahren. Mensa-Betreiber Il Cielo nennt als Grund sinkende Umsatzzahlen – was KHG-Leiterin Anita Groß bezweifelt.

Gräfelfing – Seit Montag nach den Ferien sind in der Mensa des Gräfelfinger KHG keine vor Ort gekochten Mahlzeiten mehr erhältlich. Stattdessen werden die Essen täglich vom Carl-Spitzweg-Gymnasium herüber gefahren, wo Il Cielo ebenfalls die Mensa betreibt. Das Germeringer Team übernimmt die Gräfelfinger Essen zusätzlich. Das spart dem Unternehmen Personal und somit Geld. Spontanes Essengehen wie bisher ist für die KHGler weiterhin möglich. Das Essen kann aber schneller aus sein als bisher, da vor Ort nicht mehr nachgekocht wird. Auch die Portionsgrößen sind weniger flexibel.

Bis zu 300 Mahlzeiten sollen an Spitzentagen früher die Schüler in der Mensa gegessen haben. In letzter Zeit „ging dies auf maximal 150 Essen zurück“, sagt Il Cielo-Chefin Carola Petrone. Ein Grund dafür seien ihrer Ansicht nach die zurückgehenden Schülerzahlen des Gymnasiums. Das Mensa-Team habe zudem nicht nur für das KHG, sondern auch für umliegende Kindergärten gekocht. „Es gibt eine gesetzliche Regel, wonach wir maximal 30 Prozent der Essen außer Haus liefern dürfen“, sagt Petrone. „In der Vergangenheit wurde diese Regel von den Behörden nicht so streng gehandhabt, was sich jetzt geändert hat.“ Durch die insgesamt sinkenden Mengen ginge zusätzlich die Anzahl an Essen, die im Rahmen der 30-Prozent-Regel an die Kindergärten geliefert werden dürfen, zurück.

„Dazu kam, dass der Pausenverkauf stark eingebrochen ist, nachdem wir etwa so wie gut keine normalen Süßigkeiten mehr verkaufen durften“, sagt Carola Petrone. „Alles in allem war damit ein rentabler Betrieb mit Kochen vor Ort für uns nicht mehr möglich; wir waren in den roten Zahlen.“ Für ein Unternehmen sei dies auf Dauer nicht tragbar. Der Speiseplan im KHG sei aber gleich geblieben. Nur das Tagesgericht gebe es nicht mehr.

Carola Petrone sagt, sie habe im vergangenen Jahr das KHG-Sekretariat zu dem Thema mehrfach angerufen sowie Mails geschickt, aber keine Reaktion erhalten. Ein Brief informierte in der letzten Woche die Eltern über die Umstellung, den die Firma auch an das KHG gemailt habe.

„Völlig überrascht worden“ sei sie von dem Ende des vor Ort gekochten Essens, sagte hingegen Schulleiterin Anita Groß auf Anfrage unserer Zeitung. Von einer Kontaktaufnahme des Betreibers wisse sie ebenso wie die stellvertretende Schulleiterin Ulla Braune nichts; auch den Elternbrief habe das Direktorat nicht gekannt. Ein Lehrer habe zufällig die Umstellung mitbekommen. „Die Situation ist jetzt für uns natürlich unbefriedigend. Essen in Styropor-Packungen von Germering nach Gräfelfing zu fahren und hier wieder aufzuwärmen, ist weniger nachhaltig als vorher und passt nicht zu unserem Schulkonzept“, sagt Anita Groß. Die Direktorin bezweifelt zudem die Argumentation des Mensa-Betreibers: Die Schülerzahlen des KHG seien nur minimal von 917 auf 909 zurückgegangen, auch die Umstellung von G8 auf G9 habe noch keine Auswirkungen, da Fünftklässler auch vorher keinen Nachmittagsunterricht und somit Mittagessen in der Schule hatten. „Ich wüsste nicht, woher ein so starker Rückgang kommen sollte.“

Die stellvertretende Direktorin Braune nahm Kontakt mit Il Cielo auf, erhielt aber zunächst keine Antwort. Sie hält es für plausibel, dass es einen Umsatzrückgang aufgrund der Konzeptänderung des KHG hin zu mehr nachhaltigem Essen gegeben hat. „Dann muss der Betreiber uns die Zahlen aber kommunizieren“, so Ulla Braune. „Wenn ich vorher davon gewusst hätte, hätten wir gleich versucht, die Situation zu lösen“, sagt auch Anita Groß.

Wie die Direktorin ist auch Carola Petrone zu Lösungen und Gesprächen bereit. Die Mensa-Betreiberin versuchte im Merkur-Gespräch die Situation zu entspannen und eine Konfrontation zu vermeiden. „Ich möchte mich mit der Schule nicht streiten. Wenn die Leitung sich überrascht gefühlt hat, tut es mir leid“, sagt Petrone. Sie habe das KHG wegen der Schulschließung der letzten Tage noch nicht zurückgerufen. „Wenn jemand anders die Mensa übernehmen möchte, bin ich dafür offen wie für andere Lösungen, ich möchte den Dialog.“

Peter Seybold

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