„Die Stimmung ist gut“: Im griechischen Restaurant Poseidon in Martinsried serviert Wirt Angelos Gounaris eine Nachspeise. Die Gäste machen manchmal einen Spaß über die angespannte Situation, ernsthaft diskutiert wird nicht. foto: js

Der Mensch zählt, nicht die Politik

Würmtal - Zwischen Athen und Berlin ist die Atmosphäre gewittrig - nicht so in den griechischen Lokalen im Würmtal.

Wenn die Würmtaler früher zum zum „Griechen“ essen gingen, dann dachten sie an Urlaubsplanungen. Nun sind in den Medien aber nur noch die vom griechischen Minister Panos Kammenos so treffend benannten „vergifteten Beziehungen“ das Thema - von Entspannung zwischen Griechen und Deutschen ist scheinbar keine Spur mehr. Doch das Bild in den griechischen Lokalen des Würmtals ist differenzierter.

„Manche Gäste sprechen die Politik an, aber eher auf lustige Art“, sagt Ilijana Goupos. Die Mit-Wirtin vom Martinsrieder „Ladokola“ versichert: „Grantig ist keiner.“ Aber untereinander diskutiert das Personal im „Ladokola“ lebhaft. „Die griechische Regierung macht zwar sicher nicht alles richtig, aber man kann auch nicht immer nur ja sagen“, meint ein Koch, der seinen Namen lieber nicht nennen will. „Ich habe fünf Kinder auf der Peloponnes, wie soll ich da sagen, die Politik ginge mich nichts an?“

Ilijana Goupos argumentiert soziologisch. Bei Begegnungen zwischen Griechen und Deutschen zähle vor allen Dingen der einzelne Mensch und nicht die Politik. Und mit Nationalismus komme man eh nicht weiter.

Medienschelte übt Ekaterini Sapounas aus der Taverna „Omikron“ in Lochham, die vor einem Pächterwechsel steht. Die Boulevardzeitungen, egal ob in Deutschland oder in Griechenland, würden zu scharf schreiben, findet sie. „Da wird nichts hinterfragt, da wird alles reduziert aufs Geldargument.“

Christos Bouloumpasis vom Gräfelfinger „Hermes“ sieht vor allem in den griechischen Medien viel Propaganda. „Davon werden die jungen Leute sehr beeinflusst“, bedauert er. Auch seien 40 Jahre Steuerbegünstigung der Reichen und Korruption nicht so schnell weg zu bekommen. Er selber findet zwar, dass jeder EU-Staat ein gewisses Recht auf Hilfe habe, aber es gehe nicht an, wie die Tsipras-Regierung einfach Geschenke einzufordern. „Natürlich betrifft mich der Streit, denn ich habe Familie da unten - aber das Wichtigste für mich und meinen Bruder ist unser Leben hier im Würmtal.“

Fast den gleichen Satz formuliert Angelos Goumanis. Der Wirt vom Martinsrieder „Poseidon“ ergänzt, kleine Sottisen über die deutsche oder die griechische Regierung kämen zwar schon von den Gästen, „aber nur als Witze, spaßeshalber“. Die Stimmung sei gut. Hingegen machten er und sein Team sich durchaus Sorgen um Griechenland. Er denke, dass getroffene Zusagen eingehalten werden müssten. „Aber es wird sich schon ein Weg finden“, sagt er und kleidet in diese Worte zugleich die Hoffnung, dass Griechenland in Euro und Europäischer Union verbleibt - etwas anderes wollte sich auch kein anderer der griechischen Wirte ausmalen.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Reine Luft im Bürgerhaus Gräfelfing
Reine Luft im Bürgerhaus Gräfelfing
Premiere: Pfarrer spenden die Firmung
Premiere: Pfarrer spenden die Firmung

Kommentare