Merkur-Verleger Dirk Ippen: Gut geführte Zeitungen haben Zukunft

Gräfelfing - Zeitungen haben Zukunft - davon ist Merkur-Verleger Dirk Ippen fest überzeugt. In Gräfelfing sprach er über die Revolution der Medienlandschaft.

„Gut geführte Zeitungen sind auch heute noch stabile Wirtschaftsunternehmen“ - mit dieser Aussage hat Merkur-Verleger Dirk Ippen bei seinem Vortrag im Gräfelfinger Bürgerhaus auf Einladung der Literarischen Gesellschaft mit Ängsten aufgeräumt, es gäbe im Zeitalter der modernen Medien bald keine Zeitungen mehr. Der Münchner Merkur und seine Online-Seiten etwa hätten im Gegenteil heute eine Reichweite wie nie zuvor, betonte Ippen anlässlich seines Referats zum Thema „Vom gesprochenen Wort zum Zeitalter der verbundenen Sozialnetze“.

Nach einem kurzen Streifzug durch die Geschichte des Sprechens, Schreibens und Druckens ging Ippen, der zu Deutschlands größten Verlegern zählt, auf die schlagartige digitale Revolution ein, die das schnelle Sich-Verbinden im Internet darstelle. Jedermann könne heute Inhalte so verbreiten, dass die große Masse Zugriff darauf habe. Damit habe sich die Welt total verändert. Das habe zwar die Aufgabe zahlreicher Geschäftsmodelle zur Folge gehabt, dies sei allerdings keine neue Entwicklung in der Geschichte der Medien. „Als es plötzlich überall Druckpressen gab, mussten die Schreibstuben dicht machen“, erinnerte der promovierte Jurist an die Anfänge des Buchdrucks.

Und als dann 1848 die Pressefreiheit deklariert wurde, sei der damalige Siegeszug der Tageszeitungen nicht mehr aufzuhalten gewesen. Der Staat sei latent stets der Feind der Pressefreiheit, betonte der Verleger, dies gelte ebenfalls bis heute. Auch das Geschäftsmodell der Zeitungen, deren Leser diese abonnierten und die schließlich dem Anzeigekunden verkauft würden, habe immer noch Gültigkeit.

Im Jahr 1990 sei dann eine Medienrevolution gewaltiger Größenordnung zu verzeichnen gewesen. „Heute können wir nichts Neues mehr aus den alten Medien erfahren“, gab Ippen zu bedenken. Die Tageszeitung habe von der Nachricht gelebt, deshalb seien auch so viele Blätter direkt an den Poststationen entstanden. Doch mittlerweile sei die Nachricht von der wertvollsten Ware zu etwas geworden, das es überall gäbe und für das niemand mehr bezahlen wolle. Trotzdem seien die Auflagen gerade der Tageszeitungen mit vielen Regionalausgaben in den letzten Jahren nur unwesentlich gesunken.

Im Vergleich zur Musikindustrie, die ihr Waterloo bereits hinter sich habe, sieht Ippen durchaus eine positive Zukunft für die Blätter; gerade in Kleinstädten und auf dem Land stelle die Tageszeitung nach wie vor eines der wichtigsten Medien dar. „Die besten Zeiten der Tageszeitungen sind zwar vorbei, aber es gibt auch viele retardierende Momente, die für ihren Verbleib sprechen“, bilanzierte Ippen. Schließlich sei nur ein kleiner Teil der Bevölkerung wirklich Internet-affin, zudem wollten viele Menschen immer noch beim morgendlichen Kaffee ihre Zeitung auch in der Hand halten. Mit seinen über 1500 Lokalausgaben bundesweit sei Deutschland aber in der Konsequenz immer noch ein Zeitungsland - und werde dies auch in Zukunft bleiben.

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