So genannte Rüttellaster werden im August im Konvoi durch die Rudolf-von Hirsch-Straße in Krailling fahren. Die 28 Tonnen schweren Fahrzeuge lösen seismische Schwingungen aus, um Erkenntnisse über geologische Tiefenstrukturen zu erhalten. Foto: Clara Gierig

Messungen für Geothermie: In Krailling wird die Erde beben

Krailling - Kraillinger Bürger müssen während der Sommerferien mit leichten Erdbeben rechnen. So genannte Rüttellaster fahren für seismische Untersuchungen durch die Würmtal-Gemeinde.

In Krailling wird im August die Erde beben. Die Stadtwerke München (SWM) führen im Bereich München West großräumig seismische Messungen durch, um die Geothermie-Potenziale auszuloten. Allerdings nicht für Krailling selbst, sondern für den Claim Freiham. „Es handelt sich um unterstützende Messungen“, betont SWM-Pressesprecherin Bettina Hess. In Freiham soll erstmals in Deutschland ein ganzer Stadtteil fast ausschließlich über Geothermie und ein Fernwärmenetz versorgt werden.

Das gesamte Untersuchungsgebiet umfasst eine Messfläche von 20 Quadratkilometern und berührt auch den Außenbereich von Gräfelfing in Richtung Germering. In Krailling sind nach Auskunft von Bauamtsleiter Helmut Mayer die Rudolf-von-Hirsch-Straße betroffen, von der Pentenrieder Straße bis zum Caritas-Altenheim, und im Anschluss der Paula-Anders-Weg in Richtung Planegg. Für ihre geophysikalischen Erkundungen werden die Stadtwerke eine Messkarawane auf den Weg schicken, bestehend aus einem Trupp mit rund 110 Personen sowie speziellen Lastwagen. Diese so genannten Rüttellaster erzeugen alle 50 Meter ein zirka zwölf Sekunden langes Vibrationssignal an der Erdoberfläche. Die dadurch erzeugten Schallwellen werden in unterschiedlichen Schichten reflektiert, das Echo fangen mehrere hochempfindliche Mikrofone dann wieder auf. Die auf diese Weise gewonnenen Erkenntnisse werden zur Erkundung des Grundwasserleiters und dessen strukturellen Aufbaus in einer Tiefe von zirka 2300 bis 3500 Metern herangezogen. Die Stadtwerke wollen 2013 in Freiham mit den Geothermie-Bohrungen beginnen. Das neue Heizwerk soll dann voraussichtlich ab 2014 die Grundlast des Wärmebedarfs des neuen Stadtteils und benachbarter Gebiete im Münchner Westen liefern.

Die Rüttellaster befahren laut Bergamt Südbayern überwiegend vorhandene Straßen und Wege, nur in Ausnahmefällen auch Wiesen und Ackerflächen. Um Schäden an Gebäuden, Bauwerken und Versorgungsleitungen zu verhindern, müssen gewisse Sicherheitsabstände eingehalten werden. Betroffene Kraillinger Bürger wollen die Stadtwerke im Vorfeld über Flyer persönlich informieren. „Die Mitarbeiter werden von Haus zu Haus gehen“, so Bauamtsleiter Mayer, der gestern in dieser Angelegenheit nochmals ein Gespräch im Rathaus führte.

Während der Messungen sollen Lärmbelästigungen auf ein Mindestmaß reduziert und die Ruhezeiten eingehalten werden. Dies hat der Gemeinderat in seiner Stellungnahme zum Betriebsplan für die Untersuchungsarbeiten hervorgehoben. Geplant ist, die Arbeiten auf die Zeit von sechs Uhr früh bis 22 Uhr zu beschränken. Mit Probebohrungen müssen die Kraillinger in nächster Zeit nicht rechnen. Die Claims in Krailling hat sich der Unternehmer Baldur Trinkl gesichert. Er richtet sein Augenmerk derzeit aber auf die Gemeinde Planegg. Dort soll noch in diesem Jahr in Steinkirchen ein Bohrplatz eingerichtet werden.

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