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Alle fünf Sekunden eine neue Schwelle: Die RU 800 S tauscht Gleise samt Unterbau fast vollständig im Alleingang aus. Das gibt es so in Europa kein zweites Mal.

Gleisbauarbeiten

Monstermaschine frisst sich durchs Würmtal

Die Bahn arbeitet an der Strecke Planegg-Westkreuz seit Montag mit einer einzigartigen Maschine. Allein ihr Herzstück ist 177 Meter lang.

Würmtal - Lautstark schrillt die Sirene, die die Arbeiter vor einem nahenden Zug warnt. Sie muss immer zu hören sein, selbst mit Gehörschutz im donnernden Lärm des gelben Ungetüms, das seit Montag Zentimeter um Zentimeter von Planegg in Richtung Gräfelfing kriecht. Mit der größten Gleisbaumaschine Europas tauscht die Deutsche Bahn zwischen Planegg und Westkreuz auf zwei von vier Gleissträngen Schienen, Schwellen und Schotter aus.

Die Fahrgäste merken es am ausgedünnten Fahrplan. Die S 6 fährt nur im 40-Minuten-Takt, nachts auch mal gar nicht. Sich im Internet kurz vor geplanten Fahrten nochmal zu informieren, ist in diesem Tagen ratsam.

Für die Anwohner sind die Arbeiten unüberhörbar und kaum zu übersehen. Mit einer Geschwindigkeit von drei Metern in der Minute frisst sich die RU 800 S durchs Gleisbett, reißt alte Schwellen heraus und schürft mit großem Getöse tief in den Schotter. 177 Meter lang ist allein das eigentliche Herzstück dieser einzigartigen Gleisbaumaschine. Mit Lokomotive und Waggons für alte und neue Schienen, Schwellen und Schottersteine misst sie fast 800 Meter. Wer auf der Stelle stehend warten wollte, bis sie vorüber ist, müsste sich einen halben Tag gedulden.

Der ausgebaggerte Schotter wird an Bord gesiebt und mit neuen Steinen gemischt. Dann rauscht er zurück ins Gleisbett, ein Rechen unter dem Zug zieht ihn glatt. Förderbänder verfrachten die Reste aus Erde und zerbröselten Steinen in den hinteren Zugteil. Von vorne holt ein fahrbarer Ladekran laufend neue Betonschwellen, ein Greifer setzt sie im Fünf-Sekunden-Takt auf den Schotter, alle 60 Zentimeter eine.

Die alten Schienenstücke, auf denen der vordere Zugteil gerade noch fuhr, verschwinden in langen Strängen im Bauch der Maschine. Die neuen, über die die hinteren Waggons rollen werden, gleiten heraus, werden dabei gleich passend zurechtgebogen und platziert. In einem Freiraum unter dem fahrenden Zug ziehen Arbeiter die Klammern fest, die Stränge und Schwellen verbinden.

Später müssen die zunächst nur zusammengeschraubten Schienenstücke verschweißt werden. Handarbeit für die Nachtstunden, wenn die RU 800 S steht. So zumindest sei es geplant, sagt ein Bahnsprecher. „Aber die ausführende Firma braucht eventuell vereinzelt auch Arbeitszeit in der Nacht, falls die Maschine tagsüber mal ausfallen sollte.“

In zwei Wochen soll der Abschnitt fertig sein. Vom 14. bis 30. Mai folgen dann die Gleise zwischen Stockdorf und Gauting. Auch hier kommt die RU 800 S zum Einsatz, allerdings nur auf Teilstücken. Weil dort auch Weichen auszutauschen sind, wird überwiegend mit kleinerem Gerät gearbeitet.

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