90 Minuten im Leben der Elektra

- Hofmannsthals Bearbeitung des antiken Stoffes in der Fabrik

VON LAURA HIMMELREICH Pasing - Auf der Theaterbühne der Pasinger Fabrik steht nur eine Badewanne. Bei der Inszenierung des Stückes "Elektra" lenkt nichts von den Figuren ab. Der Zuschauer sieht der Protagonistin Elektra, die fast die gesamte Dauer des Stücks auf der Bühne ist, bei ihren seelischen Qualen zu.

Bei düsterem Licht erzählt sie von Mord- und Selbstmordgedanken, die sie seit der Ermordung ihres Vaters verfolgen. Elektra ist vom Hass auf ihre Mutter erfüllt, die für den Tod des Vaters, Agamemnon, verantwortlich ist. Halt findet sie nur noch in der Hoffnung, ihr verschollener Bruder Orest kehre zurück, um Rache an der Mutter zu nehmen.

Stephan Joachims Inszenierung basiert auf der Vorlage von Hugo von Hofmannsthal, deren Besonderheit darin liegt, dass sie neunzig Minuten in Echtzeit wiedergibt und die psychologischen Verstrickungen der Figuren in den Vordergrund stellt.

Auch in der modernen Psychoanalyse spielt der sogenannte "Elektra-Komplex" eine entscheidende Rolle. Er gilt als weibliche Entsprechung des Ödipus-Komplexes und bezeichnet die überstarke Bindung der Tochter an den Vater bei gleichzeitiger Feindseligkeit gegenüber der Mutter.

Auf der Bühne spielen Nana Müller als Elektra und Gerda Maria Knauer als Klytämnestra diesen Konflikt äußerst intensiv und überzeugend. Die Spannung, die sich während ihres Streitgesprächs aufbaut, sorgt für Gänsehaut. Gegen Ende des Dramas steigert sich das Tempo zusehends. Eine der eindrucksvollsten Szenen bildet das Bad, das Elektra nimmt, um sich von ihrer Schuld rein zu waschen.

Manche der Nebendarsteller können mit der schauspielerischen Leistung der beiden Hauptdarstellerinnen jedoch nicht immer mithalten. Die Kostüme der Nebenrollen bildeten einen deutlichen Kontrast zum antiken Stoff. So tragen die Dienerinnen, in der Funktion eines antiken Chors, Jeans und bauchfreie Tops.

Das tragische, emotional aufwühlende Stück ist noch vom 17. bis 22. September in der Pasinger Fabrik zu sehen ist. Die Vorstellungen beginnen um 20 Uhr. Kartenreservierungen werden unter Telefon 834 20 14 entgegengenommen.

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