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Bernward Jopen in einem Kurs mit Gefangenen: „Die Teilnehmer sollen so noch mehr Verantwortung übernehmen können und ein gesundes Selbstwertgefühl entwickeln.“

Gefangenen-Initiative „Leonhard“

Mit besseren Chancen in die Freiheit starten

Die Gräfelfinger Gefangenen-Initiative „Leonhard“ expandiert. In Zukunft sollen die Schulungen auch in Nordrhein-Westfalen und Hamburg angeboten werden. Zusätzlich gibt es ein Projekt in Nigeria. Die Seminare umfassen seit einiger Zeit auch Suchtberatungen und Persönlichkeitstrainings.

Gräfelfing – „Resozialisierung ist ein komplexes Thema“, sagt Leonhard-Gründer Bernward Jopen. „Wer in ein Gefängnis kommt, hat oft Probleme. Wer rauskommt, hat oft noch mehr Probleme.“ Seit einiger Zeit baut die Initiative daher in ihre Schulungen verstärkt Persönlichkeitstrainings ein. Leonhard hat Workshops in Gruppenarbeit, Umgang mit Widerständen, Führung von Mitarbeitern und Vermeiden von Pleiten in das Schulungsprogramm aufgenommen. „Die Teilnehmer sollen so noch mehr Verantwortung übernehmen können und ein gesundes Selbstwertgefühl entwickeln“, sagt Bernward Jopen.

Da viele Häftlinge zudem ein Suchtproblem haben, gibt eine in dem Bereich erfahrene Sozialpädagogin seit vergangenem Jahr zusätzlich Suchtberatungen. „Bekanntermaßen kommt mancher in den Gefängnissen trotz strenger Kontrollen an Drogen. Wenn man jemandem dann einfach droht, du darfst keine Drogen mehr nehmen, sonst gibt es diese Strafe, bringt das oft nicht viel“, sagt Jopen. Und eine Sucht steht Erfolg im Berufsleben natürlich entgegen. „Erst mal geht es daher darum, Vertrauen aufzubauen, dann um einen Plan zur Entwöhnung“, erklärt Jopen.

Die Gräfelfinger Initiative möchte ihr Angebot künftig von Bayern aus nach Nordrhein-Westfalen und Hamburg ausweiten, um so noch mehr Gefangenen zu helfen. „Wir sind derzeit in Gesprächen mit den dortigen vorgesetzten Behörden und JVAs“, sagt Bernward Jopen. Das ist aber nicht immer einfach, denn bei manchen Gefängnissen stößt die Initiative zunächst auf Skepsis. „Manche sagen, wir haben doch schon einen tollen Excel-Kurs, und verstehen zunächst nicht, dass wir keine Konkurrenz, sondern eine Ergänzung mit anderen Inhalten sind“, sagt Leonhard-Projektmanagerin Tina Mendzigall-Lange. Auch finanzielle Mittel werden für die Expansion noch akquiriert, Dozenten und Partner gesucht. Details und ein genauer Zeitplan, wann es in NRW und Hamburg losgeht, stehen daher noch nicht fest. Ziel ist die zweite Hälfte dieses Jahres.

Bereits seit einiger Zeit beteiligt sich Leonhard aber an einem Projekt einer Nichtregierungsorganisation (NRO) in Nigeria, mit dem die Menschen dort wirtschaftliches Wissen bekommen sollen. An den dreimonatigen Schulungen haben bisher 108 Nigerianer teilgenommen, „die jetzt vor allem in landwirtschaftlichen Projekten tätig sind“, sagt Bernward Jopen. Durch die Schulungen sollen die Menschen dort eine Chance bekommen, sich in ihrem Land eine wirtschaftliche Existenz aufzubauen, ohne gezwungen zu sein, ihre Heimat zu verlassen.

Die NRO war auf Leonhard zugekommen und hatte um Hilfe gebeten, da man die Homepage der Gräfelfinger im Internet gesehen hatte. Jopen: „Ich habe persönlich einen hohen fünfstelligen Dollar-Betrag für das Projekt gegeben, außerdem das Curriculum mit unserer Expertise entwickelt.“

Im Münchner Süden hat Leonhard in den letzten Jahren ein Haus eingerichtet, in dem entlassene Häftlinge, die noch keine Wohnung haben, vorübergehend eine Bleibe finden. Vier Bewohner können hier eine Zeitlang leben, es gibt eine Küche und zwei Bäder. Die Absolventen müssen selbst für die Miete aufkommen. „Das Angebot wird stark nachgefragt“, sagt Bernward Jopen – und ist ein wichtiger Bestandteil des Programms. Denn ohne Wohnung vergeben viele Arbeitgeber keine Jobs, ohne Job bekommt man oft keine Wohnung. Diesen Kreislauf will Leonhard durchbrechen.

Peter Seybold

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